Verantwortliche der Sternberg AG sind wegen Betruges angeklagt

Wir deckten gemeinsam mit CORRECT!V auf:
„Der Skandal am Flügelhügel“

Der „Skandal am Flügelhügel“ ist schnell erklärt: Mit der Umsetzung des MetaLichtes wurden 2013 im Auftrag der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) am „Flügelhügel“ an der Uni Wuppertal drei vertikale Windräder der Sternberg AG aufgestellt, die die Lichtkunstinstallation vollständig mit Strom versorgen sollten – es aber nicht taten. Die Sternberg AG ging pleite, die WSW verloren durch die nicht-funktionierenden Windräder einen sechsstelligen Betrag und mussten diese – auch aus Sicherheitsgründen – schließlich abbauen. Eine Windkraft- und zwei Solaranlagen haben seit 2017 übernommen.

Die drei „Flügelhügel“-Windräder auf dem Campus Grifflenberg sind Teil der Verhandlung

Der Flügelhügel kurz nach der Installation der Sternberg-Windräder © red

Die Geschichte wird nun um ein weiteres Kapitel erweitert. „Gegen zwei ehemalige Verantwortliche der Sternberg AG ist vor dem Strafrichter des AG Schmallenberg Anklage erhoben worden“, teilt uns der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Arnsberg mit. Sie ermittelt seit Anfang 2013 wegen Betruges gegen den ehemaligen Sternberg-Vorstand Meinolf Hegener und Thomas Grimm (AZ 213 Js 38/12). Die Hauptverhandlung findet laut der Staatsanwaltschaft am 9. Oktober 2017 um 9.00 Uhr statt: „Gegenstand ist auch eine an die WSW Energie und Wasser AG in Wuppertal gelieferte Anlage.“

Kosten für die Wuppertaler Stadtwerke:
Über 200.000 Euro

Der „neue“ Flügelhügel © mw

Damit reihen sich die WSW in eine ganze Reihe von Geschädigten ein: Dazu gehören beispielsweise die Stadtwerke Weilburg, die 67.000 Euro abschreiben mussten, und zahlreiche andere gewerbliche und private Kunden. Die Wuppertaler Stadtwerke waren nach Recherchen von blickfeld und CORRECT!V einer der letzten Abnehmer der Sternberg-Anlage des Typs „AeroviS T7“.

Lange Zeit haben Stadtwerke und Universitätsleitung kräftig mit den Windrädern am „Flügelhügel“ geworben. So stand seinerzeit auf der Internetseite des Projektes MetaLicht, dass der Strombedarf der Lichtkunstinstallation „dauerhaft und komplett durch ‘Grünen Strom’ gewährleistet wird“, „der aus eigens hierfür aufgestellten, innovativen Windturbinen“ stammt. Nach unseren Recherchen stimmte diese Aussage nie, wie wir im Artikel „Woher kommt der Strom für das MetaLicht?“ bereits – auch auf Grundlage von uns anonym zugespielten internen WSW-Unterlagen – infrage stellten.

Das „MetaLicht ist ein für die Universität einzigartiges Kunstprojekt“

Von anderen Besitzern der Sternberg-Anlage heißt es: „Gedreht hat es sich, aber es hat nie Strom produziert.“ © mw

Die Universitätsleitung beurteilt „das Projekt vom Ergebnis her“. „So bedauerlich sicherlich für alle Seiten die während des Baus der Windkraftanlagen entstandene Situation ist“, freut sich die Spitze der Bergischen Universität dennoch, „dass mit dem Flügelhügel nicht nur ein Ort entstanden ist, der sichtbar den Blick auf MetaLicht und das Thema regenerative Energie lenkt, sondern vor allem auch ein Ort, der eine hohe Aufenthaltsqualität aufweist und sich infolgedessen gerade bei Studierenden, aber auch Beschäftigten und Besuchern einer äußerst hohen Beliebtheit erfreut.“

Ein finanzieller Schaden aus dem gescheiterten Windkraft-Projekt habe sich für die Wuppertaler Uni zwar nicht ergeben, doch als „sichtbares Symbol“ dafür, „dass sich an der Bergischen Universität im Hinblick auf erneuerbare Energie einiges tut“, wie Uni-Rektor Lambert T. Koch zum Aufbau der Sternberg-Anlagen erklärte, taugte es auch nicht. Damals kommunizierten Uni-Leitung und Stadtwerke gar, dass die Anlagen einen Überschuss erzeugen würden. »mw«

Ein Kommentar zu „Flügelhügel-Skandal“ kommt vor Gericht

  1. nilsarne sagt:

    „sondern vor allem auch ein Ort, der eine hohe Aufenthaltsqualität aufweist und sich infolgedessen gerade bei Studierenden, aber auch Beschäftigten und Besuchern einer äußerst hohen Beliebtheit erfreut.“

    Schade eigentlich, dass damals der Baum gefällt wurde. Der Berg mit der einzelnen Bank war eine deutlich bessere Bereicherung für den Hügel und bot dem Campus einen Fluchtpunkt.

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