Uni-Tüten: Spannung, Spaß und jede Menge Müll?

Lange Schlangen bilden sich im Innenhof der Universitätsbibliothek. Am Campus Grifflenberg laufen Studierende mit Papiertüten rum. In den Cafeterien und Uni-Räumen werden sie gemeinsam mit Freunden ausgepackt. Zwischen Werbeflyern und -broschüren liegen Kugelschreiber, Schreibblöcke, Pflegeprodukte und Kondome. Die Uni-Tüten sind beliebt, gerade wegen den geschenkten (Werbe-)Gimmicks. Doch gibt es eine andere Seite: Überfüllte Mülleimer und Hinterlassenschaften - meist Papierwerbung - auf dem gesamten Campus. Studierende haben sich bei uns beschwert, wir haben nachgehakt - es zumindest versucht.

Foto © Lea Jung

Die bekannteste (wenn auch nicht einzige) Aktion dieser Art ist die Verteilung der UNICUM-Tüte, die laut Auskunft der Universitätsverwaltung zwei Mal im Jahr stattfindet – unter Auflagen, wie eine Uni-Sprecherin erklärt: „Die Aktion ist mit 100 Euro pro Verteiltag gebührenpflichtig. Im Genehmigungsschreiben bzw. der Rechnung werden die Veranstalter darauf hingewiesen, dass der Platz in einem sauberen Zustand verlassen werden muss.“ Dabei habe das zuständige Gebäudedezernat nach solchen Verteilaktionen „eine Vermüllung, über das Maß hinaus, (verglichen mit dem, – Anm. d. Red.) das an anderen Tagen anfällt,“ nicht feststellen können. Auch sei die nächste Verteilung durch UNICUM am 7. November 2019 bereits „bestätigt, berechnet und bezahlt.“ Beschwerden bei der Hochschule habe es dazu bislang keine gegeben.

Universitätsverwaltung und Hochschul-Sozialwerk Wuppertal sind geteilter Meinung

Den Eindruck der Universität kann Matthias Hensche, Leiter der Bereiche Wohnraum-Service und Technik des Hochschul-Sozialwerks (HSW) nicht bestätigen: „Das klappt mal mehr und mal weniger gut, immer sind anschließend unsere Außen-Mülltonnen auf den Terrassen voll bis obenhin und es könnte unter Umständen sogar namhaft sein, das wir für die Firmen den Müll entsorgen. Und ja, unser Mitarbeiter hat an solchen Tagen besonders viel zu tun.“ Für den Außenbereich des Gebäudes ME, in dem etwa die Mensa liegt, ist das Sozialwerk selbst verantwortlich. Um die übrigen Flächen an der Hochschule kümmert sich die Universitätsverwaltung.

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Studierende wünschen sich mehr Nachhaltigkeit beim Thema Uni-Tüten

Kritik kommt auch von Seiten der Studierenden – zum Beispiel von Luise: „Ich denke, die Werbenden müssen endlich verstehen, dass die Flut an Flyern, die unnötig Ressourcen verschwenden, nicht mehr zeitgemäß und angebracht ist. Weiterhin den Drang nach ‚ich muss es haben, obwohl ich es gar nicht brauche‘ zu unterstützen, ist alles andere als nachhaltig. Auch, wenn ich früher die Tüten selber toll fand, habe ich mittlerweile kapiert, dass so etwas absolut nicht mehr geht und mache einen großen Bogen darum.“

Lea kann die Freude der Studierenden über die Tüten verstehen: „Bereits in der Schlange wird gemunkelt, was dieses Mal an Gratis-Produkten in den Tüten sein wird. Über die Frage, was man davon wirklich braucht, wird selten nachgedacht, warum auch, es ist ja umsonst. Alles, was nicht konsumierbar ist, etwa Papierwerbung, wird sofort entsorgt. Den Studierenden kann man, denke ich, kaum einen Vorwurf machen. Vielmehr sollten sich die Schenkenden Gedanken über alternative Möglichkeiten der Werbung machen, die im digitalen Zeitalter sicher en masse zu finden sind.“

Doch nicht alle stellen die Uni-Tüten an sich in Frage. Eine Studentin schreibt uns: „Warum etwas abschaffen, nur weil ein Teil der Leute zu blöd ist, seinen Müll vernünftig zu entsorgen.“ Zudem wird gefordert, dass die Organisatoren solcher Aktionen auf weiter verwendbare Jutebeutel anstelle von Papiertüten setzen. In allen Rückmeldungen wird der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit bei den Uni-Tüten deutlich.

Was sagt UNICUM dazu?

Trotz mehrfacher Nachfrage per E-Mail (jedes Mal mit einer automatischen Empfangsbestätigung) gab es keine Reaktion.

Auf Grundlage der uns vorliegenden Rückmeldungen aus der Wuppertaler Studierendenschaft haben wir UNICUM folgende Fragen gestellt:

  • Welche ökologischen Kriterien stellen Sie an Unternehmen, die sich an der UNICUM-Tütenaktion beteiligen möchten?
  • Gibt es insbesondere Anforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes, beispielsweise in der Art des für die Werbemedien verwendeten Papieres (Blauer Engel Zertifikat o.ä.)?
  • Welche Bedeutung hat (ökologische) Nachhaltigkeit für das Unternehmen UNICUM? Achten Sie – im Rahmen der Tütenaktion – im besonderen Maße bei Ihren eigenen Materialien auf diesen Punkt?
  • Wie viele UNICUM-Tüten werden durchschnittlich in einem Semester in der gesamten Bundesrepublik von Ihnen verteilt und an wie vielen Hochschulstandorten finden solche Aktionen statt?

Was in den nächsten Tüten drin sein wird, ist indes schon bekannt. »mw«

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  1. Dennis Halbach

    Finde es sehr gut, dass ihr die Uni-Tüten kritisch betrachtet und darüber schreibt – bei zu vielen Kommilitonen fehlt mir bisher komplett das Bewusstsein für die Unmengen an Müll, die erzeugt werden. Zudem fragen sich kaum welche, ob sie das wirklich haben möchten bzw. brauchen. Hauptsache, es ist umsonst.

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