Das wünschen sich Uni-Verantwortliche von der Kommunalpolitik

Am 13. September werden in Wuppertal ein neuer Stadtrat, neue Bezirksvertretungen und eine neue Stadtspitze gewählt. Wie die Oberbürgermeister-Kandidatinnen und -Kandidaten erreichen wollen, dass mehr Studierende nach Wuppertal ziehen, haben wir bereits vorgestellt. Im folgenden Beitrag haben wir Universitätsvertreter in leitenden Positionen gefragt, was der wichtigste Punkt ist, den die Wuppertaler Kommunalpolitik in den kommenden Jahren im Hinblick auf den Hochschulstandort "anpacken" muss.

Stadt muss Anreize für einen Erstwohnsitz in Wuppertal bieten

Fritz Berger ist Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal (HSW), das die gastronomischen Einrichtungen und die Wohnheime an der Universität verwaltet. Zudem steht es mit dem BAföG-Amt für Fragen der Studienfinanzierung zur Verfügung:

„Mein Eindruck ist, dass die Stadt inzwischen die Universität wirklich zu schätzen weiß. Mit den Studierenden tut sie sich aber noch etwas schwer. Beispiel Zweitwohnungssteuer: Sie bringt nichts, außer Nachteilen. Besser: Den Studierenden Anreize geben, in Wuppertal ihren Erstwohnsitz zu nehmen. Das zahlt sich kurzfristig und auch auf lange Sicht aus.

Die Chancen, die mit einer Seilbahn verbunden waren, wurden ja leider vertan. Umso wichtiger ist nun, alle Kraft für die Verbesserung des ÖPNV- und Radwegenetzes einzusetzen. Last, but not least: Die reiche Kulturszene darf nicht kaputtgespart werden. Das ist für die Universitätsstadt Wuppertal ein ganz wichtiger Standortfaktor.“

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Außeruniversitäre Institute und zusätzliche Sportstätten stehen auf der Agenda

Foto: Ralf Baumgarten/Bergische Universität

Prof. Dr. Lambert T. Koch ist seit 2008 Rektor der Bergischen Universität Wuppertal und amtierender Vorsitzender von „Universität NRW – Landesrektoren-Konferenz der Universitäten e.V.“:

„Für die Zukunft wünsche ich mir, dass aus dem aufstrebenden Universitätsstandort Wuppertal noch mehr eine echte Universitätsstadt wird, in der Bürger/-innen und Studierende zunehmend wissen, was sie aneinander haben. Um dies zu erreichen, muss die traditionell gute Zusammenarbeit zwischen Universität und Stadtspitze weiter ausgebaut werden. So bekennen wir uns in unserer Transferstrategie ausdrücklich zu einer ‚Mission Gesellschaft‘. Ein ähnlich starkes Bekenntnis zur Uni erhoffe ich mir von allen Kandidat/-innen mit ihren jeweiligen Parteien. Allein in den letzten Jahren sind mehrere 100 Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Soziales entstanden, in denen Wissenschaft und Praxis kooperieren. Dazu zählen z. B. Projekte in den Themenfeldern Neue Mobilität, Radverkehrsförderung und Künstliche Intelligenz, die aktive Unterstützung der Junior Universität und der Wuppertaler Tafel, der Kulturcampus und der Jugendhilfetag, Schulkooperationen zur Förderung von Kindern mit Verhaltensproblemen oder auch die Präsentation tropischer Schmetterlinge im Botanischen Garten. Solche und ähnliche Initiativen haben in der Stadt manches bewegt und viel Motivation geschaffen. Zahlreiche Lehrende und Studierende haben sich mit viel Herzblut bürgerschaftlich engagiert. Hier gilt es, weiterzumachen, mit Offenheit, Kreativität und intelligenten Vernetzungskonzepten. Um die bundesweite Anbindung des Bildungs- und Forschungsstandortes Bergisches Städtedreieck voranzubringen, wäre z. B. die Ansiedlung weiterer außeruniversitärer Institute von zentraler Bedeutung. Auch sind die Beförderungsprobleme der Bergischen Universität mit ihren 23.000 Studierenden und 3.600 Bediensteten noch nicht wirklich gelöst. Und schließlich erwarten wir uns mit Blick auf dringend benötigte zusätzliche Sportstätten mehr Unterstützung.

Der Weg vom Hauptbahnhof zur Universität braucht mehr E-Busse und eine Busspur

Soufian Goudi (JuSos) ist Bachelor-Student der Wirtschaftswissenschaft und gehört dem amtierenden AStA als Vorsitz an:

„Wenn wir Wuppertal gemeinsam weiter als attraktiven Standort für Wissenschaft und Bildung ausbauen wollen, muss jetzt endlich im Bereich Mobilität und Anbindung gehandelt werden. 23.000 Studierende zahlen sowohl an die Wuppertaler Stadtwerke als auch an den VRR ihren Mobilitätsbeitrag. Gemacht wird seit Jahren nichts mehr! Gerade jetzt, wenn das Hybrid-Semester beginnt, liegt es im Interesse aller, dass wir den Ausbau der E-Busse fördern.

Wir fordern von den Wuppertaler OB-Kandidaten, das jetzt endlich gehandelt wird: Wir brauchen einen Ausbau der E-Busse, wir brauchen eine Busspur und wir brauchen vor allem die Anbindung ab dem Wuppertaler Hauptbahnhof. Wir können die Erhöhungen des Mobilitätsbeitrages nicht mehr weiter hinnehmen und müssen uns als größter Abo-Kunde in Wuppertal langsam Gedanken über eine alternative Anbindung weit weg von den Wuppertaler Stadtwerken machen.“

© Talomat 2020

In Wuppertal müssen Wohnungen auch in Zukunft bezahlbar bleiben

Joshua Gottschalk (Die Linke.SDS) studiert im kombinatorischen Bachelor Mathematik und Sozialwissenschaften und gehört ebenfalls dem amtierenden AStA als Vorsitz an:

„Einer der größten Vorteile, die wir als Universitätsstadt Wuppertal haben, sind die – im Gegensatz zu vielen anderen Universitätsstädten – noch bezahlbaren Mieten. Dies ermöglicht nicht nur Wuppertaler/-innen, für ihr Studium von zuhause auszuziehen, sondern sorgt auch dafür, dass Studierende von außerhalb verhältnismäßig kostengünstig in unsere schöne Stadt ziehen können. Jedoch ist auch hier ein tendenzieller Anstieg der Mieten zu beobachten. Dem muss mit gezielten Wohnungsbaumaßnahmen entgegengewirkt werden. In Wuppertal sollen und dürfen keine Verhältnisse wie in Köln oder Düsseldorf entstehen!

Außerdem muss sich Wuppertal auch kulturell zur Universitätsstadt weiterentwickeln. In Gesprächen mit Studierenden bekommen wir immer wieder mit, dass diese befürchten, in Wuppertal kein zufriedenstellendes ‚Studierendenleben‘ führen zu können. Das schlechte Image, das Wuppertal leider immer noch voraus eilt, spiegelt sich im nicht ausgeschöpften Potenzial wider. Es braucht eine Unterstützung der kulturellen Szene, damit Studierende hier nicht nur studieren, sondern auch leben wollen!“ »red«

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