Campus und Corona: Uni-Kiosk kämpft um Existenz

Es ist 12 Uhr mittags am Haupteingang des Campus Grifflenberg. Normalerweise geben sich gerade in dieser Stoßzeit Studierende und Mitarbeiter/-innen der Uni die Klinke in die Hand. In der Reihe vor dem Uni-Kiosk stehend, freuen sie sich auf Kaffee, Nussecken, Sesambagels und auf einen kurzen, aber nicht minder herzlichen Plausch mit den Langensiepens. Aber das war vor dem „ganzen Corona-Gedöne“, wie es Wolfgang Langensiepen nennt. Normal ist vorbei.

Bergische Universität Wuppertal storniert und halbiert Miete des Uni-Kiosks

Nachtrag (8. Juni 2020): Wie wir heute erfreulicherweise von Wolfgang Langensiepen erfahren haben, ist Universitätskanzler Roland Kischkel bzgl. der Miete auf ihn und seine Frau zugegangen. Dabei wurde die folgende Einigung erzielt: Die Mietzahlungen der letzten drei Monate werden storniert. Außerdem wird die Miete bis auf Weiteres halbiert. Das Ehepaar Langensiepen ist gerührt angesichts der überaus großen Anteilnahme und Unterstützung seitens seiner Kundinnen und Kunden, bittet jedoch darum, von privaten, finanziellen Unterstützungsprojekten abzusehen.

Am 18. März veröffentlicht die Bergische Universität eine Pressemeldung, die angesichts der sich immer weiter verschärfenden Corona-Lage über neue, strengere Bestimmungen informiert: Ab dem folgenden Donnerstag, 19. März ist es Studierenden bis auf Ausnahmefälle nicht mehr erlaubt, die Gebäude der BUW zu betreten. Die Hochschulleitung bittet Studierende außerdem ausdrücklich, das Universitätsgelände zu meiden. Beschäftigte sollen ab sofort von zuhause aus ihren Tätigkeiten nachgehen.

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Nach Wochen der Zwangspause wieder geöffnet

Seit der Schließung sind elf Wochen vergangen – davon zehn Wochen unbezahlter Zwangsurlaub, die die zwei als Arbeitstiere bekannten Kioskinhaber genutzt haben, um „endlich“ ihre Gartenzäune zu streichen. Seit letzten Montag ist der Uni-Kiosk, genau wie die Mathe-Cafeteria des Hochschul-Sozialwerks, mit reduzierten Zeiten wieder geöffnet. Was im ersten Moment nach einem erfreulichen Schritt in Richtung Normalität klingen mag, ist für Familie Langensiepen vor allem ein verzweifelter Versuch, sich irgendwie über Wasser zu halten, um ihren finanziellen Verpflichtungen, zum Beispiel als Mieter der Uni, weiterhin nachkommen zu können. Man muss kein scharfsinniger Analyst sein, um sich auszumalen, wie ein Geschäft läuft, dessen Kundenstamm von einem auf den anderen Tag nahezu gänzlich und ohne absehbares Ende wegbricht.

Der Uni-Kiosk hat wieder geöffnet © mw

Uni-Kiosk befindet sich in einer existenziellen Notlage

Aufgrund ihrer existenziellen Notlage wollen Gundi und Wolfgang Langensiepen demnächst „aus eigener Initiative“ an den Kanzler der Uni herantreten, um über eine mögliche Mietminderung zu verhandeln. „Im Moment verkaufen wir so fünf Brötchen am Tag. Damit können wir nicht mal die Bäckerrechnung bezahlen“, erzählt Wolfgang Langensiepen. Er ergänzt: „Die paar Leute, die kommen, freuen sich wieder da zu sein und dass wir geöffnet haben, aber zum Überleben reicht das leider nicht.“ Statt Studierenden und Mitarbeitern sind es laut Langensiepen jetzt vor allem Handwerker, die im Uni-Kiosk einkaufen. Drei von ihnen kämen jetzt öfter mal von der Baustelle direkt gegenüber am Gebäude H vorbei, um sich mit Proviant für die Mittagspause einzudecken. „Ah, da sind die Herren ja wieder! Und diesmal sogar zu viert“, lacht Langensiepen zynisch. Gerne würde er ihnen jetzt einen Sitzplatz anbieten, aber dafür fehlt im Laden einfach der vorgeschriebene Platz. Auch die Stehtische vor dem Unikiosk machen ihrem Namen gerade alle Ehre. Die dazugehörigen Stühle sind längst verräumt.

„Abstand halten!“ auf der „Flugplatzlandebahn“ im Uni-Kiosk

Nicht nur die Kundschaft hat sich verändert. Mit einem Blick in den Laden wird offensichtlich, dass etwas nicht stimmt. Auf dem Verkaufstresen sind jetzt zwei Plexiglaswände angebracht, die, wie Langensiepen findet, „sogar ganz schön aussehen“. Der besondere Clou dabei ist: In die Plexiglaswände sind zwei Ausschnitte eingelassen, einer für ihn und einer für seine Frau, damit sie wie gewohnt gleichzeitig bedienen können. Dabei tragen die beiden die obligatorischen Schutzmasken. Darüber hinaus habe hier laut Wolfgang Langensiepen jeder seine eigene Sprühflasche mit Desinfektionsmittel – auch für potenzielle Kunden steht eine auf dem Tisch bereit. Schwarz-gelbe Pfeile auf dem Boden zeigen an, wo es für wen hergeht und wo nicht. Langensiepen erinnert es irgendwie an eine Flugplatzlandebahn. Hier und da prangt der bereits vertraute Hinweis „Abstand halten!“ in Kombination mit schlichter Fußsymbolik.

Zum Schluss hat Wolfgang Langensiepen noch eine kleine Botschaft an alle Kundinnen und Kunden des Uni-Kiosks: „Die Situation ist nicht nur auf der finanziellen, sondern auch auf der zwischenmenschlichen Ebene schmerzhaft. Wir vermissen euch und wünschen allen Studierenden und Mitarbeitern Gesundheit und dass alle diese Zeit gut überstehen.“ »jzo«

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  1. Heinrich Heine

    Wenn Sie bleiben verbrauchen Sie das gesparte.
    Wenn da nichts mehr ist müssen Sie Ihr Büdchen aufgeben.
    Das ist freie Marktwirtschaft.
    Wenn man selbständig ist müssen manche Entscheidungen getroffen werden.
    Heulen und jammern nützt da nichts.
    Für die derzeitige Situation müssen Sie Frau Merkel danken.

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