„Konsumficker“: Trash-Komödie mit kritischem Kern

Am 7. Juli 2024 präsentiert der Vollbild e.V. im Rahmen des Wuppertaler Talflimmern Sommerkinos ausgewählte fiktionale und dokumentarische Werke von Regisseur:innen aus dem eigenen Netzwerk. Carl Otto ist einer von ihnen und zeigt zum ersten Mal öffentlich seinen gesellschaftskritischen Film „Konsumficker“. blickfeld sprach mit ihm über den Film, seinen Werdegang und künftige Projekte.

Szene aus "Konsumficker" - Foto: Sebastian Bruckmann

Carl zog 2016 von Berlin nach Wuppertal, ursprünglich um das Fach Design Audiovisueller Medien an der Bergischen Universität zu studieren. Die Entscheidung fiel während einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach seinem Abitur 2015, wie er erzählt: „Ich wollte raus, etwas Anderes, Neues sehen und kreativ arbeiten. So fiel die Entscheidung auf die Wuppertaler Universität.“ Er zog ins Studierendenwohnheim und begann den Bachelor in Spanisch und Philosophie. „Ich wurde anfangs nicht für Audiovisuelle Medien zugelassen und habe mich zeitweise in andere Studiengänge eingeschrieben, um mich später erneut für mein eigentliches Wunschfach zu bewerben.“ 2019 war es dann so weit, er wurde zum Filmstudiengang zugelassen, sowohl an der Bergischen Universität als auch an der Fachhochschule Dortmund. „Ich habe mich dann für letztere entschieden, weil mir das Fachprofil zugesagt hat.“ Zwar wohnt Carl nun in Dortmund, hat aber weiterhin eine starke Verbindung ins Tal, nämlich zum Medienprojekt Wuppertal.

Praktikum im Medienprojekt Wuppertal

Das Medienprojekt Wuppertal e.V. produziert thematische Dokumentationen, bietet verschiedene Film-Workshops an und ist vor allem durch seine Jugendfilmproduktion bekannt. Auf den Verein aufmerksam geworden ist Carl über das Filmmagazin „Border Lines“, in dem regelmäßig von Jugendlichen mit Hilfe des Medienprojekts produzierte Filmformate, etwa Reportagen oder experimentelle Filme, zu verschiedenen Themen kostenlos im Kino präsentiert werden. „Über einen persönlichen Draht kam ich Mitte 2017 zu der Möglichkeit, ein dreimonatiges Praktikum im Medienprojekt zu absolvieren, in dessen Rahmen ich alle Bereiche der Filmproduktion kennenlernen konnte. Seitdem bin ich als freier Filmemacher im Projekt tätig“, so Carl.

„Trash-Komödie“ als Genre

Carl Otto – Foto: Dominik Gasser

Carl verortet sich als Filmemacher insbesondere im Genre der „Trash-Komödie“, wie er weiter ausführt: „Die Richtung spiegelt meine Persönlichkeit wider, da ich mich selbst nicht zu ernst nehme und gerne Unsinn produziere.“ Dabei bedient er sich vorzugsweise Stilmitteln wie dem Überzeichnen von Klischees und setzt in seinen Produktionen auf einen „menschlichen und nicht inszenierten“ Rahmen. „Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um den Spaß und die Botschaft, die ich vermitteln möchte.“

Persönliche Auseinandersetzung mit kritischen Themen

Dass hinter dem selbstbeschriebenen „Unsinn“ ernste Themen stecken, zeigt sein Film „Konsumficker“, den Carl während des Vollbild-Events im Talflimmern Sommerkino präsentieren wird. „Ich verarbeite in meinen Filmen Themen, die mich persönlich beschäftigen. In ‚Konsumficker‘ geht es im Rahmen eines 18-minütigen, fiktionalen und szenischen Films um die Frage einer veganen Ernährungsweise – ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit Raum zur Auseinandersetzung und persönlichen Reflektion.“

Womöglich begründet der Film eine Reihe des Filmemachers, arbeitet er derzeit unter den Arbeitstiteln „Klimaficker“ eine weitere Produktion aus – ebenfalls ein Thema, das ihn umtreibt.

Auf die Frage, ob er aufgeregt ist, dass „Konsumficker“ erstmals öffentlich aufgeführt wird, antwortet der Filmemacher: „Filme sind eine Universalsprache und ermöglichen einen breiten Diskurs. Ich freue mich darauf, meinen Film vorzustellen, erstes Feedback zu erhalten und spannende Diskussionen führen zu können.“ »mw«

Kurzinfo: Vollbild-Filmabend im Talflimmern Sommerkino

Der Vollbild-Filmabend findet am 7. Juli 2024 ab 22 Uhr im Talflimmern Sommerkino (GoogleMaps) statt und dauert etwa 120 Minuten. Im Anschluss werden die anwesenden Filmemacher:innen über ihr filmisches Schaffen sprechen.

Moderiert wird der Abend von Kim Münster und Konstantin Koewius, die beide zugleich für die Organisation verantwortlich sind. Der Eintritt ist kostenlos, um Spenden wird gebeten.

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Vollbild e.V.

Vollbild e.V. ist ein Zusammenschluss von Filmschaffenden. Zweck des Vereins ist die Förderung von Film- und Multimediakunst. Es findet eine Zusammenarbeit von Autor:innen, Regisseur:innen, Kameraleuten, aber auch Pädagogen:innen und Sozialarbeiter:innen statt – kurz: kreativen Menschen, die mit Kunst etwas bewegen wollen. Die Gründung des Vereins liegt in der Idee, kreative Fähigkeiten in ambitionierten Filmprojekten zu bündeln und zu fördern. Die Filmprojekte, die dabei entstehen, sind freie Produktionen von Vollbild e.V. mit dem Ziel vor allem junge Kreative aus Wuppertal und Umgebung in ihren künstlerischen Ambitionen zu unterstützen. Dabei bilden das Netzwerk, der Austausch und die praktische Arbeit die drei tragenden Säulen.

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