Maskenrecyling mit CYCULATE – lieber spät als gar nicht

Die Studenten Maik Paroth, Karl Neumann und Jakob Quade aus Wuppertal zeigen mit ihrem neu gegründeten Unternehmen CYCULATE, dass es möglich ist, medizinischen Masken eine zweite Chance im Wertstoffkreislauf zu geben. In einem Interview erzählt Maik unserer Redakteurin Jil, wie das konkret funktioniert und was ihr Zukunftsplan für das Unternehmen ist.

Die Idee zum Recycling der Masken entstand spontan vor nicht einmal drei Monaten. Maik erklärt: „Karl und ich waren auf dem Weg zum Einkaufen. Ich habe die Maske aus der Tasche geholt, als wir im Begriff waren auszusteigen. Ich hatte sie in der Hand und dachte: Ja gut, das fühlt sich an wie Stoff. Da muss doch irgendwie mehr möglich sein, als das Ding gleich wieder wegzuwerfen.“ Kurzerhand riefen sie verschiedene Firmen an, die Masken herstellen. Dabei fanden sie heraus, dass die OP-Masken aus Polypropylen bestehen – einem Kunststoff, der für viele Gegenstände im Haushalt verwendet wird, wie beispielsweise Flaschendeckel, Tupperdosen und Putzeimer. „Das kann man sich erst gar nicht so vorstellen, denn das eine ist wie ein Stoff und das soll aus demselben Material sein wie ein Eimer? Aber es ist tatsächlich so. Am Ende kommt es nur darauf an, wie ich es verarbeite“, weiß Maik.

Nach vielen Telefonaten fanden sie heraus, dass dieser Kunststoff zu hundert Prozent recyclebar ist. Es nehme sich bisher niemand dieser Aufgabe an, „weil sich das einfach nicht rechnet. Da haben wir aber gesagt: Das ist uns erst einmal egal. Wir wollen das machen. Dann haben wir überlegt: Wie geht das?“

Es ist möglich, medizinischen Masken eine zweite Chance im Wertstoffkreislauf zu geben.

„Wir sammeln die Masken und dann werden sie aufbereitet“

Ohne die Möglichkeit zum Recycling müssen Einweg-Masken im Restmüll entsorgt werden, da sie in der Form, in der sie existieren, nicht verwertet werden können und ggf. mit Viren und Keimen belastet sind. Bei CYCULATE gestaltet sich dieser Prozess so: „Wir sammeln die Masken und dann werden sie aufbereitet.“ Die ersten Sammelbehälter haben die jungen Unternehmer bereits an zwei Standorten in Wuppertal-Elberfeld aufgestellt: In der Tannenberg-Apotheke am Robert-Daum-Platz und in der radprax in der Bergstraße. Die Behälter haben einen schmalen Schlitz, sodass bequem und hygienisch die Masken eingeworfen werden können, ohne Infektionsrisiko. Anschließend werden sie zu den Troxler-Werkstätten gebracht und dort desinfiziert und gewaschen. „Die Troxler-Werkstätten besitzen Waschmittel und Maschinen, die vom Robert-Koch-Institut zertifiziert sind, dass sie desinfizierend waschen – auch gegen diese Arten von Viren“, sagt Maik. „Da haben wir auf jeden Fall Leute an der Hand, die sich damit auskennen. Das war uns auch wichtig.“

Nach dem Waschen werden die Nasendrähte und Ohrengummis entfernt. Für diese Bestandteile der Maske haben die Studenten schon einige Ideen für Anwendungsmöglichkeiten, konzentrieren sich aber zunächst auf die Verwertung des blauen Vlieses. Dies wird in mehreren Schritten geschreddert, geschmolzen und per Spritzgussverfahren zu einer Stange gepresst, die anschließend wieder geschreddert wird. „So erhält man am Ende ein kontrollierbares Produkt. Das ist ein Qualitätsstandard, der sich lange entwickelt hat und daran orientieren wir uns“, sagt Maik. „Am Ende kann der Rohling in jede Form gebracht werden, die man haben möchte.“

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Prinzipiell ist das Recycling sowohl von OP- als auch von FFP2-Masken möglich. Der Unterschied zwischen ihnen ist, dass die meist blauen OP-Masken in der Herstellung gleich sind. Bei den FFP2-Masken ist eine gewisse Varianz bei den Drähten und Verstärkungen des Stoffes vorhanden, was die Aufbereitung deutlich aufwendiger macht. Dennoch sammeln Maik, Karl und Jakob in ihren Behältern erst einmal alle Masken und sortieren diese je nach Form.

„Das reine Recyceln der Maske wäre ein Minusgeschäft“

Der erste Partner für die Verwendung der Rohlinge ist BO44, eine Brillenmanufaktur aus Bochum. Die Manufaktur teile den Nachhaltigkeitsgedanken der drei Studenten und zusammen mit ihnen möchten sie Brillengestelle aus Polypropylen herstellen. Diese bestehen normalerweise aus Acetat. Dafür arbeiten sie mit Materialproben der Manufaktur, denen sie mit ihren Rohlingen möglichst nahe kommen wollen, um ein gutes Endprodukt herstellen zu können. Sie haben auch noch weitere Produkte im Kopf, die aus den benutzten Masken entstehen können. „Das reine Recyceln der Maske wäre ein Minusgeschäft. Wir würden’s machen, wenn wir die reichsten Menschen der Welt wären – sind wir aber leider nicht“, sagt Maik, denn neben ihrem Studium arbeiten die Jungunternehmer auch noch. „Deswegen müssen wir am Ende auch irgendwie ein Produkt daraus schaffen um Geld zu verdienen, damit das Ganze noch größer wird.“ Ihre Zielgruppe sind dabei vor allem Menschen wie sie selbst, denen Design und Nachhaltigkeit wichtig sind. In ihrem Alltag trennen sie bewusst Müll, bringen Altglas weg und retten auch Möbel vor der Müllpresse, werten sie auf und geben sie an Freunde weiter: „Es geht darum, dass es weiterbenutzt wird“, findet Maik. Ziel sei nicht das bloße Recycling der Masken, also eine Aufbereitung zu einem nutzbaren Stoff, sondern das Upcycling, also die Umwandlung in ein neuwertiges Produkt.

Langfristig wollen sie sich nicht nur auf das Upcycling von Masken beschränken

Auch wenn durch die Pandemie schon viele Masken weggeworfen wurden, ohne dass sie zurück in den Wertstoffkreislauf gekommen sind, ist es Karl, Jakob und Maik ein großes Anliegen, ihr Unternehmen weiter aufzubauen. Sie möchten ein Umdenken in der Gesellschaft bewirken. Ihr Motto „Better late than never“ haben sie so mit in ihren Firmennamen CYCULATE integriert. Ihre Wunsch-Utopie ist, „dass jede Maske, die benutzt wird, dann auch wiederverwertet wird“, sagt Maik.

Für die Zeit nach der Pandemie, wenn die Bürgerinnen und Bürger für ihren Alltag nicht mehr regelmäßig Einweg-Masken nutzen, haben sie schon einen Plan. „Es gibt einige Firmen hier in Wuppertal, bei denen täglich Verpackungsmüll anfällt, der aus Wertstoffen wie Polypropylen besteht. Das kann einfach genutzt werden, es macht aber keiner. Das ist dann das langfristige Ziel unserer Reise: Ein Upcycling-Unternehmen zu gründen, was sich nicht nur auf Masken beschränkt“, erzählt Maik.

Unterstützung von vielen Seiten

In Wuppertal gibt es viele Ansprechpartner/-innen, die die jungen Gründer unterstützen. Sie stehen in Kontakt mit FREIRAUM, dem Start-Up-Center der Bergischen Universität, welches sie fördert und bei Fragen hilft. „Die sind sehr kompetent. Da kann ich auch wirklich ein großes Danke aussprechen. Ein großes Lob an die Uni, dass es so etwas in Wuppertal gibt. Das nimmt doch viele Hürden“, berichtet Maik. Zudem arbeiten sie mit dem Codeks, dem größten Co-Workingspace in Wuppertal, zusammen. Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge von anderen Menschen, die mehr Erfahrung in diesem Gebiet haben, freuen sie sich.

Bei Interesse an einem Sammelbehälter oder anderweitiger Unterstützung sind CYCULATE per Mail und Instagram erreichbar. »jr«

CYCULATE – Upcycling von Masken

Maik Paroth, Karl Neumann, Jakob Quade

Bisherige Standorte der CYCULATE-Sammelbehälter:

CYCULATE wird unterstützt von:

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