„Keine Universität in Deutschland hat so viel Solarleistung auf seinen Dächern installiert wie die Universität Bremen“

2011 nahm die UniBremenSOLAR eG ihre erste Photovoltaikanlage in Betrieb. Die von Mitarbeiter:innen und Studierenden der Universität getragene Genossenschaft baute seitdem fünf weitere Anlagen auf. Wir haben mit Dr. Doris Sövegjarto-Wigbers, Klima- und Umweltschutzmanagerin an der Bremer Universität, über die Entstehungsgeschichte der Genossenschaft, ihre Aktivitäten und die Zukunftspläne gesprochen.

Doris Sövegjarto-Wigbers setzt sich an der Universität Bremen für den Klima- und Umweltschutz ein © WFB/Jörg Sarbach

blickfeld: „Dr. Sövegjarto-Wigbers, können Sie sich unseren Leser:innen kurz vorstellen?“

Dr. Sövegjarto-Wigbers: „Ich bin seit 1996 an der Universität Bremen tätig und aktuell Umweltkoordinatorin und Klimaschutzmanagerin. Meine erste Aufgabe bestand darin, das Umweltmanagement an der Uni einzuführen und aufzubauen. Die Universität Bremen war eine der ersten Hochschulen, die das EU-Umweltmanagementsystem EMAS einführte. Seitdem betreue ich die damit verbundenen Prüfverfahren, damit das drei Jahre gültige EMAS-Zertifikat regelmäßig verlängert werden kann. Dieses bescheinigt der Hochschule, Umweltleistungen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus zu erfüllen.“

blickfeld: „Wie sieht Ihre alltägliche Arbeit aus?“

Dr. Sövegjarto-Wigbers: „Ich halte zu allen Stellen und Institutionen der Universität Kontakt und ermittle Potenziale zur Ressourcen- und CO2-Schonung, etwa bei den Energieverbräuchen, der Beleuchtung oder der Heizungssteuerung. Damit verbunden sind sowohl Kampagnen und Weiterbildungsangebote, um das Bewusstsein der Uni-Angehörigen für diese Themen zu stärken, als auch technische Lösungen, beispielsweise die Umrüstung auf LED-Leuchtmittel oder der Aufbau von Solaranlagen auf dem Campus.“

„Viele Uni-Angehörige waren Feuer und Flamme für das Projekt, sind Mitglied der Genossenschaft geworden und haben sich direkt beteiligt.“

blickfeld: „Die Solaranlagen werden von einer Genossenschaft betrieben. Können Sie uns die Entstehungsgeschichte von UniBremenSOLAR schildern?“

Dr. Sövegjarto-Wigbers: „Die Gründung einer Genossenschaft ist die Initiative eines zwischenzeitlich von der Hochschule eingerichteten Umweltausschusses, der verschiedene Ideen entwickelt hat, um die Universität nachhaltiger zu gestalten. Hier entstand das Engagement zum Bau von Solaranlagen auf den Dächern der Universitätsgebäude. Die Betriebsform Genossenschaft wurde schnell gefunden, da es beispielsweise mit der Volkswagen Belegschaftsgenossenschaft für regenerative Energien in Emden ein Vorbild für unser Modell gibt. Die Umsetzung erfolgte ‚ruck-zuck‘: Im Mai 2011 wurde die Idee ausformuliert und drei Monate später – im August – fand bereits die Gründung statt. Viele Uni-Angehörige waren Feuer und Flamme für das Projekt, sind Mitglied der Genossenschaft geworden und haben sich direkt beteiligt.“

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blickfeld: „Auch die Umsetzung der ersten Anlagen kam zügig – wie ist das gelungen?“

Dr. Sövegjarto-Wigbers: „Ein Vorteil ist, dass die Universität Bremen ihre Liegenschaften alleine verwalten kann. Deshalb kann sie der Genossenschaft die genutzten Dachflächen zu günstigen Konditionen überlassen. Zudem ist die Universität innerhalb eines Technologieparks eingebettet, was mit einem eigenen lokalen Stromnetz einhergeht. So kann der Strom problemlos in die Campus-Infrastruktur eingespeist und direkt von der Universität verbraucht werden, wodurch wir als Genossenschaft Einnahmen generieren.

Photovoltaikanlage auf dem Dach der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen © UniBremenSOLAR eG

Zu Beginn der Planung wählten Mitarbeiter:innen des Dezernates Technischer Betrieb und Bauangelegenheiten geeignete Uni-Dächer aus. So konnten wir schon 2011 vier Anlagen, zum Beispiel auf dem Dach der Mensa, installieren und in Betrieb nehmen. Die Finanzierung erfolgte einerseits über die Genossenschaftsbeiträge und andererseits über Bankkredite. Letztere konnten zwischenzeitlich von Krediten abgelöst werden, die die Genossenschaftsmitglieder stellen und entsprechend verzinst werden. Grundsätzlich wird auch eine Dividende an alle Mitglieder der Genossenschaft bzw. für ihre Anteile ausgezahlt, was jedoch nur alle zwei Jahre erfolgt. Unseren Mitgliedern ist es wichtiger, ein Projekt zu fördern und so einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.“

blickfeld: „Wie ist die Resonanz vonseiten der Universität und der Gesellschaft?“

Dr. Sövegjarto-Wigbers: „Die Universität ist stolz auf das Projekt, denn es ist ein Alleinstellungsmerkmal für den Standort mit Strahlkraft nach Bremen und darüber hinaus. Viele der 128 Genossenschaftsmitglieder sind engagiert und packen ehrenamtlich mit an, zuletzt bei der Reinigung einiger Anlagen. Zudem ist uns Transparenz wichtig: Unsere Stromproduktion und die so resultierende CO2-Einsparung sind öffentlich einsehbar.“

„Im letzten Jahr konnten wir insgesamt 663 575 kWh Leistung erzeugen“

blickfeld: „Wie viel Energie konnte über die Anlagen der Genossenschaft produziert und wie viel CO2 dadurch vermieden werden?“

Dr. Sövegjarto-Wigbers: „Mit den Solaranlagen haben wir seit Gründung der UniBremenSOLAR eG bis Mitte 2021 5 034 MWh Solarstrom geliefert. Dies entspricht – gemessen an dem durchschnittlichen Strommix in der Bundesrepublik Deutschland – einer Einsparung von ca. 1 973,3 t CO2. Im letzten Jahr konnten wir insgesamt 663 575 kWh Leistung erzeugen, womit unser Planwert von knapp 600 000 kWh deutlich überschritten wurde. Keine Universität in Deutschland hat so viel Solarleistung auf seinen Dächern installiert wie die Universität Bremen.“

blickfeld: „Wie sehen die weiteren Planungen und Ziele der Genossenschaft aus?“

Dr. Sövegjarto-Wigbers: „Wir möchten unser Engagement für die Energiewende weiter ausbauen. So haben wir uns kürzlich an einer Bürgerenergiegenossenschaft und an einer von ihr aufgebauten Windkraftanlage beteiligt. Zudem ist die Errichtung einer weiteren Solaranlage auf dem Campus geplant. Wir möchten mit diesen Schritten mit guten Beispiel vorangehen und Gesellschaft und Politik zu eigenen Initiativen motivieren.“

Das Interview führte Martin Wosnitza. »mw«

Mehr Informationen zur UniBremenSOLAR eG

Umfangreiche Informationen zur UniBremenSOLAR eG – inkl. Daten zu den einzelnen Photovoltaikanlagen – sind abrufbar auf der Webseite der Genossenschaft unter:

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  1. Wer übrigens eine Genossenschaft unterstützen möchte, die in Wuppertal eine große Menge Photovoltaik-Anlagen auf Dächern installiert (und 2–3% Rendite zahlt), wird bei der Bergischen BürgerEnergieGenossenschaft fündig: http://www.bbeg.de

  2. Jetzt müsste nur noch der Bau- & Liegenschaftsbetrieb (BLB NRW) mitspielen und man könnte das Genossenschaftsmodell auch an der Uni Wuppertal einführen, sofern das Rektorat dies unterstützt 🙂 Bis dahin könnten die Uni-News ja Werbung für die bbeg machen, um den Solar-Ausbau zumindest anderswo in Wuppertal voranzutreiben, wenn die Uni sich bei den Neubauten HA und HC am Haspel ja scheinbar nicht durchsetzen zu können/wollen scheint 🤷‍♂️
    Was sagt denn der BLB dazu, es den Hochschulen beim Thema Solardächern nicht so schwer zu machen, sodass das Genossenschaftsmodell auch an anderen Unis Anwendung finden kann?

  3. Wie wäre es mit einem Artikel mit dem Titel „Keine Universität in Deutschland hat so wenig Solarleistung auf seinen Dächern installiert wie die Universität Wuppertal“?

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