Nachtschichten, K.I. und Schreibblockaden: Wie die Schreibwerkstatt wort.ort Studierenden hilft

Der wort.ort, die Schreibwerkstatt der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften, ist seit 2013 die Anlaufstelle für alle Studierenden, die Unterstützung beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten suchen. Dr. Katrin Maslona, Dr. Kerstin Runschke und Jana Fritze bilden als Projektverantwortliche gemeinsam mit bis zu zehn Peer-Tutor:innen das Team der Schreibwerkstatt. blickfeld sprach mit ihnen über ihre Arbeit, wie sich diese in den vergangenen Jahren verändert hat und welche Zukunftsperspektiven sich eröffnen könnten.

Jana Fritze, Dr. Kerstin Runschke und Dr. Katrin Maslona (v.l.) - Foto: wort.ort

blickfeld: Wie würdet ihr das Angebot der Schreibwerkstatt wort.ort kurz zusammenfassen?

Katrin Maslona: Im wort.ort bieten wir Studierenden der Fakultät 1 einen offenen und entspannten Rahmen, in dem sie sich bei ihren wissenschaftlichen Schreibprojekten unterstützen lassen können. Dabei unterstützen wir sie mit verschiedenen Angeboten, angefangen bei offenen Sprechstunden vor Ort oder – seit der Pandemie – per ZOOM bis hin zu Workshops und Sonderveranstaltungen, wie etwa der nacht.schicht – der langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten.

Jana Fritze: Eine Besonderheit unseres Angebotes ist, dass die Beratung von Studierenden, unseren Peer-Tutor:innen, für Studierende erfolgt. Das trägt dazu bei, die Hemmschwelle, sich bei uns Unterstützung zu holen, zu senken.

Der wort.ort unterstützt in allen Phasen eines Schreibprojekts

blickfeld: Wie kam es zur Gründung der Schreibwerkstatt?

Kerstin Runschke: Angebote, ähnlich der Schreibwerkstatt, gibt es in den Vereinigten Staaten bereits seit den 60er-Jahren. In Bielefeld wurde die erste Einrichtung dieser Art in den 90ern eröffnet. Der wort.ort an der Bergischen Universität wurde im Rahmen des Bund-Länder-Programms zur Verbesserung der Studieneingangsphase gegründet und ist nach Auslaufen des Programms Ende 2020 zur festen Institution in der Fakultät geworden.

blickfeld: Weil sich der wort.ort bewährt hat?

Katrin Maslona: Absolut, denn wir vermitteln nicht nur Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und dafür notwendige Kompetenzen, sondern helfen in allen Phasen eines Schreibprojektes: Wie fange ich an? Wie kann ich meine Schreibblockade überwinden? Und welche Tools können mich bei meiner Recherche unterstützen? Wir bieten Antworten auf diese und viele weitere Fragen.

Der wort.ort in Gebäude MI am Campus Grifflenberg – Foto: wort.ort

2025 feiert die nacht.schicht ihr zehnjähriges Jubiläum

Jana Fritze: Die bereits erwähnte nacht.schicht, die wir jährlich im März anbieten, ist stets ausgebucht, so dass wir mit Wartelisten arbeiten müssen. In diesem Jahr nahmen knapp 130 Studierende teil, die während der ganzen Nacht nicht nur von ruhigen Arbeitsplätzen und unserer Schreibberatung profitierten, sondern auch von Workshops, Sportkursen und Spielepausen zur kurzen Auflockerung.

Kerstin Runschke: Im nächsten Jahr steht dann auch ein größeres Jubiläum an, wir feiern die zehnte nacht.schicht, zu der wir uns ganz sicher auch besondere Aktionen und Highlight einfallen lassen werden. Mit der Zeit konnten wir uns sogar vergrößern, sind nicht nur auf die Räume der Schreibwerkstatt beschränkt, sondern können auch einige Räume in Gebäude I nutzen, was uns mehr Möglichkeiten gibt, zusätzliche Angebote zu schaffen und der Nachfrage von Seiten der Studierenden gerecht zu werden.

blickfeld: Wie begegnet ihr den vermehrten Möglichkeiten, die Künstliche Intelligenz bietet?

Jana Fritze: Klar ist, dass Studierende KI-Tools wie ChatGPT nutzen. Uns ist es daher wichtig, diese Entwicklung anzuerkennen und für einen reflektierten Umgang mit diesen Tools zu sensibilisieren. Inwieweit können sie einzelne Schritte wissenschaftlichen Arbeitens begleiten und wo sind ihre Grenzen? Ein kurzes Beispiel: In einem der letzten ChatGPT-Workshops haben wir Studierenden zwei kurze Texte zum selben Thema vorgelegt. Einer wurde von ChatGPT geschrieben, der andere stammte aus meiner Masterarbeit. Weniger als ein Viertel der Leute hat richtig erkannt, welcher Text von wem ist – und dass, obwohl der ChatGPT-Text thematisch am Inhalt völlig vorbeiging. Das war schon überraschend.

Kerstin Runschke: Dieses Beispiel hat uns noch einmal vor Augen geführt, dass es wichtig ist, Studierenden zu zeigen, worauf man beim Einsatz und einer kritischen Bewertung von KI-gestützten Tools achten muss. Ohne ein Grundverständnis für wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben kann ich derlei KI-Tools nicht adäquat nutzen, deswegen setzen wir in unserem Workshopangebot verstärkt auf die Vermittlung, das Ausprobieren und Besprechen von KI-Tools für verschiedene Schreibphasen.

Der wort.ort unterstützt in allen Phasen eines Schreibprojekts

blickfeld: Zum Abschluss: Was ist euer Wunsch für die Zukunft des wort.orts?

Katrin Maslona: Wir würden unser Angebot gerne über die Fakultät hinaus mehr Studierenden zugänglich machen. Viele Grundlagen und Fragestellungen, die wir mit unserem Angebot abdecken, sind auch für Studierende anderer Fakultäten relevant. Zum Teil sind unsere Workshops schon jetzt für den digitalen Optionalbereich anrechenbar. Das würden wir gerne ausbauen.

blickfeld: Vielen Dank für das Gespräch. »mw«

wort.ort – Die Schreibwerkstatt

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