Vor knapp einem Jahr gewann Jana Kortwig, Coachin, Mediatorin und Sozialarbeiterin an der Hermann-von-Helmholtz-Realschule, das Wuppertaler Bürger:innenbudget 2025. Eine Kombination daraus, dem EXIST-Woman Stipendium und dem Gemeinwohlstipendium „vereinfachen“ plus einer Begleitung durch das Start-up Center der Bergischen Universität macht ihre Initiative nun real: In Wuppertal entsteht ein Jugendzentrum für mentale Gesundheit. Nach den Osterferien können Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren ohne Termin und kostenfrei im SoulSpace vorbeikommen und dort ihre Sorgen anvertrauen. blickfeld war bei der Eröffnungsfeier dabei.
blickfeld: Hallo Jana, heute eröffnest du das SoulSpace in Wuppertal – was wird denn heute noch passieren?
Jana Kortwig: Heute ist das Soft-Opening – eine kleine Eröffnungsfeier. Der Raum ist noch nicht ganz fertig, aber durch das Bürger:innenbudget hatten wir die Möglichkeit, jetzt schon anzufangen und ihn einzurichten. Es ist jetzt schon möglich, dass hier Angebote stattfinden können, und nach den Osterferien geht der Regelbetrieb los.
blickfeld: Wie geht es los und was bietest du an?
Jana Kortwig: Wir bieten verschiedene Gruppenangebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit an, zur Verbindung zu sich selbst, zur Verbindung zu anderen, Emotionsregulierung und Stressbewältigung. Wir wollen bedürfnisorientiert schauen, mit welchen Bedürfnissen die Jugendlichen zu uns kommen, bevor wir mit einem festen, starren Prinzip hier reingehen. Wir wollen das lebendig gestalten. Und es gibt auch Einzelberatungs- und Coachingsangebote von geschulten Fachkräften und auch von Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen.
SoulSpace als Brücke zwischen Jugendhilfe und Therapie
blickfeld: Weißt du schon, mit welchen Jugendlichen dein Team arbeiten wird?
Jana Kortwig: Die Zielgruppe habe ich eingegrenzt auf circa 12 bis 20 Jahren. Ich bin als Schulsozialarbeiterin an der Hermann-von-Helmholtz-Realschule tätig, deshalb ist der Kontakt zu Jugendlichen und zu anderen Schulsozialarbeiter:innen schon da. Wir haben auch schon Anfragen aus verschiedenen Richtungen bekommen: Von Eltern, von Schulsozialarbeiter:innen, von Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen, aber auch Therapeut:innen für Erwachsene, die sagen: „Wir haben Eltern bei uns, die Unterstützung für ihre Kinder brauchen.“ Ganz wichtig ist auch, dass es präventive Angebote sind, das heißt, wir machen hier keine Therapie, sondern wir sind die Brücke zwischen Jugendhilfe und Therapie.
blickfeld: Was macht noch das besondere Angebot von „Soul Space“ aus?
Jana Kortwig: Die Jugendlichen können hier frei reinkommen. Es gibt einen kleinen Empfang, bei dem geschaut wird, was gerade benötigt wird, mit welchem Thema die Person hierhinkommt. Es braucht auf jeden Fall ein Anliegen, also wenn der Regelbetrieb startet, dann ist es wichtig, dass Jugendliche nicht einfach reinkommen, um hier zu chillen. Natürlich dürfen sie sich hier erstmal einfach umschauen und spüren, wie es ist, hier zu sein, ob sie sich hier anvertrauen können. Und dann gibt es die Möglichkeit zu schauen, was sie gerade brauchen, was ihnen guttut.
Wir prüfen, ob es Verbindungen in Form von Gruppenangeboten zu anderen jungen Menschen gibt oder ob ein Einzelgespräch gebraucht wird. Man kann einfach kurz mal rein- und runterkommen, sich ausprobieren und verschiedenen Skills, auch zur Selbstregulierung, lernen. Das ist ganz wichtig, dass man hier auch ohne Termin kommen kann und direkt das Gefühl hat: Ich darf hier sein, ich werde hier angenommen und nicht bewertet. Das soll auch das Thema mentale oder psychische Gesundheit entstigmatisieren, die Hemmschwelle reduzieren.
blickfeld: Also Chillen ist prinzipiell auch erlaubt?
Jana Kortwig: Chillen ist erlaubt, aber mit einem Thema (lacht). Man kann erstmal einfach kurz reinschauen. Es war uns wichtig, den Raum schon mal zu öffnen. Es gibt bereits viele verschiedene Angebote, an denen man barrierefrei teilnehmen und spüren kann, welche Unterstützung man hier bekommt.
SoulSpace-Angebot komplett kostenfrei
blickfeld: Machst du das alles allein oder hast du noch andere Psycholog:innen an deiner Seite?
Jana Kortwig: Ich kann fast schon sagen, ich habe ein Team! Es wird sich noch herauskristallisieren, wer im Kernteam ist, wer hier vor Ort ist und begleitet, aber es gibt viele Fachkräfte, die sich bei mir gemeldet haben und die schon lange mit Jugendlichen zusammenarbeiten. Es geht über systemische Berater:innen, Schulsozialarbeiter:innen, Erzieher:innen bis hin zu Coaches, die verschiedene Ausbildungen gemacht haben und hier einen ganz großen Mehrwert bieten möchten. Eine Person macht zum Beispiel tiergestützte systemische Beratung. Wir werden hier auch ein Angebot nur für Jungs machen. Es gibt ganz viele verschiedene Möglichkeiten und ich habe ganz tolle Menschen an meiner Seite, auch eine Kollegin aus meiner Schule, die mich hier begleitet und unterstützt. Darüber hinaus suche ich noch Unterstützung für eine empirische Begleitung des Projekts.
blickfeld: Wird es die Jugendlichen etwas kosten?
Jana Kortwig: Wenn die Jugendlichen hier reinkommen, ist es komplett kostenfrei. Das war uns ganz wichtig, dass es wirklich für alle jungen Leute ganz frei zugänglich ist. Auch die Gruppenangebote sind kostenfrei, wir werden aber schauen, dass wir Konzepte entwickeln und damit auch an Schulen, Institutionen und Unternehmen herantreten und dass es da auch die Möglichkeit gibt, dass wir auch kostenpflichtige Angebote extern durchführen können, so dass sich das Projekt auch tragen wird. Das ist die zweite wichtige Sache: Das ist zwar ein Herzensprojekt, aber nur daraus kann es natürlich nicht leben, es braucht viele unterschiedliche Leute, Institutionen, Menschen, die sagen: Wir sehen darin einen Sinn und wir profitieren auch davon, dass junge Menschen präventiv begleitet werden.
Ein Herz für junge Menschen
blickfeld: Woher kommt in dir dieser Wunsch, etwas in Wuppertal zu verändern?
Jana Kortwig: Ich bin Wuppertalerin, wohne selbst in der Nähe des Mirker Quartiers und arbeite auch hier in der Schule. Auf der einen Seite ist es ein Quartier, das mir sehr am Herzen liegt und das sich total schön entwickelt, mit vielen kreativen Menschen, die wirklich mit Herz dabei sind. Aber auch Wuppertal ist für mich auf der einen Seite meine Heimat und auf der anderen Seite bin ich hier seit vielen Jahren in der sozialen Arbeit tätig und mittlerweile gut vernetzt. Ich sehe, dass es schon ganz viele Angebote gibt, die leider nicht sichtbar sind, und ich wünsche mir, dass wir es schaffen, eine Struktur aufzubauen, in der wir uns gegenseitig unterstützen und auch schon bestehende Angebote sichtbar machen, die zum Beispiel auch hier im SoulSpace stattfinden könnten, um junge Menschen bestmöglich zu unterstützen. »ge«
Das Interview führte Evgenia Gavrilova.
SoulSpace Wuppertal
- Anschrift: Wiesenstraße 118, 42105 Wuppertal
- Instagram: @soulspace_center
- Webseite: soulspace-center.de
- E-Mail: hello (at) soulspace-center.de
Für den Sommer plant Jana Kortwig noch ein Grand-Opening zum SoulSpace.



