Das Wuppertaler Tanzhaus überzeugte beim Casting für Brechts Stück „Der gute Mensch von Sezuan“

Premiere am Freitag, 24. März.

Nicht nur die alt bekannten Gesichter des Schauspielhauses sind voller Spannung auf die Premiere. Auch ihre Kollegen vom Wuppertaler Tanzhaus mischen ordentlich mit in der aktuellsten Produktion der Bühnen. © Klaus Lefebvre

Mit der Inszenierung des epischen Theaterstücks aus den 1930er Jahren von Bertolt Brecht, stellen die Wuppertaler Bühnen erneut ein Stück vor, dass nicht nur unterhalten, sondern auch anregen soll, kritisch zu denken. Premiere des weltweit bekannten Dramas ist am Freitag, 24. März.
In einer Zeit politischer Unruhen und Unsicherheiten schreit die Welt verzweifelt nach guten Menschen. Oder wenigstens nach einem guten Menschen. Aber gibt es den überhaupt? Egal ob in der Epoche des Nationalsozialismus oder in der heutigen – Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ bleibt zeitlos.

Ist der gute Mensch eine Utopie?

In der chinesischen Vorstadt Sezuan suchen drei Götter das Gute im Menschen. Sie finden das Mädchen Shen Te, die aber nach und nach an ihre Grenzen kommt und sich irgendwann in den Vetter Shui Ta verwandelt. Dieser ist erfolgreich, aber rachsüchtig und furchterregend. Durch zu viel Güte zum Gegenteil des guten Menschen, gar des Gutmenschen, geworden? Bezeichnend dabei ist wohl gerade das kapitalistische Prinzip, dass das ehemals mittellose Straßenmädchen zu einem reichen Menschen gemacht hat. Reich, aber un(g/b)eliebt?
Es sind Grundsätze, um die es hier geht. Die Götter scheinen versagt zu haben, hat die Welt es auch? Es sind Fragen, die uns auch heute noch oder wieder beschäftigen.

Tiefgang trifft auf moderne Inszenierung

Nach ~[ungefähr gleich], das seit zwei Monaten die Wuppertaler Bühne im Engelsgarten zum Ort der Kritik am kapitalistischen System macht und dazu anregt, sich mit aktuellen Problematiken auseinanderzusetzen, wird nun der Mensch und das Gute in ihm in den Vordergrund gerückt. Dieses Mal wird die gigantische Bühne des Opernhauses als Schauplatz dienen, was dem dramatischen Stück wohl noch mehr Tiefe geben wird. Dem Stück, das zwar mitten in China spielt, aber im Grunde überall stattfinden könnte. Denn nichts außer der Namen erinnert an das Reich der Mitte, die Schauspieler sind mit Sonnenbrillen und schrägen, bunten Outfits geschmückt. Eben ein Theaterstück, bei dem es schwer fällt, sich nicht mit dessen Welt zu identifizieren.

Schauspieler und Tänzer gehen Hand in Hand

Tanzen mit Stöcken, eine schräge Bühne, ungewöhnliche neuartige Geräuschkulissen, ein eigens erfundenes Instrument namens „Gotham City“ und die ganz besondere Integration der Tänzer in das Schauspiel sollen der Originalfassung von Brecht noch einmal ein wenig Aufschwung geben. Das Team möchte das Stadtleben unter anderem in den Vordergrund rücken.
„Dass die Regie uns als Tänzer derart in das Stück einbindet und wir fast immer mit den Schauspielern auf der Bühne stehen, hätten wir am Anfang nicht gedacht“, sagt Ateş Kaykilar erfreut, Choreograph und Tänzer im Ensemble des Wuppertaler Tanzhauses, der sich mit einigen seiner Tänzer beim Casting zum Stück erfolgreich gegen zahlreiche andere Teilnehmer durchgesetzt hat und seitdem drei bis vier Mal die Woche zum Proben im Opernhaus ist.
Dass das Stück komplex ist, läge unter anderem daran, dass acht Schauspieler 37 Rollen ausfüllen müssen, was dem wunderbaren Wuppertaler Ensemble aber bei jahrelanger Erfahrung nur gelingen kann, wovon sich auch die jungen Tänzer inspirieren lassen. „Ich muss zum Beispiel auch improvisieren und habe während der Proben unglaublich viel im Bereich Schauspiel gelernt“, erklärt Ateş Kaykilar und ist damit sicherlich nicht der Einzige in dem Ensemble, dessen jüngstes Mitglied gerade einmal 14 Jahre alt ist.

Ein Stück, das mit Humor, Dramatik, Philosophie und manchmal erschreckender Realität einlädt zu unterhalten und kritisch zu denken

Die Premiere findet am Freitag, 24. März im Opernhaus in Barmen statt.
Weiter geht es am Samstag, 25. März, am Donnerstag, 13.April, und weiteren Terminen bis Ende Juni. Karten sind unter 0202 563 76 66 bei der KulturKarte erhältlich, für Studierende gilt kostenfreie Variante für alle Aufführungen, exklusive der Premiere, über die Bühnenflatrate. »lyh«

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Regeln für die Kommentarfunktion:

Grundsätzlich nicht erlaubt sind: Werbung, Rassismus,Pornographie und Obszönitaten, Beleidigungen, Gewaltandrohungen, Verlinkungen zu oder Nachfrage nach illegalen angeboten (Raubkopien etc.), o.ä. ...

Kommentare mit diesem Inhalt werden kommentarlos gelöscht.

Des Weiteren sollte man sich beim Schreiben um eine vernünftige Ausdrucksweise und verständliche Rechtschreibung kümmern. Zudem werden sinnleere Kommentare (Spam) nicht gerne gesehen und gelöscht. Ein allgemein höflicher Umgangston sollte gewährleistet bleiben.