Meinung: Scheinstudierende entlasten den NRW-Landeshaushalt

Von Martin Wosnitza

Zehntausende soll es von ihnen geben: Scheinstudierende an NRWs Hochschulen. Düsseldorf rechnet laut Handelsblatt mit 8.000, Köln mit mindestens 4.000 der sogenannten „Ticketstudierenden“. Sie alle sparen bares Geld: Denn statt 250 Euro im Monat für ein SchönesJahrTicket NRW im Abo zahlen sie – im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) – lediglich rund 204 Euro im Halbjahr für ein NRW-weit gültiges Bahn- bzw. Semesterticket. Dieses ist Bestandteil des 306 Euro teuren Semesterbeitrags an der Bergischen Universität Wuppertal.

„Ticketstudierende“ zahlen auch den Sozialbeitrag für die Studierendenwerke

In den knapp über 300 Euro sind auch der Sozialbeitrag in Höhe von 89 Euro für das Studierendenwerk bzw. in Wuppertal das Hochschul-Sozialwerk, das die Mensen betreibt und die Wohnheime baut, enthalten.

Dafür zahlen Scheinstudierende mit, nutzen es aber nie. Wer sie aus der Uni „rausfiltern“ will, was schwerlich möglich sein dürfte, muss einen immensen bürokratischen Aufwand betreiben und schlussendlich auch die fehlenden Einnahmen für die Studierendenwerke kompensieren.

Wohnheim „Neue Burse“ des Hochschul-Sozialwerkes © mw

Indizien sprechen für fast 7.000 Scheinstudierende an der Wuppertaler Universität

23.000 Studierende waren zuletzt an der Bergischen Universität Wuppertal eingeschrieben. Laut Rektoratsbericht gab es 2018 knapp über 16.000 aktive (entleihende) Benutzer/-innen in der Universitätsbibliothek. Auf der Lernplattform Moodle, in der es Kursinformationen und -materialien gibt, weist derselbe Bericht 16.042 aktive Nutzer im Monatsschnitt aus.

Das sind zwei Indizien, die auf bis zu 7.000 Scheinstudierende hinweisen. Rechnen wir auf dieser Basis weiter: 7.000 mal 89 Euro Sozialbeitrag machen auf das Jahr hochgerechnet 1,25 Millionen Euro, die dem Hochschul-Sozialwerk fehlen würden. Der Landeszuschuss für alle zwölf Studierendenwerke in NRW soll im nächsten Jahr um knapp vier Millionen steigen – nach 15 Nullrunden seit 1994. Wuppertal bräuchte so als relativ kleiner Hochschulstandort schon ein Drittel der geplanten Erhöhung. Da niemand weiß, wie viele Scheinstudierende es landesweit tatsächlich gibt, wird dieser Punkt unkalkulierbar.

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Scheinstudierende halten die Studierendenwerke über Wasser

Man könnte nun einwenden, dass Scheinstudierende mit Bus und Bahn auf Kosten der Allgemeinheit fahren – ist der ÖPNV doch ein Zuschussgeschäft. Doch anstatt hypothetisch aufzurechnen, wer, wie und vielleicht am meisten profitiert und dabei den Zeigefinger zu erheben, sollten die Kernpunkte in den Fokus gerückt werden: die offensichtliche Nachfrage nach günstigen NRW-Bahntickets und die fehlende solide Finanzierung der Studierendenwerke.

Letztere können sich derzeit offenbar nur wegen der Scheinstudierenden über Wasser halten. »mw«

Meinung von Martin Wosnitza »mw«

Foto: Christian Surrey

Martin Wosnitza ist Gründungsmitglied und Herausgeber der CampusZeitung blickfeld. Als freier Journalist schreibt er u.a. für die Westdeutsche Zeitung (WZ).
E-Mail: mw@blickfeld-wuppertal.de

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