Wut ist in Kommentarspalten und Talkshows präsent, sie äußert sich in Protesten und politischen Konflikten ebenso wie in kulturellen Auseinandersetzungen um Sichtbarkeit und Zugehörigkeit. Die Wuppertaler Literatur Biennale fragt danach, woher diese Wut kommt, wie sie wahrgenommen wird – und wer sie überhaupt äußern darf. Dabei versteht das Festival Wut nicht nur als destruktive Kraft, sondern auch als Motor für Veränderung, als Überlebensstrategie und als Impuls für gesellschaftlichen Dialog.
Zu den eingeladenen Autor:innen zählt unter anderem Navid Kermani, der seinen neuen Roman „Sommer 24“ vorstellt und sich darin mit den Spannungen und Widersprüchen der Gegenwart auseinandersetzt. Auch Helga Schubert ist zu Gast: In ihrem Buch „Luft zum Leben – Geschichten vom Übergang“ versammelt sie Texte aus sechs Jahrzehnten ihres literarischen Schaffens.
Lesung über toxische Beziehungen und Gewalt im Privaten
Mit historischen und politischen Dimensionen von Wut beschäftigen sich weitere Programmpunkte: Jehona Kicaj erzählt in ihrem Debütroman „ë“ von den Folgen des Kosovokriegs und von transgenerationalen Traumata innerhalb einer Familie. Anja Kampmann richtet in „Die Wut ist ein heller Stern“ den Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus und die zunehmende Bedrohung von Frauen am Beispiel einer Tänzerin auf der Reeperbahn.
Aktuelle Formen von Gewalt und gesellschaftlichen Konflikten thematisieren weitere Autor:innen des Festivals: Susanne Kaiser stellt mit „Witch Hunt“ den zweiten Band ihrer gesellschaftskritischen Krimireihe vor, der sich mit digitaler Gewalt und öffentlicher Hetze gegen Frauen befasst. In einer gemeinsamen Lesung sprechen Dana von Suffrin und Clara Leinemann über toxische Beziehungen und Gewalt im Privaten.
Wut aus der Ecke des Irrationalen holen
Auch satirische und gesellschaftskritische Perspektiven finden Raum: Verena Keßler erzählt in „Gym“ von Selbstoptimierung und Selbstzerstörung im Fitnessstudio-Milieu, während die österreichische Autorin Sandra Weihs in „Bemühungspflicht“ ihre Erfahrungen aus der Sozialarbeit verarbeitet und die Wut auf bürokratische Ungerechtigkeiten literarisch sichtbar macht.
Mit ihren Veranstaltungen möchte die Wuppertaler Literatur Biennale die Wut aus der Ecke des Irrationalen holen und ihre gesellschaftlichen Ursachen sowie ihr politisches Potenzial zur Diskussion stellen. Literatur biete dafür einen besonderen Raum: Sie kann Widersprüche aushalten, Emotionen sichtbar machen und Perspektiven eröffnen. »red«
- Das vollständige Programm jetzt online unter: www.wlbiennale.de

