Bergisches Uni-Theater: Studentisches Schauspiel an der Wuppertaler Universität

Von "raumlos" (2016) über "Die zwölf Geschworenen" (2017) hin zu "In Vino Veritas" (2018) - zum Anfang eines jeden Jahres feiert das Bergische Uni-Theater (BUnT) die große Premiere seines neuesten Stücks. Nach der letzten Aufführung ist stets vor der nächsten Premiere, weiß Niklas Selz, angehender Lehrer und Student der Fächer Deutsch und Pädagogik. Er ist seit 2014 bei BUnT dabei. Wir haben ihn gefragt, wie interessierte Studierende beim Uni-Theater mitmachen können und was sie mitbringen müssen.

Martin: Lieber Niklas, herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Theaterstück „In Vino Veritas“. Wie verbringt das BUnT-Team die Zeit nach der Premiere und der letzten Aufführung?

Niklas: Danke! Bei größeren Produktionen machen wir immer eine Premieren- und eine Dernièren-Party bei jemandem von uns zu Hause, also eine nach der ersten und nach der letzten Vorstellung. Das ist ganz nett, um das „Rest“-Adrenalin angenehm ausschleichen und den Abend schön ausklingen zu lassen.

Nach der letzten Aufführung treffen wir uns meistens am darauffolgenden Donnerstag zur regulären Probe, um gemeinsam darüber zu reflektieren, was gut und was schlecht gelaufen ist. Es wird auch grob besprochen, wie es weitergehen könnte und wer sich vorstellen kann, im nächsten Semester die Regie zu übernehmen. Konkret festgelegt wird da noch nichts. Dann gibt es eine kleine Pause, bevor wir mit Workshops oder Improvisationstheater einsteigen – das ist für mögliche Neueinsteiger interessant, die die Gruppe kennen lernen und sich mit dem Hobby Theaterspielen vertraut machen möchten. Zudem können erste Ideen für eine nächste Produktion entstehen. So richtig mit einem neuen Projekt geht es erst nach den Semesterferien los.

„In Vino Veritas“: Niklas Selz umringt von Yvonne Schnickmann, Michelle Middelhoff und Rebecca Herrig (v.l.n.r.). © mw

Martin: Wie zeitintensiv ist ein Engagement beim BUnT und welche Voraussetzungen müssen Interessierte erfüllen?

Niklas: Aus rechtlichen Gründen müssen neue Leute in irgendeiner Weise der Bergischen Universität oder der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/ Bethel angehören, sei es als StudentIn oder MitarbeiterIn. Außerdem erwarten wir Zuverlässigkeit, Kommunikationsbereitschaft und ausreichend Zeit. Natürlich machen wir das alle als Hobby, das Spaß machen soll, aber wenn nicht alle an einem Strang ziehen, gefährdet das die gesamte Produktion. Das bedeutet zum Beispiel, dass je nach Größe der Rolle mehr oder weniger Freizeit für Proben, die auch so manches Wochenende komplett einnehmen, investiert werden muss.

Die Rollen werden zu Beginn des Produktionszyklus festgelegt, so dass jeder entsprechend planen kann. Außerdem sind wir nun mal kein professionelles Theater mit bezahltem Personal, sondern müssen vom Kostüm bis zum Bühnenbild alles selber managen und das funktioniert nur, wenn sich jeder auf den anderen verlassen kann. Das gilt insbesondere bei Aufführungstagen, bei denen wir den Abbau und den Transport von Bühnenbild, Requisiten sowie Equipment in den Lagerraum gänzlich selbst übernehmen müssen. Durch die Größe des Lagerraums sind wir übrigens alle ganz passable Tetris-Spieler geworden.

Wir erwarten aber keine Vorerfahrung – grundsätzlich sind alle Theater-Interessierten, die die genannten Voraussetzungen erfüllen, herzlich willkommen!

Szene aus „In Vino Veritas“: Rebecca Herrig, Marc Busch, Raphael Hausmann, Anouk Uyandiran (v.l.n.r.) © mw

Martin: Gibt es feste Spielzeiten?

Niklas: Generell haben sich die Wochen kurz vor den Semesterferien als Spielzeit etabliert – für die großen Winterproduktionen ist das Anfang Januar und für die kleineren Sommerstücke Ende Juni oder Anfang Juli. Da kann man die Vorlesungszeit nett ausklingen lassen, bevor der Prüfungsstress losgeht.

Martin: Wie finanziert ihr euch und von wem werdet ihr unterstützt?

Niklas: Bislang haben wir uns vor allem durch Eintrittsgelder und Spenden finanziert, gerade sind wir aber dabei, für größere Anschaffung, z.B. ein Lichtpult, Sponsoren zu gewinnen. Die Wuppertaler Stadtwerke sind schon an Bord, was uns sehr freut.

Requisiten, Kostüme, Equipment und andere Dinge kaufen wir entweder möglichst günstig ein, gerne auch gebraucht, oder wir improvisieren ein wenig – unsere Scheinwerfer sind beispielsweise keine richtigen Scheinwerfer, sondern Baustrahler und Schreibtischlampen. Doch, wie schon gesagt, sind wir gerade an vielen Verbesserungen dran.

Unterstützt im nicht-finanziellen Sinne werden wir außerdem von der Universität, die uns Räume zur Verfügung stellt, sowie von Herrn Dr. Neumann aus der Germanistik, der uns berät und auch so Einiges im Hintergrund organisiert.

Szene aus „Die zwölf Geschworenen“: Ines Müller, Frida Stein, Yvonne Schnickmann, Raphael Hausmann, Marc Busch (v.l.n.r.) © vk

Martin: Warum machen Studierende bei BUnT mit und hat schon mal jemand den Sprung auf die „große“ Bühne geschafft?

Niklas: Unser Ensemblemitglied Lena sagte kürzlich: „Weil ich es liebe, Theater zu spielen und es in einer BUnT-gemischten Gruppe super viel Spaß macht, zu sehen, wie sich die Charaktere innerhalb der Probenzeit entwickeln.“ Zudem freuen sich viele, sich austoben und verschiedene Rollen ausprobieren zu können. Man ist Teil des Uni-Lebens und lernt viele Leute kennen.
Ich selbst hatte einerseits schon sehr lange Lust, mal Theater zu spielen und finde andererseits, dass die Uni ein ziemlich trostloser grauer Klotz ist. Das Theaterspielen macht diesen Ort liebenswürdiger für mich, somit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

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Zwei Ehemalige BunT-Mitglieder haben sich in der Vergangenheit tatsächlich einem Schauspielstudium zugewandt.

Martin: Vielen Dank für das Gespräch. »mw«

Titelfoto: Niklas Selz in seiner Rolle als Rechtspopulist Ludwig von Kaltenstein bei ‚In Vino Veritas‘ © mw

Bergische Uni-Theater (BUnT):

  • Gegründet: 2010
    (bis 2015 unter dem Namen: Theaterkollektiv Kreative Randgruppe)
  • Mitglieder: zwischen 10 und 15 Studierende
  • Treffen: i.d.R. donnerstags um 18 Uhr (aktuell Pause)

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  1. Ah wie schön es ist das zu lesen. Ich selbst war Jahre lang ein Mitglied des Ensembles und habe die Gruppe mit aufgebaut. Es ist so schön zu sehen, dass sich die Gruppe weiterentwickelt. Ich habe bisher keine einzige Aufführung verpasst. Jedesmal freue ich mich wie Bolle auf die neuen Aufführungen!
    Leider bin ich mit meinem Studium nun fertig und habe leider keine Zeit mehr mich der Gruppe anzuschließen, aber die Zeit die ich in und mit ihr verbracht habe war ein bedeutender Teil meines Lebens. Die Vertrauten und Freunde gibt es immer noch.
    Einmal ein Team immer ein Team, so einfach kommt man aus der Nummer meistens nicht raus!
    Ich liebe BUnT!! <3

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