Hohe Kosten für Lebensmittel und Energie: So reagiert das Hochschul-Sozialwerk an der Uni Wuppertal

Gestiegene Lebensmittel- und Energiepreise sowie ein hoher Krankenstand machen vielen Branchen zu schaffen. Auch das Hochschul-Sozialwerk ist von diesen Faktoren betroffen. Wir haben mit HSW-Geschäftsführerin Ursula Dumsch über die aktuelle Lage, insbesondere in der Uni-Gastronomie, gesprochen.

blickfeld: „Hallo Frau Dumsch, Ende vergangenen Jahres musste das Sozialwerk an der Bergischen Universität gastronomische Einrichtungen schließen und zum Teil bis heute geschlossen halten. Was sind die Hintergründe für diese Maßnahme?“

Dumsch: „Wir als Hochschul-Sozialwerk wurden im November und Dezember 2022 von einer großen Krankheitswelle erfasst. Im gastronomischen Bereich hatten wir eine Krankenquote von zeitweise bis zu 30 Prozent. Vor diesem Hintergrund haben wir unter anderem die Uni-Kneipe vorübergehend schließen müssen.“

Cafeteria Sport + Design bleibt aus Gründen des Brand- und Arbeitsschutzes geschlossen

blickfeld: „Die Cafeteria Sport + Design ist bis heute geschlossen. Gibt es hier bereits eine Öffnungsperspektive?“

Dumsch: „Die Schließung der Cafeteria Sport + Design hängt nicht nur mit dem hohen Krankenstand zusammen. Im Rahmen einer Begehung mit Verantwortlichen der Universität wurden Mängel im Brand- und Arbeitsschutz festgestellt. So werden etwa durch die derzeitige Platzierung der Besteckwagen Fluchtwege versperrt. Generell ist die Einrichtung durch die vielen Gerätschaften zu eng. Hier müssen wir einen Weg finden, die Einrichtung entsprechend den rechtlichen Rahmenbedingungen umzugestalten. Bis wann dies erfolgen kann, ist derzeit noch offen. Deshalb haben wir als Alternative die cafebar ‚ins grüne‘ wiedereröffnet, um einen Teil der Versorgung im Hörsaalzentrum und Gebäude I zu gewährleisten.“

Bleibt aus Gründen des Brand- und Arbeitsschutzes geschlossen: Cafeteria Sport + Design – Foto: mw

blickfeld: „Wie reagiert das Hochschul-Sozialwerk auf die gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise?“

Dumsch: „Zum 1. Dezember 2022 mussten wir die Preise der Beilagen anpassen. Die Erhöhung war notwendig, um weiterhin eine Vielfalt im Angebot bieten zu können. Andernfalls hätten wir Beilagen aus dem Programm nehmen müssen. Ein Beispiel in puncto Kostensteigerung sind frische Pommes. Diese sind von einem Monat auf den anderen um 20 Prozent teurer geworden.

Darüber hinaus haben wir, um Energie einzusparen, die Grillstationen am Campus Haspel und Freudenberg geschlossen und die Fernseher in der Uni-Kneipe abgeschaltet. Die dortige Fritteuse wird auch erst zum Abend genutzt. Das sind einzelne Beispiele für viele Maßnahmen, die wir ergreifen, um Kosten einzusparen und so weitere Preiserhöhungen zu vermeiden.“

Mensa-Gästezahlen nähern sich dem Niveau vor Corona an

blickfeld: „Wie entwickeln sich die Gästezahlen, insbesondere in der Mensa? Mit den Corona-Einschränkungen sind die Besucher:innen-Zahlen massiv eingebrochen.“

Dumsch: „In Bezug auf das aktuelle Wintersemester haben wir 80 Prozent unserer Kundschaft, die uns 2019 vor den Corona-Einschränkungen aufgesucht haben, zurückgewinnen können. Das ist eine sehr gute Entwicklung und auch die Resonanz seitens der Studierenden ist äußerst positiv, wie die Ergebnisse unserer dauerhaften Gästebefragung zeigen.“

blickfeld: „Auch in Bezug auf Ihre Initiative zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung?“

Dumsch: „Im Zuge dieses Projektes (blickfeld berichtete) haben wir den sogenannten ‚Klimateller‘ eingeführt. Dadurch erhalten Studierende, die die Mensen am Grifflenberg, Haspel oder Freudenberg in den letzten 15 Minuten vor Ende der Essensausgabe besuchen, einen 50-Prozent-Rabatt auf die Menüs Klassik, Vegetarisch und Vegan. Das kommt sehr gut an und sorgt für zusätzliche Gäste.“

HSW-Geschäftsführerin Ursula Dumsch – Foto: Hochschul-Sozialwerk-Wuppertal

Landesregierung in NRW will Studierendenwerke mit 30 Millionen Euro unterstützen

blickfeld: „Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat angekündigt, die Studierendenwerke, so auch das HSW in Wuppertal, finanziell zu unterstützen. Insgesamt sind 20 Millionen Euro für die Kostensteigerungen im Wareneinkauf und weitere 10 Millionen Euro zur Abfederung der steigenden Energiekosten vorgesehen. Wie bewerten Sie diese Maßnahmen, können so weitere Preissteigerungen und womöglich auch eine Erhöhung des Sozialbeitrages vermieden werden?“

Dumsch: „Grundsätzlich ist ein solcher Schritt seitens der Landesregierung zu begrüßen. Offen ist noch, wie die Gelder zwischen den verschiedenen Studierendenwerken verteilt werden und mit welchen Auflagen sie verbunden sind. Hierzu läuft derzeit eine Abfrage von Seiten des Ministeriums. Erst dann kann die Wirkung vor Ort bewertet werden.

Davon unabhängig kalkuliere ich derzeit mit einer moderaten Erhöhung des Sozialbeitrages um zehn Euro zum Wintersemester 2023/2024. Mit dann 99 Euro würden wir knapp unter der 100-Euro-Grenze bleiben. Zum Vergleich: Das Studierendenwerk in Siegen wird bereits zum Sommersemester 2023 den Sozialbeitrag erhöhen, von 90,50 Euro auf 120 Euro pro Semester. Mir ist es ein besonderes Anliegen, den Beitrag und somit auch die Belastung für die Studierenden so gering wie möglich zu halten.“

Mensen und Cafeterien der Uni Wuppertal sollen zu Lernräume werden

blickfeld: „Welche Pläne verfolgen Sie darüber hinaus für das Jahr 2023?“

Dumsch: „Grundsätzlich möchte ich unsere gastronomischen Einrichtungen noch attraktiver gestalten und stärker als Lernräume öffnen. Zum Teil sind, etwa in der Cafeteria ME.03, die Tische schon für das Mittagessen zu schmal, geschweige denn für zwei Notebooks. An vielen Stellen fehlen auch Steckdosen zum Arbeiten mit mobilen Geräten. Hierzu suchen wir das Gespräch mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen, der für die universitären Gebäude verantwortlich ist.

Zudem setzen wir unsere Ausstellungsreihe in der Uni-Kneipe fort. Am 23. Januar 2023 lädt die ehemalige Studentin Maren Butzheinen alle Kunstinteressierten um 19:30 Uhr zur Vernissage ein (blickfeld berichtete). Den Besuch kann ich wärmstens empfehlen!“

blickfeld: „Vielen Dank für das Gespräch.“ »mw«

Das Interview führte Martin Wosnitza

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