Studieren während Corona: Endet Uni@Home im kommenden Wintersemester?

"Gehen Sie für Ihre persönliche Planung weiterhin davon aus, dass sehr viele Lehrveranstaltungen im kommenden Wintersemester 2021/2022 wieder in Präsenz stattfinden werden", heißt es im letzten Newsletter Studium und Lehre der Bergischen Uni von Ende August. Wir haben uns unter den Studierenden umgehört und geschaut, wie andere Hochschulen mit dem kommenden Semester umgehen.

Im Newsletter erklären die Verantwortlichen an der Wuppertaler Universität weiter, Studierende sollen davon ausgehen sollen, dass „ein Besuch von Lehrveranstaltungen nur mit Nachweis der Immunisierung oder mit einem Negativtestnachweis möglich sein wird.“ Inwieweit das Studium wieder vor Ort stattfindet, wird laut Uni-Leitung von den im Oktober gültigen gesetzlichen Regelungen abhängig sein: „Wie in den letzten eineinhalb Jahren müssen wir also weiter damit leben, dass Planungsänderungen zum Lehrbetrieb kurzfristig erfolgen können.“ Laut dem Uni-Newsletter von Ende Juli hänge dies im Wesentlichen davon ab, ob es weiterhin Regelungen für einen Mindestabstand und/oder eine Maximalgröße für Lehrveranstaltungen geben wird. Ohne diese „würden grundsätzlich alle Lehrveranstaltungen in Präsenz abgehalten“ werden, was zur Folge hätte, dass es für reine Präsenzveranstaltungen im Regelfall kein alternatives Online-Angebot geben würde. Mit einem Mindestabstand hingegen „würden erneut die meisten Lehrveranstaltungen digital angeboten werden müssen.“

Studentin und Mutter wünscht sich Online-Angebote zum Wintersemester 2021/22

Juliane, Studentin der Fächer Latein und Philosophie, ist im Januar Mutter geworden und hat erheblich von Uni@Home profitiert: „Das war sehr gut, da ich teilweise das Bett wegen einer anstrengenden Schwangerschaft nicht verlassen konnte, so aber trotzdem die Möglichkeit hatte, an der Uni teilzunehmen.“ Nun könne sie per Videokonferenz Seminare verfolgen und ihre Tochter betreuen: „Um ehrlich zu sein, graut es mir davor, mit Kind in die Uni zu fahren, weil es sicherlich einen enormen Stress bedeuten wird.“ Trotz vollständiger Impfung und angesichts steigender Inzidenzen hat sie weiterhin Sorge, an Corona zu erkranken. „Zudem möchte ich meine Tochter nicht gefährden.“ Sie wünscht sich, „dass die Uni aus der Pandemie lernt und zumindest in einigen Räumen eine Übertragung der Präsenz-Lehrveranstaltungen via Internet für diejenigen möglich macht, denen ein persönliches Erscheinen aus welchen Gründen auch immer unmöglich ist.“

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Bergische Universität Wuppertal: Wegen Uni@Home sozial und inhaltlich keinen Anschluss finden?

Psychologiestudentin Chantal kritisiert die bisherige Informationen zum Wintersemester von Seiten der Universität als „schwammig“ und führt aus: „Wir wissen nur aus der Rundmail, dass das Semester höchstwahrscheinlich in Präsenz stattfinden soll, aber mehr auch nicht.“ Über ein Studium in Präsenz würde sie sich sehr freuen, denn: „Ich habe mich ehrlich gesagt schon daran gewöhnt, dass alles von zuhause abläuft, aber gelernt habe ich nicht wirklich etwas.“ Zuhause habe sie sich leicht ablenken lassen und sei nicht zur Ruhe gekommen. „Ich persönlich habe Angst, dass ich keinen Anschluss mehr finde, inhaltlich und sozial“, sagt sie weiter. Erste Uni-Bekanntschaften seien schon wieder verflogen: „Durch die Distanz hat man nicht mehr viel miteinander zu tun.“ Sie habe zudem schon öfters mit dem Gedanken gespielt, das Studium abzubrechen.

Pflegende Studentin fordert Online-Ergänzung zur Präsenz-Lehre an der Wuppertaler Universität

„Ich sorge mich um das kommende Semester und weiß nicht, ob ich dem Zwang der Regelstudienzeit folgen soll, oder dieses Semester dementsprechend kürzer trete, zum Schutze meiner Familie und mir selbst,“ schreibt die Mediendesign- und Englischstudentin Sandra* unserer Redaktion. Sie sei kürzlich mit ihrem Partner von Wuppertal in die Nähe von Bonn gezogen, um ihre Großmutter zu unterstützen: „Damit sie häusliche und alltägliche Unterstützung haben kann und nicht vereinsamt.“ Sie würde grundsätzlich die 150 km zur Universität fahren, habe jedoch – trotz Impfung – weiterhin Sorge vor einer Infektion: „Und da sehe ich das große Fragezeichen, wenn ich täglich wieder in den überfüllten Zügen pendeln muss und in der Uni an x-Hundert Komiliton:innen vorbei ziehe. Trotz Impfung kann ich mich weiter infizieren und Überträger sein. Ich möchte nicht meine Großmutter unnötig gefährden, geschweige denn so kurz nach meinem Opa auch sie verlieren.“ Sandra* würde sich „von der Universität einfach mehr Rücksichtnahme für die wünschen, die Angehörige haben. Präsenz für die, die möchten, aber auch die Möglichkeit, die Lehrveranstaltung weiterhin in Distanz wahrnehmen zu können, wenn es einem einfach noch zu unsicher ist.“

In zwei Semestern nur zwei Mal an der Bergischen Universität Wuppertal

Dana* kommt nun ins dritte Semester, studiert Germanistik und Erziehungswissenschaft, „war zwei Mal an der Uni und will das unbedingt ändern.“ Sie sei psychisch erkrankt und findet es „schlimm, dass die psychische Gesundheit in der Pandemie so vernachlässigt wird.“ Der Schutz der körperlichen Gesundheit sei wichtig, „aber selbst psychisch stabile Menschen leiden mittlerweile, der Lockdown hat sehr an meiner Psyche gefressen.“ Auch sie berichtet von Konzentrationsschwierigkeiten bei Uni@Home und sieht die Voraussetzungen für ein Studium in Präsenz gegeben: „Ich kann verstehen, dass Menschen sich wegen der Zahlen sorgen, aber die meisten sind geimpft. Zudem gibt es gute Hygienekonzepte.“ Weiter unterstreicht sie die Notwendigkeit eines Studiums vor Ort: „Wir brauchen zwischenmenschliche Interaktion, um uns weiterzuentwickeln und in Präsenz lernt es sich einfach ganz anders.“ Sie wünscht sich „so viel es geht in Präsenz anzubieten, aber mit Onlinealternativen.“

Drei Familienangehörige an Corona verloren und selbst gesundheitlich vorbelastet

Sonja* hat nach eigenen Angaben drei Familienangehörige an Corona verloren: „Der Jüngste war 25 Jahre alt.“ Sie selbst sei gesundheitlich erheblich vorbelastet, u.a. aufgrund einer Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. Seit Juni habe sie zwar den vollständigen Impfschutz, doch gibt sie zu bedenken: „Die Delta-Variante infiziert auch Geimpfte, die zwar vielleicht nicht sterben oder einen schweren Verlauf haben, aber immer noch an Long-Covid-Symptomen leiden können.“ Was das bedeute, wisse sie schon jetzt: Ohne „die richtige Dosis Schilddrüsenhormon, habe ich schon die Long-Covid-Symptome.“ Der Weg zur Universität sei aus ihrer Sicht bereits riskant: „Ich bin leider kein Autofahrer und müsste im Winter mit zwei Bahnen nach Wuppertal und dann mit den gefühlten 200 Studierenden mit dem Bus zur Uni fahren. Ein absolutes No-Go!“ Auch sie formuliert eine klare Forderung in Richtung Universität: „Es sollte eine Möglichkeit geben, dass man beides anbietet: Präsenz und online.“

Volle Uni-Busse im Wintersemester?

Präsenz-Studium in Wuppertal, „damit ich meinen Alltag zurückgewinne“

„Durch das Corona-Jahr entwickelte ich eine Angststörung. Ich konnte nicht mal vor die Tür gehen und musste einfache Dinge, wie Einkaufen im Supermarkt, neu erlernen. Weil ich keinen Grund mehr hatte, raus zu gehen, da die Uni online war und mein Job ebenfalls, hat sich meine Situation nur langsam verbessert“, erzählt Lisa, die Philosophie und Spanisch an der Bergischen Universität studiert. Vor diesem Hintergrund würde sie sich freuen, „wenn die Uni wieder öffnet, damit ich meinen Alltag zurückgewinne.“ Bedenken habe sie dennoch, „da mir das Zug fahren immer noch große Angst und Panik bereitet.“ Ihr Fazit nach drei Semestern Uni@Home lautet: „Ich kann nur sagen, dass ich einen ‚Knacks‘ bekommen habe. Ich denke es geht den meisten so.“

Corona-Impfquote an der Bergischen Universität Anfang August bereits bei 80 Prozent?

Laut einer von blickfeld durchgeführten Instagram-Umfrage, an der 175 Leser:innen teilnahmen, geht die Mehrheit davon aus, im kommenden Wintersemester erneut im Hybrid-Modus zu studieren. Die Impfquote an der Bergischen Universität sei indes hoch, wie ein WDR-Beitrag Anfang August berichtete: „Eine Statistik weist eine Quote von annähernd 80 Prozent aus – viel höher als die Impfquote in der Gesamtbevölkerung.“

Wie sieht es an anderen Hochschulen mit den Planungen zum Wintersemester aus? Die Universität Duisburg-Essen (UDE) plant überwiegend in Präsenz mit 3G-Regel: „Corona-Schnelltests werden nach einem Beschluss von Bund und Ländern ab dem 11. Oktober allerdings kostenpflichtig sein und auch die Universität wird keine kostenlosen Tests mehr zur Verfügung stellen.“ Um Präsenzveranstaltungen unter Corona-Bedingungen in größerem Umfang zu ermöglichen, appelliert Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke an Unentschlossene, sich jetzt impfen zu lassen. Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) erklärte kürzlich auf Twitter: „An der #HHU können sich Studierende und Lehrende auf das Wintersemester freuen. Wir planen volle Präsenzlehre mit 3G.“ Von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) heißt es auf Twitter, „dass vermittlungsorientierte Vorlesungen mit großen Teilnehmerzahlen im Wintersemester eher digital angeboten werden sollen.“

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Westfälische Wilhelms-Universität Münster gibt konkreten Ausblick auf das Wintersemester 2021/22

Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster schreibt deutlich: „Lehrveranstaltungen und Prüfungen sind ab dem 01.10.2021 wieder ohne Einschränkungen in Präsenz zulässig.“ Aus den FAQ, die zuletzt am 30. August 2021 aktualisiert wurde, geht zudem hervor: „Grundsätzlich sollte immer ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen eingehalten werden. Die Einhaltung des Mindestabstands ist gemäß den Hygiene- und Infektionsschutzregeln zur CoronaSchVO in Lehrveranstaltungen und Prüfungen am Platz nicht erforderlich, da alle Teilnehmenden immunisiert bzw. getestet sind. Die Veranstaltungsräume werden deshalb soweit erforderlich mit der vollen Platzzahl genutzt.“ Weiter heißt es: „In Veranstaltungen und Prüfungen darf auf das Tragen einer Maske verzichtet werden, da alle Teilnehmenden immunisiert oder und getestet sind.“

„3G-Regel“ wird an Hochschulen unterschiedlich gehandhabt oder die Umsetzung ist noch offen

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) setzt darauf, dass „ein zentral organisierter Sicherheitsdienst (…) in Stichproben die Einhaltung der 3G-Regel“ prüft. An der Universität Bremen gilt jetzt schon die 3G-Regel: „Der Status wird durch das Wachpersonal an den Eingängen zu den Gebäuden überprüft.“ Die Universität Tübingen schreibt zu dieser Frage: „Für das Wintersemester wird die Universität ein geeignetes Verfahren entwickeln, mit dem sich das Vorgehen durch 3G-Stichproben vereinfacht – wir informieren Sie dazu rechtzeitig.“ Ähnliches schreibt auch die WWU: „Bis zum Beginn der Vorlesungszeit werden genauere Informationen zur Überprüfung der 3G-Regel veröffentlicht.“ »mw«

Hinweis*: Mit Sternchen* gekennzeichnete Namen wurden von unserer Redaktion auf Wunsch der jeweiligen Gesprächspartnerin geändert.

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