So könnt ihr als ›Buddy‹ bei der Integration an der Uni helfen

Ricardo Gracía (l.) und Muhammad Katbi (r.) sind ein Tandem © mw

Geflüchtete Menschen stehen vor vielen Herausforderungen: Sie müssen das Erlebte verarbeiten und sich zugleich neuen Gegebenheiten anpassen. Dazu gehören das Erlernen einer fremden Sprache, das Kennenlernen einer neuen Kultur, aber auch die Suche nach Chancen. Für einige liegen diese an der Universität. Damit der Start hier glückt, hat die Bergische Universität das InTouch-Projekt ins Leben gerufen. Davon profitieren nicht nur unsere neuen MitbürgerInnen, sondern auch daran teilnehmende Studierende.

Seit dem Start des InTouch-Projektes an der Bergischen Universität im Wintersemester 2015/16 haben bereits 46 geflüchtete Menschen von dem Programm profitiert. Jetzt, zwei Semester später, nehmen 20 Flüchtlinge am Projekt teil, 14 davon zum ersten Mal. Im Rahmen von InTouch können sie sich innerhalb einer Gasthörerschaft auf ein reguläres Studium an unsere Universität vorbereiten und darüber informieren, Veranstaltungen besuchen und sich an den deutschen Uni-Alltag gewöhnen.

Die Studierenden mit Flüchtlingshintergrund können das gesamte Angebot der Universität nutzen – von der Bibliothek, über den Hochschulsport, bis zur Mensa. Zusätzlich besteht für sie die Möglichkeit, einen kostenlosen, individuell zugeschnittenen und studienvorbereitenden Deutschkurs zu besuchen, der vom Sprachlehrinstitut (SLI) angeboten wird.

Zudem wird jedes Semester ein InTouch-Seminar, welches die Themen Menschenrechte, Demokratietheorie, interkulturelle Kommunikation, Friedens- und Konfliktforschung oder globale Gerechtigkeit behandelt, angeboten. Dabei diskutieren sie aktiv mit Wuppertaler Studierenden über gesellschaftspolitische und aktuelle Themen. So können beide Seiten gegenseitig verschiedene Perspektiven und Vorstellungen kennen und verstehen lernen.

Jedoch stellt dieses Seminar nicht die einzige Möglichkeit dar, Flüchtlinge auf ihrem Weg an die Universität zu begleiten: Wuppertaler Studierende können sich ehrenamtlich als sogenannte ›Buddys‹ engagieren, um die Integration der neuen Kommilitoninnen und Kommilitonen mit Flüchtlingshintergrund an der Universität zu erleichtern. Sie helfen ihnen bei der Orientierung an der Uni, bei der Bedienung von WUSEL oder des Webmail-Accounts und bei allgemeinen Fragen zum Studium. Ein solcher ›Buddy‹ und ein Flüchtling ergeben ein Tandem-Paar.

Ricardo Gracía und Muhammad Katbi sind ein Tandem

Ricardo Gracía (links auf dem Titelbild) studiert an der Bergischen Universität im vierten Semester den Masterstudiengang Entrepreneurship und Innovation. Er hat über das Internet vom InTouch-Projekt erfahren und ist seit dem Sommersemester 2016 als ›Buddy‹ dabei. Muhammad Katbi hat in Aleppo das Bachelorstudium zum Kommunikationsingenieur erfolgreich abgeschlossen, lebt seit dreizehn Monaten in Deutschland und ist ebenfalls seit dem Sommersemester 2016 als Gasthörer im Studiengang Informationstechnologie eingeschrieben.

Muhammad hat über einen Freund vom InTouch-Projekt gehört und sich daraufhin beworben. Nach einem Gespräch mit Herrn Plößer, dem Organisator des Projektes, wurde er in das Programm aufgenommen. Während einer Einführungsveranstaltung, bei dem auch die Organisation von InTouch besprochen wurde, haben sich die Tandem-Paare das erste Mal kennengelernt.

Ricardo hilft Muhammad bei der Orientierung an der Universität und der Stundenplanerstellung, zeigt ihm die zentralen Einrichtungen an der Universität, ist eine Stütze bei Verständnisfragen bezüglich des Uni-Alltags, der Veranstaltungen, der Bewerbung über uni-assist, der Beantwortung von E-Mails sowie in der bürokratischen Organisation des Studiums. Wie lang ein Tandem (offiziell) zusammenbleibt, hängt vom individuellen Ziel des geflüchteten Partners ab – oftmals, bis dieser eine feste Tätigkeit gefunden hat.

Einmal im Monat treffen sich alle Tandem-Paare zum Austausch, um Schwierigkeiten zu besprechen und sich gegenseitig zu unterstützen. Zudem werden auch gemeinsame Ausflüge organisiert, wie z.B. auf den Weihnachtsmarkt, sowie eine Reflexionsveranstaltung am Ende des Semesters, bei der die gemeinsamen Erfahrungen ausgetauscht werden.

Ricardo und Muhammed sind zufrieden mit dem Programm und zudem froh, sich kennengelernt zu haben. »Als internationaler Studierender möchte ich anderen dabei helfen, das Leben im neuen Zuhause zu erleichtern. InTouch bietet uns diese Möglichkeit an, echte Inklusion zu schaffen«, so der MA-Student Ricardo. Sein Tandem-Partner Mohammed ergänzt: »Am InTouch Programm ist wichtig, dass es den geflüchteten Menschen, die an der Uni studieren möchten, hilft. Es zeigt uns den Weg und bietet uns ›Buddys‹ an – was ich persönlich sehr hilfreich finde, weil man am Anfang keine Ahnung hat, wie es an der Uni abläuft. Außerdem ist es wichtig, dass uns das Projekt auf das Studium vorbereitet, zum Beispiel mit TestAS, der Bewerbung über uni-assist, dem Deutsch- und Mathe-Kurs. Das Programm macht Spaß, weil wir uns ständig treffen, uns unterhalten und es immer etwas Neues gibt. Um ehrlich zu sein, könnte ich ohne das Projekt nicht einfach an der Uni sein und mich alleine bewerben oder anmelden.«

»Das InTouch-Projekt zeichnet sich vor allen Dingen durch die individuelle Unterstützung des ›Buddys‹ aus, die ständige Weiterentwicklung sowie die gute Organisation. Für die Flüchtlinge ist es vor allen Dingen wichtig, dass ihnen der Weg zum Ziel gezeigt und dieser gemeinsam erreicht wird und aufkommende Probleme in der Gruppe gelöst werden können«, finden Ricardo und Muhammad. »lw«

Wer Interesse hat, sich als ›Buddy‹ beim InTouch Projekt zu engagieren, der findet unter dem folgenden Link weitere Informationen: www.intouch.uni-wuppertal.de

Unterstützt wird das Projekt vom Akademischen Auslandsamt (AAA), dem Sprachlehrinstitut (SLI) und der Zentralen Studienberatung (ZSB).
Projektleiter ist der Philosophiedozent Prof. Dr. Smail Rapic.

Erstveröffentlichung des Artikels in der Printausgabe 01-2017, erschienen im Februar 2017

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