Trageraum Wuppertal: Michelle Munisteri’s Weg in die Selbstständigkeit

Wer ihren Laden in Wuppertal-Heidt besucht, fühlt sich sofort willkommen. Im durch große Schaufenster hell ausgeleuchteten und liebevoll eingerichteten und dekorierten Trageraum wartet Michelle Munisteri auf (werdende) Mütter und Väter. Sie kommen mit dem Wunsch zu ihr, den Nachwuchs nach der Geburt ganz nah bei sich zu haben - mit einem Tragetuch anstelle eines mitunter teuren Kinderwagens. Damit sind sie bei Michelle genau richtig. Die 27-Jährige ist Mutter zweier Söhne im Alter von 18 Monaten und drei Jahren, selbst Tragemama und ausgebildete Trageberaterin. Als ihre beiden Kinder zur Welt kamen, suchte sie nach einer Trageberatung und stellte fest, dass kaum Angebote in dieser Richtung existierten - eine Lücke, die später zu ihrer Gründungsidee heranreifen sollte und im Oktober 2017 Realität wurde.

Tragemama auf dem Weg zur Selbstständigkeit

„Man fühlt es, ob es richtig ist“, erklärt die gelernte Bürokauffrau. Dieses Gefühl hat sie seit Mitte 2015 auf dem ganzen Weg zur Gründung im Oktober 2017 bis hin zur Ladeneröffnung am 15. Januar 2018 getragen. Mit dem „Business Plan“ ging sie zur Bank und präsentierte dort ihre Idee, während ihr jüngerer Sohn, eingewickelt im Tragetuch, dabei war und schlief. Ihr Auftritt und Plan überzeugten, die Finanzierung wurde bewilligt. Eine Gründung an sich ist schon eine große Herausforderung, doch musste sich Michelle als alleinerziehende Mutter zudem noch um ihre beiden Kinder kümmern und zeitgleich ihrem Job in einer Nachhilfeschule nachgehen, bei dem sie unter anderem mit verhaltensauffälligen Kindern arbeitet und viele Erfahrungen sammeln konnte: „Gerade in puncto wertschätzende Kommunikation bringt mir die Arbeit viel. Vor allem aber macht sie unheimlich viel Spaß, was mich wirklich zufrieden macht.“ Nun ist sie darüber hinaus Unternehmerin und hat neben Windeln auch ihren (vollen) Terminkalender als ständigen Begleiter zur Hand.

Michelle bietet auch Workshops zum Tragetuch-Binden an © mw

„Symbiose“ zwischen Kindern und Selbstständigkeit

Michelle kombiniert mit ihren Kindern und ihrer Selbstständigkeit „Liebe und Leidenschaft“. „Meine Kinder geben mir die Motivation und die Power für meine Leidenschaft, den Trageraum. Dieser gibt mir wiederum die Kraft für meine Kinder,“ antwortet sie auf die Frage, wie sie alle Verpflichtungen unter einen Hut bekommt. Eine klassische „Win-Win“-Situation, die jedoch einer strikten Trennung unterworfen ist: „Wenn die Kinder dran sind, stehen sie auch im absoluten Fokus – ohne Smartphone und Organizer in der zweiten Hand.“ Trotzdem wirkt sie gelassen. Für sie ist das Folgende klar und beruhigend zugleich: „Es bleibt auf der Arbeit immer etwas liegen, ich werde nie mit allem fertig.“

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Offene Mütter und immer mehr Väter

Michelle, die auch in Heidt aufgewachsen ist, berät nicht nur in puncto Tragetücher und bietet dazu passende Workshops an, sondern ist für zahlreiche Mütter auch Ansprechpartnerin und eine Art ‚gute Freundin‘: „Während nach Außen hin viele die glückliche Mutter präsentieren, sehe ich im Trageraum die ganze Wahrheit. Viele fühlen sich in ihrer gesellschaftlichen Rolle gefangen und sind froh, sich bei mir fallen lassen zu können. Mit wertschätzenden Worten und Zuspruch versuche ich sie bei Zweifeln und in der Frage, ob sie alles richtig machen, zu unterstützen.“ So geschieht es nicht selten, dass die Tragetuch-Workshops auch zum Austausch zwischen den Eltern genutzt werden. „Oft kommen Verwandte hinzu und möchten sich informieren“, ergänzt Michelle.

Die Auswahl an Tragetüchern ist groß © mw

Sie freut sich zudem darüber, dass sich die Vaterrolle im Wandel befindet: „Männer wollen immer öfter tragen und mehr in die Mutterrolle reingehen. Sie beantragen immer öfter Elternzeit, was zu einer engeren ‚Vater-Kind‘-Bindung führt. Mütter hingegen gehen mit ihren Kindern vermehrt ihrem Beruf nach und nehmen die Kleinen zur Arbeit mit.“

Etwas tun, „was mir Spaß macht“

Ihr Laden erfreut sich großen Interesses: Selbst zum Interview-Termin, außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten, kamen Eltern zur Trageberatung. Sie kommen sogar von außerhalb Wuppertals, aus Bochum, Solingen oder Düsseldorf, zum Trageraum. Ihre Workshops, beispielsweise zu Bindeweisen für den Rücken, denn „vorne tragen ist in Ordnung, auf dem Rücken trauen sich viele jedoch nicht“, sind gefragt. Dabei wirbt Michelle vor allem über die sozialen Netzwerke und wird von Eltern oder Hebammen auch explizit empfohlen. Die Nachfrage ist gar so groß, dass sie seit Mitte Juni von Alina Maria Haas, Mutter eines kleinen Jungen und Tragemama, unterstützt wird, um die Öffnungszeiten auszudehnen. Sie selbst möchte in Zukunft auch Kompetenzen in puncto Kindererziehung vermitteln und strebt langfristig ein Psychologiestudium mit dem Ziel Familienberatung an.

Doch über all dem steht das Credo: „Ich will damit leben können und mir ist es wichtig, etwas zu tun, was mir Spaß macht. Das habe ich mit dem Trageraum gefunden.“ »mw«

Der Trageraum Wuppertal © mw

Mehr zum Trageraum Wuppertal unter:

Kontaktdaten:

Öffnungszeiten:

  • Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag: 9:15 bis 14:30 Uhr
  • 1. und 3. Samstag im Monat: 10 bis 14 Uhr

Galerie zum Trageraum Wuppertal

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