Basilika Pilar
Die majestätische Kathedrale in Zaragoza © kl

Ksenia, Master-Studentin des Faches Romanistik an der Bergischen Universität, reiste für vier Monate über das ERASMUS+ Programm nach Zaragoza in Spanien. Die gebürtige Russin arbeitete dort an einer staatlichen Sprachschule, lernte aber auch – neben der Sprache – die kulturelle Vielfalt Spaniens kennen. Für Euch hat sie ihre Erfahrungen zu Papier gebracht und auf blickfeld veröffentlicht:

Paella, Sonne und Flamenco-tanzende Menschen auf der Straße – so klischeehaft stellte ich mir Spanien vor. Das war aber bevor ich mein Auslandspraktikum im Rahmen des ERASMUS+ Programms in Zaragoza absolviert habe. Dieses wundervolle Erlebnis dauerte vom Oktober 2016 bis Februar 2017 und zeigte mir, dass man in Spanien öfter Kartoffelgerichte isst, die Spanier Temperaturen bis 0 Grad überstehen (mithilfe von zwei bis drei Tassen heißer Schokolade) und sehr fleißig Fremdsprachen lernen.

Das Hauptfest der Stadt – las fiestas de Pilar © kl

Bis dahin war mir die Existenz der Stadt Zaragoza nicht bekannt. Jetzt aber würde ich sie zu der „geheimnisvollen Perle Spaniens“ ernennen. Es ist (leider) bekannt, dass Zaragoza im Schatten von Madrid und Barcelona steht und geographisch genau zwischen diesen beiden Städten liegt. Daher wird sie nicht gerade als Touristenort bezeichnet. Diese Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Aragón ist aber sehr stark kulturell und historisch geprägt: mit der römischen und islamischen Architektur, majestätischen Parks, der traditionellen Küche – jeder findet hier etwas für seinen Geschmack. Gegründet von den Römern wurde sie später von zahlreichen anderen Kulturen wie z.B. der arabischen oder jüdischen geprägt. Jede Stadtecke erzählt ihre eigene Geschichte und der Mix aus ultramodernen Bars, Tee-Houses, Cafés, hunderte Jahre alten Häusern, Monumenten und Fontänen lässt einen einfach staunen.

Weihnachtsköstlichkeiten © kl

Aber ich kam nicht zur touristischen Unterhaltung, sondern um mich ergebnisorientiert und mit einer Menge Engagement ins neue Arbeitsumfeld einzuarbeiten und natürlich dabei die schöne spanische Sprache endlich im vollen Umfang zu erlernen. Mein neuer Arbeitsort befand sich an einer staatlichen Sprachschule Escuela Oficial de Idiomas Nr.1 in der Abteilung für Russisch. Ja, ihr habt es richtig gehört – in Spanien lernt man auch osteuropäische Fremdsprachen! Dazu gibt es vom Staat finanzierte Sprachschulen, deren Zertifikate ein hohes Prestige haben. Deswegen sind die Plätze in den Kursen so schnell weg, wie heiße leckere Churros am Markt zur Mittagszeit. Natürlich ist Englisch die beliebteste und meisterlernte Fremdsprache. Zu meiner größten Überraschung war auch das Russische sehr begehrt und ich durfte Konversationskurse mit spanischen TeilnehmerInnen geben, die Russisch unglaublich korrekt sprachen. Im Unterricht diskutierten wir über die Kultur, Politik und philosophischen Fragen oder lasen Tolstoy, Dostoyevsky … und das ausschließlich auf Russisch. Dabei wurde mir klar, dass Fremdsprachen am besten beim freien Sprechen erlernt werden können und die Angst, beispielsweise grammatikalisch etwas falsch zu machen, nur so besiegt werden kann.

Das Büro der Abteilung für Russisch © kl

Meine Tätigkeiten gingen aber noch viel weiter: Ich organisierte kulturelle Veranstaltungen unserer Abteilung und war für die Pflege der Facebook-Seite verantwortlich. Während ich in den Kursen vor allem meine mündlichen Sprachfähigkeiten ausbauen konnte, habe ich beim Einstellen und Bewerben vieler toller Events am besten Spanisch in Schrift anwenden und vertiefen können. Bei den gut besuchten Veranstaltungen schauten wir uns klassische, aber auch moderne russische Filme an – heiße Diskussionen im Anschluss, meistens aber auf Spanisch, inklusive. Zudem genossen wir gemeinsam mit allen Sinnen kulinarische Köstlichkeiten und feierten zum Höhepunkt gemeinsam Weihnachten – so lustig, (ein wenig) chaotisch und spaßig hatte ich „Navidad“ noch nicht gefeiert!

Beim Weihnachtsfest am Tanzen mit den Studenten der russischen Sprache © kl

Ich erkannte, dass der sprachliche Lernerfolg nicht nur mit Fleiß, sondern viel mehr mit Spaß und Leidenschaft zusammenhängt. Dazu lernte ich in vielen Situationen beispielsweise Unwissenheit oder ein ab und zu herrschendes Lebenschaos zu akzeptieren, vieles einfach loslassen zu müssen und den Moment intensiver zu genießen, sei es die Sonnenstrahlen, eine Tasse Tee oder eine Stunde Siesta …

Mein Appell an alle: Macht ein Auslandspraktikum! Der Such- und Vorbereitungsprozess nimmt sehr viel Zeit und Nerven in Anspruch, aber es lohnt sich zu 101 Prozent. Ihr bekommt in einem fremden Umfeld nicht nur neue Impulse für euren weiteren „Lebensverlauf“, sondern man sieht sich selbst danach mit einem ganz anderen Blick. Im besten Fall reist ihr mit einem neuen „Ich“ zurück nach Deutschland. Bei mir hat sich vor allem meine Selbsteinschätzung sehr positiv geändert und dabei einen frischen Blick auf das Leben entwickelt. Es lohnt sich! »ksl«

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