„Maria beschließt zu sterben“

Foto: Maria, kurz bevor sie den Hebel runterdrückt © Medienprojekt Wuppertal

Ein Film über das Abschiednehmen beim Freitod

Am 20. November 2018 feierte die Dokumentation „Maria beschließt zu sterben – ein Film über das Abschiednehmen beim Freitod“ Premiere im Rex Filmtheater Wuppertal. Maria Kopp starb am 31. Mai 2018 auf ihren eigenen Wunsch. Ein ärztlich unterstützter Suizid, eine Sterbebegleitung, die in Deutschland verboten ist, half ihr dabei. Für sie reiste die 91-Jährige in die Schweiz und wurde von ihrer Freundin Elisabeth und dem Team des Wuppertaler Medienprojekts mit der Kamera bis zu ihrem Tod begleitet.

Die blickfeld-Redaktionsmitglieder Sarah und Martin waren bei der Premiere dabei und berichten:

Körperliche Leiden minimieren die Lebensqualität

Maria Kopp ist durch ihre Krankheit geschwächt: Sie leidet an COPD (chronic obstructive pulmonary disease), eine chronisch fortschreitende Lungenkrankheit. Nachts bekommt sie keine Luft. Die Nächte sind am schlimmsten, erzählt sie in einem Gespräch mit ihrer Ärztin, die Marias Zustand begutachten soll. Hinzu kommt ihre Erblindung, sie kann kaum etwas sehen, ist unsicher beim Gehen. Ihre Freundin Elisabeth erzählt in einem Telefonat, sie hat Maria über das Lesen kennengelernt, denn Maria hat wahnsinnig gerne gelesen und es trifft sie sehr, dass sie dazu jetzt nicht mehr in der Lage ist.

Maria (l.) mit Freundin Elisabeth (r.) © Medienprojekt Wuppertal

„Kiste zu, Deggel druff“

„Maria, wie stellst du dir das Sterben vor?“ – „Kiste zu, Deggel druff“. Maria schafft es durch ihre lustige, offene und schroffe Art, das Publikum zum Lachen zu bringen. Das führt zu einem Zwiespalt: Soll man nun lachen oder doch weinen? Immer wieder bringt sie durch ihre gewitzten Worte die ZuschauerInnen zum Schmunzeln. Elisabeth, die Maria bis zuletzt begleitet hat, erzählte nach der Vorstellung im Rex, dass Maria weniger Angst vor dem Tod gehabt hätte, sondern vielmehr davor, dass etwas dazwischen kommt und sie doch nicht Sterben kann. Sie war also fest entschlossen, in den Freitod zu gehen.

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Erstmal mit Kochsalzlösung üben

Der letzte Tag ist gekommen: Maria liegt in ihrem Sterbebett und ist bereit, aus dem Leben zu scheiden. Bevor sie sich das Gift mithilfe einer Infusion injiziert, übt sie es mit einer Kochsalzlösung. Denn nur wer selbst dazu in der Lage ist, darf sterben. Sie drückt also den Hebel runter und kann es kaum erwarten. Offenbar hat sie ganz vergessen, dass es nur eine Kochsalzlösung und noch nicht das Gift ist. Sie ist nun bereit: Das Gift fließt im zweiten Versuch in ihren Körper, sie wird müde, sie schläft ein, sie stirbt.

Sterbebegleitung in Deutschland? Strafbar!

Im Anschluss folgt eine kontroverse Publikumsdiskussion – gerade angesichts der deutschen Rechtslage. Viele Menschen gehen zum Sterben in die Schweiz, denn die Gesetze in Deutschland lassen einen Freitod bzw. eine Sterbebegleitung, wie bei Maria, nicht zu.

§ 217 n.F. Strafgesetzbuch (StGB): „(1) Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Als Teilnehmer bleibt straffrei, wer selbst nicht geschäftsmäßig handelt und entweder Angehöriger des in Absatz 1 genannten anderen ist oder diesem nahesteht.“ (BT-Drucksache 18/5373, S. 5).

Dabei fehlt es nicht an gesellschaftlicher Akzeptanz: Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung sei für aktive Sterbehilfe, wie das Institut für Demoskopie Allensbach 2014 feststellte. Im Bericht heißt es, dass zwei Drittel der Bevölkerung für die Erlaubnis aktiver Sterbehilfe sei, rund 60 Prozent zudem die Zulassung privater Sterbehilfe-Organisationen – wie in der Schweiz – befürworte und es auch eine hohe Zustimmung für passive Sterbehilfe gebe. Das sind Ergebnisse, die die Politik offenbar nicht beeindrucken – hat sie oben stehendes Gesetz Ende 2015 mehrheitlich im Bundestag beschlossen. Fest steht: Die Zahl derer, die für den Freitod in die Schweiz gehen, steigt – wie die Süddeutsche Zeitung bereits 2014 publizierte. »sh«

Maria beschließt zu sterben

Ein Film über das Abschiednehmen beim Freitod
Von Lisa Bülow

Dieser Film ist auch als Stream bzw. Download erhältlich
(Stream 9,- EUR | Download 25,- EUR):

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  1. inge lindner

    ich finde es in Ordnung ! und ich möchte auch selber bestimmen wann ich sterbe.ich möchte nicht irgendwo liegen,keiner hat zeit,oder zu hause meinen lieben das leben versauen.sie sollen ihr leben leben………..und deshalb bin ich für sterbehielfe ! ich möchte sterben und dann ist gut.

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