Bühnenbild mit Fluchtpunkt-Perspektive
© Wil van Iersel

Mit „AscheMOND oder the Fairy Queen“ schuf Helmut Oehring 2013 bei der Berliner Uraufführung im Schillertheater eine durch Vielfalt und Neuartigkeit überzeugende Oper der Moderne. Jetzt möchten auch die Wuppertaler Bühnen mit dem komplexen, aber hochgradig intensiven Stück die Zuschauer im Tal begeistern.

Abstrakte Handlung wie ein Kaleidoskop der Sinne

Dass die Oper keine wirkliche Handlung mit richtigen Hauptdarstellern hat, wird schon zu Beginn des Stücks klar. Die in ein atemberaubend leichtes weißes Gewand gehüllte Kassandra Wedel – alias die Fairy Queen – schwebt zwar immer wieder zwischen den anderen Figuren über die Bühne, wirkt aber vielmehr wie ein „mitfühlendes Mondwesen“, das den Kummer und den Schmerz seiner Mitmenschen begreift.
Denn eben die Schattenseiten des menschlichen Lebens, der Sinn des täglichen Handelns und die Naturgewalten, denen der Mensch ewig schonungslos ausgeliefert bleibt, stellen den Kern der Handlung dar, ohne wirklich einen Handelnden zu präsentieren. „Es ist wie ein Kaleidoskop verschiedener Themen und Zustandsbeschreibungen, die das Stück so komplex und abstrakt werden lassen“, erklärt Dramaturgin Jana Beckmann. So lebe die Vorstellung von einigen existenziellen Fragen der Menschheit und der dadurch erzeugten Stimmung. Zerbrechlichkeit, Angst vor der Sterblichkeit, Vergänglichkeit und Veränderung – das alles sind Leitmotive der Oper, verkörpert von der über allem schwebenden Sonnenfinsternis und den im Stück wechselnden Jahreszeiten.

Musikalisch ein Meisterwerk der Vielfalt

The Fairy Queen inmitten ihrer Schauspielkollegen © Wil van Iersel

Mit dem preisgekrönten Regisseur Immo Karaman verspricht das Opernhaus einen Indendanten der Extraklasse gefunden zu haben. In enger Zusammenarbeit mit Helmut Oehring, dem renommierten Schöpfer des Musikstücks, werden Barock – und modernes Synfonieorchester „wie zwei sich umkreisende Planeten“ vereint. Neben E-Gitarren und Cembali wird das Stück gekrönt durch den Einsatz von Gebärdensprache, die als die eigentliche künstlerische Partitur von der bereits prominenten Kassandra Wedel gezeigt wird.
Zu einem Meisterwerk der Vielfalt wird der Opernabend doch vor allem durch die Verarbeitung zahlreicher Künste innerhalb eines Stücks. So werden nicht nur Musik von Henry Purcell und Oehring selbst, sondern auch Philosophie und Literatur – u.a. von Shakespeare, Heinrich Heine oder Adalbert Stifter – in die Teiluraufführung in Wuppertal integriert. Denn – und das bestimmt den exklusiven Teil der Aufführung sicherlich mit – einige Parts werden am Sonntag zum ersten Mal aufgeführt.

Melancholie wird zur Eigenschaft eines Kollektivs

Zeit, um sich mit den einzelnen Figuren identifizieren zu können, bleibt kaum. Eher ist es eine Inszenierung, die auf die Ängste, Sorgen und Melancholie eines Kollektivs, vielleicht sogar der gesamten Menschheit schaut. Dementsprechend agieren in dieser vielversprechenden und bisher äußerst erfolgreichen Oper bis zu 90 Mitwirkende neben und um die Bühne herum, die – nebenbei – eine gigantische Kulisse in einer Fluchtpunkt-Perspektive bietet.

Beginnend mit einer etwa 30-minütigen Einführung zum Stück um 17:15 Uhr im Kronleuchterfoyer des Opernhauses, fällt der Vorhang zur Vorstellung dann um 18 Uhr am Premierensonntag, dem 29.01.
Karten sind noch verfügbar unter +49 (0) 202 563 7666, für Studierende gilt zu allen Vorstellungsterminen die Bühnenflatrate, inklusive Premiere. »lyh«

Alle Termine auf einen Blick:

  • 29.01.2017 (Premiere), 03.02., 05.02. und 18.03.

Weitere Informationen zum Stück oder den Wuppertaler Bühnen gibt es unter:

  • www.wuppertaler-buehnen.de
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