Noch vergöttert Hausherr Orgon den Übeltäter Tartuffe © Klaus Lefebvre

Mit Sicherheit wünscht sich so manch einer bei Zeiten eine Reise in die Vergangenheit. Man möchte meinen, das sei unmöglich. Dabei hätte es schon ausgereicht, am vergangenen Samstagabend in die letzte Vorstellung von „Tartuffe“ mit integriertem Kostümwettbewerb zu gehen. Denn die urkomische Tragikomödie – im Ursprung von Molière, dieser Tage im Theater am Engelsgarten von den Wuppertaler Bühnen aufgeführt – hatte alles, was einen richtigen Ausflug in vergangene Zeiten braucht.

Über den Roten Teppich in die Vorstellung

Philippine Pachl, Stefan Walz und Miko Grieger in einer der urkomischen Szenerien der Tragikkomödie © Klaus Lefebvre

Pünktlich zum Karnevalswochenende leisteten die Wuppertaler Bühnen ihren Beitrag zum Verkleidungskult – und der hatte es in sich. Mit dem Kostümwettbewerb „Dress Up Barock“ wurden viele der Zuschauer überrascht – was sich in bewundernden Blicken auf die Kostümierten äußerte, die ab 18:30 Uhr über den ausgerollten Roten Teppich am Theater am Engelsgarten liefen und vom bühneneigenen Fotografen Sebastian Eichhorn abgelichtet wurden.
So versetzte das Schauspiel Wuppertal die Zuschauer schon im Vorraum des Theaters in eine andere Zeit. Zwischen Fächer, pompöse Hüte und weiße Perücken hatten sich hier und dort aber auch einige bunte Karnevalskostüme geschlichen – so fand man sich nach und nach in einer verrückten bunten Welt wieder, die träumerischer nicht hätte sein können.

Hinreißendes Ensemble fasziniert das Publikum

Stolz schaut die Gewinnerin des Kostümwettbewerb Bärbel Holl in die Kamera. An ihrer Seite: Julian Grüter, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bühnen © Marco Theis

Dem O-Ton entsprechend wurde „Tartuffe“ – natürlich Molière gerecht – in Versform aufgeführt, und auch die zeitweise eingespielte Musik erinnerte stark an die von Purcell, die in der ebenfalls von den Wuppertaler Bühnen inszenierten Oper „AscheMond oder The Fairy Queen“ dargeboten wurde. Da fiel es dem Zuschauer leicht, sich neben seinem in bunte Rüschen gekleideten Nachbarn voll und ganz in die urkomische Aufführung hineinziehen zu lassen. Denn eines war dieses Stück in jedem Fall: voller irrwitziger Szenerien, die den Zuschauer in gekonnten Abständen zum Lachen brachten – nicht zuletzt dank des hervorragenden Schauspiels der Darsteller. Allen voran Philippine Pachl, die eine ganz wunderbare Elmire, Gattin des Protagonisten Orgon, verkörperte. Doch auch Orgon selbst – alias Stefan Walz – zeigte sich dem Publikum mal gewitzt, mal den Jecken gerecht das Tanzbein schwingend. In jedem Fall hinreißend – jeder einzelne Wuppertaler Schauspieler.

Bärbel Holl gewinnt „Dress Up Barock“ mit Anmut und Bescheidenheit

Nachdem der Übeltäter Tartuffe aufgeflogen, der Haussegen der Familie Orgon wieder gerade gerückt worden und das Ensemble unter tosendem Beifall von der Bühne verabschiedet worden war, hatte das Team um Petra Leidner, Leiterin der Kostümabteilung für Damen noch eine letzte Aufgabe. Die Preisverleihung des Kostümwettbewerbs wurde direkt im Anschluss vor goldenem Vorhang präsentiert. Schnell war klar, dass Bärbel Holl – in weinrotem Barockkleid und weißer Perücke – die Gewinnerin des Abends und damit des exklusiven Premierenpakets für „Der gute Mensch von Sezuan“ war. Auf Nachfrage unserer Zeitung beschrieb sie ihren Sieg als unerwartet. „Ich mache mir keinen Kopf, es geht mir rein um den Spaß an diesem Abend“, erklärt sie.

Ein wunderbarer Abend voller intensiver Eindrücke entführte mit Bravour für ein paar Stunden lang in die Vergangenheit. »lyh«

Weitere Produktionen der Wuppertaler Bühnen auf einen Blick:

  • Die Hölle/Inferno:
    Mi, 1. März um 21:00 Uhr im Opernhaus unterm Dach, ausverkauft
  • Das Literarische Solo:
    Do, 2. März um 17:00 Uhr in der CityKirche Elberfeld
  • Janis! Eine Hommage an Janis Joplin:
    Sa, 4. März um 19:30 Uhr im Theater am Engelsgarten
  • ~[ungefähr gleich]:
    So, 5. März um 18:00 Uhr im Theater am Engelsgarten
  • Premiere „Der gute Mensch von Sezuan“:
    Fr, 24. März um 19:30 Uhr

Informationen zu den Wuppertaler Bühnen gibt es unter:

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