PendlerInnen berichten von ihren Erfahrungen mit dem Schienenersatzverkehr (SEV) von und nach Wuppertal

Fahren die gesamten Sommerferien nicht:
Die Linien S7 und S8 © mw

Seit dem 16. Juli fährt in Wuppertal für die gesamte Zeit der Sommerferien keine einzige Bahn. Die Sperrung des Schienenverkehrs betrifft zwei Wochen der Vorlesungszeit, die erst am 28. Juli endet und fällt zudem direkt in die Prüfungsphase. Zahlreiche Studierende müssen zudem für Job und Co. Wuppertal verlassen und nach Düsseldorf oder Köln pendeln. Von Seiten der Deutschen Bahn und des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) wurden zahlreiche Verbesserungen im Vergleich zur Ostersperrung versprochen. Ob diese tatsächlich die erhoffte Verbesserung bringen, haben wir einige Studierende und PendlerInnen gefragt. »mw«

„Der Motor wurde immer lauter, der Bus immer langsamer“

Mariella pendelt von Düsseldorf zur Bergischen Universität Wuppertal

„Erste Lektion zum SEV: Der RegionalExpress-Ersatz fährt von Düsseldorf entweder zum Wuppertaler Hauptbahnhof oder ‚ohne Halt‘ bis nach Oberbarmen. Nicht selten stiegen ratlose, düster dreinblickend Gesichter von einem Bus in den anderen um. Voll waren am Ende alle Fahrzeuge, die oft weder pünktlich sind, noch über eine funktionierende Klimaanlage verfügen. In puncto Pünktlichkeit sind die Fahrer zumindest bemüht: Mit gefühlten 140 km/h raste der Busfahrer über die Autobahn. Der durch den Wind ins Schwanken geratene Gelenkbus und verunsicherte, auf der linken Spur um den Bus herumsteuernde Autofahrer ließen den Fahrer unbeeindruckt. Die Quittung kam auf der Rückfahrt: Der Motor wurde immer lauter, der Bus immer langsamer – solange, bis wir schließlich mit 20 über die A46 rollten und nein, es ging nicht bergauf! Nach 20 Minuten und gefühlt 1000 uns überholenden Autos, LKW und Reisebusse, funktionierte die Schaltung plötzlich wieder und wir konnten normal weiterfahren. Mein Fazit: Man kommt an. Ist eine Verbesserung gegenüber den Osterferien zu spüren? Eher nicht.“

Wenn alle sitzen, müssen wir „nicht mit 60 über die Autobahn tuckeln“

Sophia pendelt von Düsseldorf zur Bergischen Universität Wuppertal

Freie Sitzplätze im Schienenersatzverkehr © mw

„Die Helfer an den Busstationen und die Wegmarkierungen auf dem Boden waren sehr hilfreich. Trotz einer Fahrtverlängerung von 10 bis 20 Minuten bin ich eigentlich sehr zufrieden. Meine Busse kamen sowohl in Düsseldorf als auch in Wuppertal fast immer pünktlich an und genügend Sitzplätze waren auch vorhanden. Vor allem eine sehr freundliche und zuvorkommende Busfahrerin am Mittwoch auf der Strecke von Wuppertal nach Düsseldorf ist mir in Erinnerung geblieben. Sie sagte in etwa: ‚Mir wäre es auch sehr gelegen, schnell und sicher in Düsseldorf anzukommen. Wenn wir jetzt schauen, dass jeder einen Sitzplatz findet, kann ich auf der Autobahn auch 80 fahren und wir müssen nicht mit 60 über die Autobahn tuckeln.‘ Daraufhin haben Fahrgäste ihre Taschen vom Platz genommen und noch nicht sitzende Fahrgäste auf freie Plätze aufmerksam gemacht.“

„Brauche etwa zehn Minuten länger mit dem SEV als mit der Bahn“

Martin pendelt von Wuppertal über Düsseldorf nach Grevenbroich

„Während der Sperrung zu Ostern konnte ich glücklicherweise komplett aufs Home-Office umsteigen. Jetzt im Sommer muss ich zweimal die Woche ins Büro nach Grevenbroich pendeln. Meine ersten Befürchtungen haben sich nicht bestätigt: Ich brauche – wenn alles nach Plan fährt – etwa zehn Minuten länger mit dem SEV als mit der Bahn. Während früh morgens auf der Hinfahrt die Busse meist voll waren, bekam ich bislang auf jeder Rückfahrt einen Sitzplatz. Ab und an kam es auf der A46 zu einem stockenden Verkehr und partiell zum Stau, aber insgesamt habe ich bislang keinen Grund, mich zu beschweren.“

„Dank großer Fußstapfen auf dem Gehweg und einer kleinen Schnitzeljagd“ die Haltestelle gefunden

Lili pendelt von Wuppertal nach Düsseldorf

Die Haltestelle Stadthalle ist nun an der Schwimmoper
© mw

„Das Grauen vor dem SEV war groß, doch Montagmorgen stieg ich in einen fast leeren Bus und bekam sofort einen Sitzplatz. Da ist es auch gar nicht mehr so schlimm, dass die Fahrt nach Düsseldorf dank Stau auf der A46 fast eine Stunde dauert. Die Rückfahrt war hingegen grausig, sodass ich seitdem immer in Sonnborn in die Schwebebahn umsteige. Die engere Taktung der Abfahrten fällt positiv ins Gewicht. Dass die Haltestelle an der Stadthalle nun eigentlich an der Schwimmoper ist, hat mich im ersten Moment irritiert, dank großer Fußstapfen auf dem Gehweg und einer kleinen Schnitzeljagd ist das aber kein Problem. Mulmig wird mir immer noch, wenn die Busfahrer mit völlig überhöhter Geschwindigkeit über die Autobahn ziehen, um ihren Zeitplan einzuhalten. Da sollte die Sicherheit doch bitte vorgehen.“

„Von Solingen kann man auch gut mit dem CE64 fahren“

Wiebke pendelt von Solingen zur Bergischen Universität Wuppertal

„Vom Schienenersatzverkehr selbst bekomme ich eigentlich gar nicht so viel mit. Weil ich von dem Chaos bei der letzten Sperrung gehört hatte, hab ich mich schnell entschlossen, den SEV irgendwie zu umgehen. Von Solingen kann man auch gut mit dem CE64 Bus fahren. Damit bin ich auch nur ein bisschen länger unterwegs. Der Bus war jetzt in der ersten Woche auch überraschend leer. Trotzdem finde ich Zug fahren deutlich komfortabler. Aber für mich blieb das große Chaos bisher aus.“

Tweets zum Schienenersatzverkehr auf Twitter

Einige PendlerInnen äußerten sich in den sozialen Netzwerken über den SEV in Wuppertal.
Ein paar Beispiele:


Nicht alle Busfahrer scheinen orts- und steckenkundig zu sein


Manche PendlerInnen mussten auf den Ersatz des Ersatzverkehrs warten


Bei Einigen fuhr der Bus gar zu früh ab


Stau auf der A46 war offenbar keine Seltenheit


Und für Wuppertal braucht man besondere Fahrkünste


Immerhin gab es an den Haltestellen Knabbereien der Bahn

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