Seilbahn-Bürgerbefragung ohne 14.000 Studierende

„Sind Sie für den Bau einer Seilbahn vom Döppersberg über die Universität bis zum Küllenhahn?“ Das möchten CDU, Grüne, Die Linke, FDP und die Allianz für Wuppertal (AfW) die Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger fragen. Fände der damit verbundene Antrag am Montag, den 25. Februar 2019 eine Mehrheit im Stadtrat, wäre laut Presseamt der Stadt „jede Person, die mit Hauptwohnsitz in Wuppertal gemeldet ist und kommunalwahlberechtigt ist“ abstimmberechtigt. Etwa 14.000 Studierende würden so von der Befragung ausgeschlossen.

Fraktionen im Wuppertaler Stadtrat fordern Votum der BürgerInnen

Laut Auskunft der Uni-Pressestelle geben derzeit knapp 8.200 von rund 22.000 Studierenden Wuppertal als Semesterwohnort an. Die übrigen pendeln beispielsweise aus Düsseldorf, Mettmann oder Dortmund zur Universität und wären als mögliche NutzerInnen der Seilbahn von der Bürgerbefragung ausgeschlossen.

Die oben genannten Fraktionen im Stadtrat fordern eine Befragung, weil – wie es im Antrag heißt – „nur eine Vollerhebung analog zu den Vorgaben für einen Ratsbürgerentscheid ein präzises und repräsentatives Meinungsbild“ liefert. Stattfinden soll die Bürgerbefragung am 26. Mai 2019. Sie fände damit zeitgleich zur Europawahl statt.

Hochschulleitung: Bürgerbefragung ohne Studierende sei „ein weiteres klares Manko des anvisierten Verfahrens“

Prof. Dr. Lambert T. Koch – Foto: Rüdiger Nehmzow / Bergische Universität

Uni-Rektor Lambert T. Koch kritisiert das Vorhaben der verschiedenen Stadtratsfraktionen: „Da bereits ein aufwendiges und teures Bürgerbeteiligungsverfahren von auswärtigen Profis durchgeführt wurde, könnte sich der Rat eigentlich auf dessen Ergebnisse verlassen und nun ohne eine noch teurere Vollerhebung mutig entscheiden.“ Die fehlende Abstimmungsmöglichkeiten für weite Teile der Studierendenschaft empfindet Koch als „ein weiteres klares Manko des anvisierten Verfahrens.“

Gleichzeitig erinnert er an „die seit Jahren notorisch überfüllten Busse zu Stoßzeiten“, unter denen „vor allem die gehandicapten MitarbeiterInnen und Studierenden“ leiden. Gleichzeitig unterstreicht er das Engagement der Universität für die Region: „Die Stadt profitiert enorm von der in nur zehn Jahren um knapp 10.000 Studierende gewachsenen Universität. Dies darf angesichts der erwähnten Missstände keine Einbahnstraße sein, wenn man wirklich eine Universitätsstadt sein möchte.“

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Die Hochschulleitung selbst „steht ohne Einschränkung hinter dem Seilbahnprojekt“. Argumentativ verweist sie u.a. auf den kürzlich in der Westdeutschen Zeitung erschienenen Gastartikel von Uwe Schneidewind, dem Präsidenten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, unter dem Titel: „Ein starkes Signal – Warum Wuppertal eine Seilbahn gut tut“

AStA: Ein Ausschluss der Studierenden sei „unverantwortlich und schädlich“

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) spricht sich grundsätzlich für eine Bürgerbeteiligung aus: „Entscheidungen, die von einer breiten Masse getroffen werden, sind in einer Demokratie immer richtig.“ Kritik übt die Studierendenvertretung an der geplanten Umsetzung. Yannik Düringer (Jusos), AStA-Referent für Hochschulpolitik, hält „es für unverantwortlich und schädlich, wenn (…) Studierenden bei dieser richtungsweisenden Entscheidung die Stimme entzogen würde.“ Da diese „maßgeblich von der Entscheidung betroffen wären“, fordert der AStA „eine Abstimmung, die neben den Wuppertaler BürgerInnen auch noch die Studierendenschaft einbezieht.“

Zum Seilbahn-Projekt erklären die StudierendenvertreterInnen: „Der AStA befürwortet die Seilbahn (…), wenn sie eine echte Verbesserung für die Studierenden darstellt.“ Die Seilbahn wird dabei als „effizientes und spannendes Verkehrsmittel“ bewertet. Die Ansprüche sind klar: „Wir sehen zurzeit zu Stoßzeiten sehr volle Busse, vor allem zum Campus Grifflenberg. Diese Situation gilt es mit der Seilbahn zu vermeiden.“

Interessierte können der Sitzung des Stadtrates und der Beratung des Antrages am kommenden Montag per Livestream folgen. »red«

Ihr seid gefragt: Sollen Wuppertaler Studierende ebenfalls ihr Votum abgeben können? Würdet ihr euch für oder gegen eine Seilbahn aussprechen? Schreibt uns!

Weitere Informationen zur Seilbahn

Die bereits länger andauernde Diskussion über eine Seilbahn in Wuppertal wird äußerst kontrovers geführt. Nachfolgend haben wir Informationsmöglichkeiten zusammengefasst, die das Projekt an sich sowie die jeweiligen Standpunkte darstellen:

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  1. Es werden sich die Studierenden kaum an der Bezahlung beteiligen, wenn es sich am Ende doch nicht rechnet.
    Daher ist das größere Gewicht der Bürger schon richtig.

  2. Ich stimme das zu und das wäre hilfreich für uns an der Uni

  3. Hey „E Fischer“,
    jeder Studierende trägt mit dem Mobilitätsbeitrag/Zwangskauf eines Semestertickets dazu bei, dass entsprechende Infrastruktur gefördert und ausgebaut wird.

    Aber nicht jeder Wuppertaler Bürger nennt eine Monats- oder Jahreskarte sein Eigen, also sollten wir die einfach ausschließen… 😉

    Gruß,
    Martin

  4. @Martin A.
    „jeder Studierende trägt mit dem Mobilitätsbeitrag/Zwangskauf eines Semestertickets dazu bei,“

    Dies ist erstmal richtig und zwar sogar im stetig steigenden Maße
    – wenn Du mit dem „Zwangskauf“ das Solidarprinzip des Studitickets meinst, wie es die Studierendenschaft mehrheitlich für alle gefordert und beschlossen hat – :

    – betrug im Sommersemester 2009 der VRR-Beitrag zum Semesterticket (ohne die NRW-Erweiterung) 91,92€ für knapp 12,5 Tausend Studierende, aus denen sich Einnahmen für den ÖPNV von etwas über 1,1Mio.€ für 1 Semester ergaben,
    – ergeben sich Einnahmen – wieder nur für den VRR – für das SS2019 aus 149,28€ für rund 22Tsd Studierende von rund 3,3Mio€ für 1 Semester…

    …und ich habe nicht den Eindruck, daß die WSW den 3-fachen Aufwand betreiben, um der um rund 75% gestiegenen Nachfrage an der Uni gerecht zu werden – allerdings auch nicht den 75% mehr Studis entsprechend.

    Ich bin auch der Meinung, daß die Studierenden genügend finanzielle Mittel beitragen, um zumindest ausreichend mit öffentlicher Mobilität versorgt zu werden;
    – zumindest und gerade zu den Stoßzeiten,
    – zumindest und gerade von und zur Uni, am HBF verteilt es sich ja, und
    – vor allem: ohne übermäßige Beeinträchtigung der „regulären“ Fahrgäste, die ein vielfaches eures Mobilitätsbeitrags leisten müssen, den fast leeren E-Bussen an den meisten Haltestellen bestenfalls hinterherwinken können und in die „regulären“ Linien zwischen Uni und Stadt oft genug nicht mehr reinpassen, selbst wenn sie nicht nur bis zum HBF wollen, wie die meisten Studis.

    Die genannten Mehrkosten – s. blickfeld zu „UniExpress“ – für die Anfahrt der E-Busse zum HBF sind geradezu lächerlich gering im Vergleich zu den Mehreinnahmen der WSW – das Argument kann ich so gar nicht nachvollziehen, mal abgesehen davon, daß die E-Busse vor dem HBF-Umbau doch auch bis in die City fuhren:
    – und zusätzlich sollten die E-Busse alle regluären Haltestellen zwischen Uni und HBF anfahren – oder die Studis beschränken Ihre Nutzung auf das was sie bezahlen: die E-Busse – zumindest zwischen Uni und HBF; soviel zu
    „also sollten wir die einfach ausschließen“: bei nur 8.000 Studis aus Wuppertal, kann Wuppertal wohl eher auf die Uni, als die Uni auf Wuppertal verzichten – trotzdem beides keine Option, also muß man wohl oder übel miteinander auskommen lernen.

    Was jetzt die Seilbahn angeht:
    – Prestigegewinn als TouristINNenattraktion für Wuppertal – eher ähnlich dem Zoo, weil man ist drinn oder nicht, als der Schwebebahn, die zumindest auf Höhe jeder 2. bis 3. Bushaltestelle hält –
    – Mehrkosten ohne Nutzensteigerung – die Touris bringen’s wirklich nicht -,
    – sich daraus ergebende Einsparungen beim regulären Busverkehr,
    damit man vom HBF zur Uni, weiter zum Schulzentrum-Süd kommt und zurück? Wie gesagt, da kann man auch eine Schnell-Buslinie Alter Markt – Döppersberg – Zoo einrichten – ohne Zwischenstop.

    Das betrifft tatsächlich nur die, die sich von der Verbindung der 3 Haltestellen einen Vorteil versprechen. Und wenn denen das derzeitige Bus-Angebot nicht reicht, sollten die auch entscheiden und dafür meinetwegen extra zahlen – die WSW sind für die Grundversorgung zuständig und da sollte die Kritik ansetzen!

    Für das Geld, das die Seilbahn im Aufbau und Erhalt kostet, können eine Menge zusätzlicher E-Busse bis zum HBF fahren – dann könnte man auch endlich einen Großteil der Uni-Parkhäuser zumachen und den motorisierten Individualverkehr (MIV) einschränken – denn das Studi-Ticket habt ihr ja – und weniger PKW, das wäre mal wirklich gut für Wuppertal.

    Den EinwohnerINNEn dagegen obliegt die Entscheidung, ob Wuppertal als Ganzes sowas braucht und sowas will – die eventuell nur geringen Nutzen davon haben und trotzdem damit leben und dafür zahlen müßten.

    @E Fischer
    „Es werden sich die Studierenden kaum an der Bezahlung beteiligen, wenn es sich am Ende doch nicht rechnet.“

    Danke!

    VF

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