Wuppertal – eine Pendler-Uni?

Ist Wuppertal eine Pendler-Uni? Und wie schwerwiegend wäre der Wegfall des Semestertickets (blickfeld berichtete) für die Studierenden? Mit diesen Fragen hat sich die Geographie-Studentin Catja Kremer in einer Hausarbeit beschäftigt. Sie hat das Mobilitätsverhalten der Wuppertaler Studierenden empirisch untersucht. Fast 500 Studierende nahmen an ihrer Befragung teil. In einem Interview erläuterte sie gegenüber der blickfeld-Redaktion ihre Ergebnisse.

Mehrheit der Studierenden fährt derzeit per Bus und Bahn zur Universität und kommt nicht aus Wuppertal

Martin: Hallo Catja, ist die Bergische Universität eine Pendler-Uni?

Catja: Nach meinen Recherchen gibt es für den Begriff „Pendler-Universität“ keine Definition. Dennoch würde ich die Frage klar bejahen, da nach meiner Erhebung nur die Hälfte der Studierenden aus Wuppertal selbst kommt. Laut Angaben der Universität liegt der Anteil gar nur bei einem Drittel (28%). Mit unter anderem Mettmann, Solingen, Köln, Dortmund und dem Ruhrgebiet hat die Bergische Universität ein großes Einzugsgebiet. Aber auch Studierende aus Wuppertal haben weite Wege, wenn sie beispielsweise aus Beyenburg oder anderen, weiter entfernten Stadtteilen Wuppertals zur Uni anreisen müssen.

Martin: Mit welchem Verkehrsmittel kommen die Studierenden zur Uni?

Catja: Fast die Hälfte der Befragten reisen mit der Bahn an und nutzen anschließend – mit den meisten anderen – den Bus. Lediglich 16% fahren mit dem Auto zur Uni. Rund 14% sind zu Fuß unterwegs, da sie direkt in Uninähe wohnen, also beispielsweise im Studierendenwohnheim. Auffällig dabei – die meisten Autofahrer kommen aus Wuppertal selbst. Ergänzend zu meiner Umfrage habe ich auch eine Zählung im Parkhaus vorgenommen. Von 890 PKWs kamen ein Drittel aus Wuppertal.

Martin: Wie haben die Studierenden ihre Wahl begründet?

Catja: Wuppertal ist für Bahnfahrer aus Köln, Düsseldorf und Dortmund gut zu erreichen. Daneben sind es vor allem Kostengründe aber auch das Umweltbewusstsein, welches Studierende mit Bus und Bahn reisen lassen. Das Semesterticket ist die Grundlage dafür. Autofahrer genießen hingegen die damit verbundene Flexibilität, können mal eben zur Universität fahren, um beispielsweise die Bibliothek oder aber eine Sprechstunde zu besuchen, und gaben den Faktor „kurze Fahrzeiten“ an. Gleichzeitig bewerten sie aber die Parkplatzsituation an der Uni als kritisch.

Martin: Du sprichst das Semesterticket an. Du hast auch nachgefragt, welche Konsequenzen die Studierenden daraus ziehen würden, wenn das Ticket tatsächlich wegfallen würde.

Catja: Ein Wegfall würde fast alle betreffen. Viele Pendler hätten Probleme zur Universität zu kommen. Aber auch diejenigen, die vor Ort wohnen, nutzen das Ticket, um zum Beispiel die Eltern besuchen zu fahren oder anderen Verpflichtungen nachzukommen, sei es im Sportverein oder im Beruf.
Rund 15% würden infolge eines Ticket-Wegfalls nach Wuppertal ziehen. Gerade wegen des Tickets sehen viele derzeit davon ab und pendeln vor allem aus Kostengründen. Jeder Vierte würde auf das Auto umsatteln. Sie sehen dies jedoch als die schlechtere Alternative an, gerade aus Umweltaspekten aber auch angesichts der eben erwähnten Parkplatzsituation an der Universität. Der Kauf eines anderen Tickets wird ferner ebenso in Erwägung gezogen wie ein Wechsel der Universität. Letzteres würde heißen, dass die Wahl der Universität durch den Wegfall des Tickets eingeschränkt werden würde. Ein Studierender hat dies sehr bezeichnend mit den folgenden Worten zusammengefasst: „Das Ticket spiegelt die Honorierung der Studierenden wieder, dass sie/er zwar kein Geld besitzt, aber es wichtig ist, ihm Mobilität zu verschaffen, um sich so an einer Universität weiterbilden zu können.“

Martin: Welches Fazit ziehst du aus deinen Erkenntnissen?

Catja: Wuppertal ist eine Pendler-Uni, die ein großes Einzugsgebiet hat und von vielen besucht wird, die nicht hier wohnen und auch aus finanziellen und persönlichen Gründen nicht hier wohnen können. Ein Wegfall des Semestertickets könnte den Anteil an Autofahrern steigern und auch einige Leute dazu bewegen, doch nach Wuppertal zu ziehen. Für viele wäre es eine zusätzliche finanzielle Belastung und für einige womöglich auch ein Grund, das Studium nicht an der Uni Wuppertal fortzusetzen.

Martin: Vielen Dank für das Interview. »mw«

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  1. teressa tolstoi

    Wohnort Anzahl Rel.
    Wuppertal 5450 27.08%
    Mettmann 1482 7.36%
    Düsseldorf 1174 5.83%
    Köln 1093 5.43%
    Solingen 1010 5.02%
    Remscheid 834 4.14%
    Ennepe-Ruhr-Kreis 755 3.75%
    Neuss 666 3.31%
    Rheinisch-Berg.-Kreis 563 2.79%
    Essen 417 2.07%
    Leverkusen 380 1.88%
    Sonstige 6295 31.28%
    Summe 20119 100.00%
    Quelle:
    Uni-Statistik, Datenstand: 25.11.2014 Wintersemester 14/15
    https://bscw.verwaltung.uni-wuppertal.de/pub/bscw.cgi/d5252593-3/*/*/*/a_region/a_region.html

  2. teressa tolstoi

    Datenstand: 15.11.2006 Wintersemester 06/07 (a.a.O)

    Wohnort Anzahl Rel.
    Wuppertal 4765 34.88%
    Mettmann 1210 8.85%
    Düsseldorf 971 7.10%
    Solingen 753 5.51%
    Köln 667 4.88%
    Remscheid 608 4.45%
    Ennepe-Ruhr-Kreis 567 4.15%
    Rheinisch-Berg.-Kreis 382 2.79%
    Neuss 359 2.62%
    Hagen 275 2.01%
    Oberbergischer Kreis 259 1.89%
    Sonstige 2843 20.81%
    Summe 13659 100.00%

  3. teressa tolstoi

    Wohnort Anzahl Rel,
    Wuppertal +685 – 8
    Mettmann +272 – 1
    Düsseldorf +203 – 1
    Köln +426 +1
    Solingen +257 – 0
    Remscheid +226 – 0
    Ennepe-Ruhr-Kreis +188 – 0
    Neuss +307 +1
    Rheinisch-Berg.-Kreis +181 +0

    Sonstige +3.452 +10
    Summe +6.460 +0

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