blickfeld: Wie ist deine Verbindung zu Wuppertal?
Kimberly: Wuppertal war für mich früher vor allem Heimat und Zuhause. Durch das Studium hat sich das noch mal verändert: Ich habe gelernt, was es bedeutet, nicht nur Anwohnerin zu sein, sondern aktive Bürgerin.
Ich setze mich heute viel bewusster mit dem Stadtgeschehen auseinander, gehe in den Austausch mit anderen Bürger:innen und beschäftige mich mit Entwicklungen in der Stadt. So ist Wuppertal für mich zu einem Ort geworden, den ich mitgestalten möchte, nicht nur einem, in dem ich lebe.
„Ich kann Gestaltung als Werkzeug für Gemeinwohl, Teilhabe und Veränderung einsetzen“
blickfeld: Warum hast du dich für den Studiengang Public Interest Design an der Bergischen Universität Wuppertal entschieden?
Kimberly: Ich wollte Kommunikationsdesign nutzen, um gesellschaftlich relevante Themen sichtbar zu machen, Menschen direkt zu aktivieren und mich stärker mit dem Stadtgeschehen zu verbinden. Themen wie Politik, Umwelt oder gesellschaftliche Gerechtigkeit haben mich schon immer interessiert, aber im Schul- und Studienalltag blieb oft wenig Raum, mich wirklich tief damit auseinanderzusetzen.
Public Interest Design ermöglicht mir, genau das zu verbinden: meine gestalterischen Fähigkeiten mit meinen inhaltlichen Interessen. Ich kann Gestaltung als Werkzeug für Gemeinwohl, Teilhabe und Veränderung einsetzen und das motiviert mich sehr.
„Warum gibt es keine Website, auf der die Initiativen in Wuppertal gut gebündelt sichtbar sind?“
blickfeld: Du hast die Plattform Initiativen Wuppertal realisiert, die kürzlich auch offiziell gelauncht wurde. Wie kam dir die Idee für diese digitale Plattform?
Kimberly: Die Idee ist direkt aus der Praxis im Studium entstanden. Bei unserem ersten gemeinsamen öffentlichen Projekt „Von Asche zu Aufbruch – Eine Aushandlung über das Ende des Kapitalismus“ war ich unter anderem auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Dafür brauchten wir Anlaufstellen für die Flyer- und Plakatausgabe, aber auch Initiativen, die uns unterstützen konnten. Am Anfang wusste ich überhaupt nicht, welche Initiativen gut passen würden. Die Recherche über Suchmaschinen war eher frustrierend – viele Treffer, aber wenig Übersicht. Da habe ich mir gedacht: „Das muss doch einfacher gehen. Warum gibt es keine Website, auf der die Initiativen in Wuppertal gut gebündelt sichtbar sind?“
Später habe ich bei einem Netzwerktreffen der „InnenBandStadt“, an dem ich über das Projekt „Alltagsbühne“ teilgenommen habe, gemerkt, dass andere sich auch genau das wünschen: mehr Überblick, bessere Sichtbarkeit und einfachere Vernetzung. Da habe ich mich direkt angesprochen gefühlt. Mit meinem Kommunikationsdesign-Hintergrund wollte ich diese Idee einer Plattform konkret werden lassen.
blickfeld: Welche Ziele verfolgt die neue Plattform?
Kimberly: Mit Initiativen Wuppertal möchte ich vor allem neuen Akteur:innen in Wuppertal den Einstieg in gemeinwohlorientierte Arbeit erleichtern. Sie sollen schnell sehen können: Wer macht schon etwas in meinem Themenfeld? Wo kann ich anknüpfen? Mit wem kann ich mich zusammentun, um eigene Projektideen umzusetzen? Gleichzeitig sollen interessierte Bürger:innen einen Eindruck von der Stärke, Vielfalt und dem Zusammenhalt in Wuppertal bekommen. Etablierte Initiativen wiederum sollen neue Initiativen leichter finden und ihr Netzwerk ausbauen können.
Für die Umsetzung „war das Gemeinwohlstipendium von ‚Vereinfachen‘ entscheidend“
blickfeld: Wie konntest du sie realisieren und wer hat dich unterstützt?
Kimberly: Durch meinen Bachelor hatte ich schon ein gutes Gefühl dafür, wie man so eine Plattform konzipiert und visuell gestaltet. Ich habe viele Entwürfe gemacht, immer wieder Feedback von Kommiliton:innen eingeholt und das Konzept Schritt für Schritt weiterentwickelt. Als es dann an die technische Umsetzung ging, war klar, dass meine Programmierkenntnisse begrenzt sind. Mein Freund Niklas, der Informatiker ist, war sofort bereit, mich und das Projekt zu unterstützen. Seitdem sind wir ein kleines, eingespieltes Zweierteam. Niklas verbringt viel Zeit in Wuppertal und hat die Stadt und ihre engagierten Menschen kennen- und schätzen gelernt. Die Motivation und Leidenschaft der Akteur:innen hier hat ihn total gepackt.
Für die Finanzierung und die erste Realisierungsidee war das Gemeinwohlstipendium von „Vereinfachen“ entscheidend. Durch diese Unterstützung konnte die Plattform nicht nur eine Idee bleiben, sondern wirklich entstehen.
Informationen zum „Vereinfachen“-Stipendium
Das „Vereinfachen“-Stipendium unterstützt Menschen in Wuppertal dabei, gemeinwohlorientierte Ideen von der ersten Skizze in Richtung Umsetzung zu bringen. Zweimal im Jahr werden sechsmonatige Gemeinwohl-Stipendien vergeben, die Zeit und Raum für Experimente und Konzeptentwicklung schaffen.
Alle Infos zu Terminen und Bewerbung sind abrufbar unter:
Einblicke und aktuelle Projekte gib es auf Instagram:
„In Zukunft ist auch ein eigenes, kleines Vernetzungstreffen geplant“
blickfeld: Die Plattform ist nun online und die ersten Initiativen haben sich bereits eingetragen. Wie geht es jetzt weiter?
Kimberly: Wir möchten die Plattform persönlich bei Initiativen vorstellen, um direkt ins Gespräch zu kommen und Wünsche mitzunehmen. Parallel dazu werden wir auf Instagram aktiver werden, dort ein Netzwerk aufbauen und regelmäßig Einblicke geben, sowohl in Initiativen als auch in die Weiterentwicklung der Plattform. Außerdem planen wir, Flyer in Wuppertal zu verteilen und bei Netzwerktreffen und Events präsent zu sein, um uns mit anderen Initiativen zu verknüpfen.
In Zukunft ist auch ein eigenes, kleines Vernetzungstreffen geplant. Dort möchten wir besonders die Bedarfe von neuen, aber auch von etablierten Akteur:innen sichtbar machen. Wenn der Bedarf da ist, soll daraus gerne ein langfristiges Format werden. So möchte ich das Digitale ins Physische holen und die persönliche Vernetzung fördern, weil echte Begegnungen Vertrauen schaffen und die digitale Plattform erst durch diese Beziehungen richtig lebendig wird.
„Mein Wunsch ist, dass die Plattform zu einem festen, lebendigen Anlaufpunkt für Engagement in Wuppertal wird“
blickfeld: Welche Zukunftsperspektive verfolgst du mit Initiativen Wuppertal?
Kimberly: Langfristig möchten wir möglichst viele gemeinwohlorientierte Initiativen in Wuppertal sichtbar machen und die Plattform um weitere Funktionen erweitern. Zum Beispiel eine Übersicht über Ressourcen, die Initiativen teilen können: Material, Räume oder Wissen. So sollen die Ressourcen in Wuppertal besser erkennbar werden, damit das Teilen und Suchen einfacher wird. Mein Wunsch ist, dass die Plattform zu einem festen, lebendigen Anlaufpunkt für Engagement in Wuppertal wird und Menschen ermutigt, selbst aktiv zu werden. »mw«
Mehr zu „Initiativen Wuppertal“
- Webseite: initiativen-wuppertal.de
- Instagram: @initiativen.wuppertal
- E-Mail: info (at) initiativen-wuppertal.de


