Studierende können am neuen Wohnheim Obst und Kräuter anbauen

1.085 Wohnheimplätze bietet das Hochschul-Sozialwerk Wuppertal (HSW) in unmittelbarer Nähe zur Bergischen Universität an. Gestern wurden mit dem neuen Komplex an der Max-Horkheimer-Str. 160 bis 168 weitere 132 Plätze eröffnet.

Diese umzusetzen, war aus mehreren Gründen schwierig, wie HSW-Geschäftsführer Fritz Berger ausführt: „Drei Jahre dauerte es, bis wir die Grundstücke vom landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW zum vollen Marktpreis kaufen konnten.“ Auch galt der erworbene Randstreifen aufgrund der extremen Hanglage und Höhendifferenz als nicht bebaubar. „Den beauftragten Architekten der ACMS Architekten GmbH aus Wuppertal ist jedoch das Kunststück gelungen, diese standortspezifischen ‚Herausforderungen‘ ins Positive zu wenden.“

Die Appartements im neuen Wohnheim sind möbliert © mw

Einzel-, Zweier-, 4er- und 6er-Apparements für 289 Euro im Monat

Für 15 Millionen Euro, mehrheitlich finanziert aus Darlehen aus dem sozialen Wohnungsbau und der KfW-Bank, wurden 132 Wohnplätze realisiert, aufgeteilt in verschiedene Wohnformen. Dazu erklärt Berger: „Pro Einzelappartement stehen 29,5 qm samt eigener Küchenzeile zur Verfügung. In den 22 Zweierappartements – Größe je 24,5 qm – und den 4er- und 6er-Appartements mit einer Zimmergröße von je 29 qm ist die Küche im Gemeinschaftsbereich untergebracht. Jedes Zimmer, auch in den Gruppenwohnungen, hat eine eigene Dusche und Toilette.“ Die monatliche Miete beträgt 274 Euro (+ 15 Euro Möblierungszuschlag) und enthält alle Nebenkosten und Leistungen, wie einen HighSpeed-Internetanschluss.

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Kräuter und Obst: „Urban Gardening“ lädt Studierende zum Gärtnern ein

Da es in Studierenden-Wohnheimen auch mal lauter zugehen kann, wurden an die Raumtrennwände und Türen sehr hohe Schallschutzanforderungen gestellt, wie Berger betont: „Ruhiges Arbeiten am Schreibtisch, Treffen zum gemeinsamen Essen oder das Feiern einer bestandenen Klausur, das passt nur bei gutem Schallschutz zusammen.“

Auch auf das Umfeld wurde besonderen Wert gelegt. „Auf bienenfreundliche Sträucher wurde ebenso geachtet wie auf heimische Obstsorten und schmackhafte Kräuter, die von den Bewohnern geerntet werden können.“ Das Stichwort lautet „Urban Gardening“ und wird mit Begeisterung aufgenommen, wie Wohnheimtutor und Geschichtsstudent Paul Marx (22) berichtet: „Es macht Spaß, direkt am Wohnheim zu gärtnern, frische Kräuter zu pflücken, dabei weitere Bewohner zum Mitmachen zu animieren und so die Gemeinschaft zu fördern.“

Die neuen Wohnheime grenzen direkt am Kleingartenverein „Im Johannistal“ © mw

Wohnheime für besondere Nachhaltigkeit zertifiziert

Zugleich hat dieses Projekt mit dazu geführt, dass die neuen Gebäude den „Goldstatus für besondere Nachhaltigkeit“ erworben haben, eine Zertifizierung, die durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen verliehen wird und laut Berger „im öffentlich geförderten Wohnungsbau eine Ausnahme darstellt.“ Weitere Faktoren sind etwa die Reduzierung des Energiebedarfs durch den Passivhaus-Standard und Anschluss an das Fernwärmenetz sowie die weitgehende Herstellung von Barrierefreiheit.

Zugleich waren die Planungen der ACMS Architekten Teil der „Forschungsinitiative Zukunft Bau“ wie Berger erläutert: „Im Rahmen dieses Programms wurde in Wuppertal ein Modulsystem entwickelt, mit welchem Individualräume über unterschiedliche Gemeinschaftsbereiche ‚geschaltet‘ werden können, vom Einzelappartement bis zur sechs Personen-Wohngemeinschaft.“

Hochschul-Sozialwerk geht von voller Vermietung im Wintersemester aus

In der Vergangenheit waren Wohnheimplätze beim HSW äußerst beliebt, die Warteliste mehrere hundert Bewerber/-innen lang. Doch wie sieht es im kommenden Hybrid-Wintersemester aus – dazu Berger: „Wenn man davon ausgeht, dass kleine Veranstaltungen bis 50 Personen für alle in Präsenzform angeboten werden, dann wird sich vermutlich der größte Teil der Studierenden vor Ort aufhalten. Die Mieter in unseren Wohnheimen sind dann im Vorteil, weil sie die größeren Veranstaltungen, die nur digital angeboten werden, von zu Hause verfolgen können. Wir gehen von einer vollen Vermietung aus und wollen Erstsemester bei der Vergabe bevorzugen.“ »mw«

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe der Westdeutschen Zeitung vom 28. August 2020.

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