Die Prüfung eines externen Gutachters habe massive Beeinträchtigungen in der Standsicherheit der fünf Linden und damit ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Öffentlichkeit ergeben. Aus diesem Grund sollen die 55 Jahre alten Bäume auf dem Barmer Rathausplatz in der kommenden Woche gefällt werden. „Ursache für die Standunsicherheit ist eine extrem schwache Verwurzelung der Bäume. Dies war auch Grund für den Umsturz der Linde im Januar. Durch einen zu kleinen Wurzelraum und die extreme Bodenverdichtung auf dem Johannes-Rau-Platz war ein Auswachsen der Wurzeln aus dem Pflanzloch kaum möglich“, erklärt Annette Berendes, Leiterin des Ressorts Grünflächen und Forsten.
Der Erhalt der Bäume sei nicht sinnvoll. Laut Angaben der Stadtverwaltung müssten mehr als fünfzig Prozent der Krone je Baum eingekürzt werden, was zu einer erheblichen Schwächung führen würde. Gleichzeitig warnt die Verwaltung davor, dass mittelfristig erneut Standunsicherheiten auftreten könnten.
Stadt prüft neue Bäume auf dem Johannes-Rau-Platz
Oberbürgermeisterin Miriam Scherff kündigt an: „Wir werden jetzt alles versuchen, um wieder Bäume auf dem Johannes-Rau-Platz zu pflanzen, wenn die technischen Voraussetzungen für gutes Wachstum hergestellt werden können.“ Aktuell prüfe das Ressort Grünflächen und Forsten den Untergrund und die Finanzierung für Nachpflanzungen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Bäume mindestens achtzehn Kubikmeter Wurzelraum benötigen.
„In der Vergangenheit konnten wir in einem ähnlichen Fall bereits einen Erfolg verbuchen: Die nachgepflanzten Bäume auf dem Von-der-Heydt-Platz haben ausreichend Wurzelraum bekommen, und zusätzlich haben wir dafür gesorgt, dass die Bäume ihre Wurzeln miteinander verbinden konnten, was zu sehr guten Bedingungen geführt hat“, so Berendes.
Verein „Zukunft und Natur“ fordert Transparenz
Für den Verein „Zukunft und Natur“ steht „außer Zweifel“, dass die Stadt bei Fragen der Verkehrssicherheit handeln muss. Gleichzeitig wirft die in der Pressemitteilung der Stadt dargestellte „Alternativlosigkeit“ Fragen beim Verein auf. „Gerade weil die Ursachen der Standunsicherheit – zu geringer Wurzelraum und massive Bodenverdichtung – menschengemacht sind, sollte geprüft werden, ob es jenseits einer kurzfristigen Komplettfällung andere, differenziertere Lösungen gibt“, schreiben die Vereinsverantwortlichen, die zugleich betonen, dass die Bäume nicht nur zum Stadtbild gehören, sondern auch wichtig für den Hitzeschutz in der dicht bebauten Innenstadt sind.
„Zukunft und Natur“ bittet um Transparenz und Beteiligung: „Eine Einsicht in das zugrunde liegende Gutachten und die Planungen würde eine sachliche Diskussion ermöglichen. Ebenso sollte ernsthaft geprüft werden, wie der notwendige Wurzelraum von mindestens 18 Kubikmetern durch Entsiegelung, geeignete Pflasterungen mit Wasserrückhalt oder schrittweise Nachpflanzungen geschaffen werden kann. Auch ein behutsamerer Umgang mit Kronenschnitten und Einzelbäumen verdient aus unserer Sicht Beachtung.“ Besonders kritisch sieht der Verein die kurzfristige Ankündigung der Fällung: „Ein solches Vorgehen erzeugt Frust und den Eindruck, dass dass Stadtbild entgrünt wird, statt gemeinsam zukunftsfähig begrünt zu werden. Eine kurze Verschiebung der Entscheidung zugunsten von Beteiligung und transparenter Abwägung wäre ein wichtiges Signal an die Bürgerschaft.“
Weitere Fällungen im Rathausumfeld notwendig?
Mindestens eine Platane auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus müsse ebenfalls aus den gleichen Gründen wie die Linden auf dem Vorplatz gefällt werden. Die übrigen Bäume auf den Parkplätzen Rathaus und Brauhaus sollen in den kommenden Wochen ebenfalls überprüft werden. „Alle hoffen, dass keine weiteren Fällungen notwendig sind“, so die Stadtverwaltung. »mw«



