Drei Wochen im Herzen der Demokratie

Wer studiert, absolviert nach Möglichkeit viele Praktika. Für angehende LehrerInnen sind sie Pflicht und finden ihren Abschluss im großen „Praxissemester“. Andere Studierende, die vielleicht noch nicht wissen, was sie nach dem Studium machen wollen, bieten Praktika gute Möglichkeiten zur Orientierung. blickfeld-Redakteurin Vanessa Frantzen ist für die nächsten drei Wochen nach Berlin gereist. Ihr Praktikumsort: der Deutsche Bundestag. Im Herzen unserer Demokratie begleitet sie den direkt gewählten Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer aus dem Kreis Viersen. Ihre persönlichen Eindrücke fasst sie wöchentlich für uns zusammen:

Wuppertaler Studentin absolviert Praktikum im Berliner Bundestag

Ich studiere seit vier Semestern Germanistik und Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal. Momentan habe ich die Chance, Erfahrungen im politischen Alltag des Bundestages zu sammeln. Ermöglicht wird mir das Praktikum von Uwe Schummer, dem direkt gewählten Abgeordneten im Kreis Viersen. Es ist das erste Praktikum während meines Studiums. Warum gerade im Deutschen Bundestag? Pressearbeit und öffentliche Kommunikation spielen in der Politik eine wichtige Rolle. Erste Erfahrungen auf diesem Feld passen zu meinem späteren Berufswunsch: Ich will im Journalismus-, Verlags- oder allgemein im Öffentlichkeitsbereich arbeiten. Gerade der Bundestag, der im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit steht, eignet sich bestens für erste Erfahrungen. Die Idee, dort ein Praktikum zu absolvieren, ist mir bereits nach meinem Abitur gekommen. Schon nach meinem zweiten Semester habe ich mich dafür beworben und nach ein bisschen Wartezeit einen Platz erhalten.

Sommerpause: Der politische Betrieb nimmt Fahrt auf

Die Reichstagskuppel © vf

Meine erste Woche im Bundestag startet nach der Sommerpause. Schon an meinem ersten Tag begleitete ich Uwe Schummer in einer Bund-Länder-Klausurtagung. Das Thema: Menschen mit Behinderung und das Bundesteilhabegesetz. Meine Aufgabe bestand darin, die Inhalte der Tagung zu dokumentieren und einen Vermerk zu verfassen. Besonders aufschlussreich war es, die Entwicklungen der Integration von Menschen in den unterschiedlichen Bundesländern nachvollziehen zu können. In unserer Gesellschaft stellt es ein wichtiges und emotionales Thema dar und muss somit mehr Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit erhalten. Bereits während meines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in einer heilpädagogischen Kindertagesstätte habe ich gemerkt, dass das richtige Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderung für viele Leute schwer ist.
Am folgenden Tag nahm ich an einer Arbeitsgruppe über Bildung und Forschung teil sowie an einem Fachgespräch über medizinische Themen, wie beispielsweise das Arzneimittelgesetz, Patientenverfügungen oder die rechtliche Lage von Patienten, welche nicht einwilligungsfähig sind. Es ist sehr interessant, die Diskussionen über bestehende Gesetze oder erwünschte Gesetzesänderungen zu verfolgen. Unterthemen waren zum Beispiel die Antibiotikaresistenzen sowie die multiresistenten Keime, welche in den Krankenhäusern oftmals zu Todesfällen führen. Auch hier ist es meiner Meinung nach wichtig, diesem Themenfeld mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen: Die Sterberaten und Prognosen waren für mich erschreckend hoch.
Wer den parlamentarischen Alltag kennt, weiß auch, dass Abgeordnete oft Besuchergruppen empfangen. So war ich dabei, als Uwe Schummer eine Führung mit SchülerInnen aus der Heimat machte. Meine Aufgabe war es, Fotos zu machen, Flyer zu verteilen und die Gruppe beisammen zu halten sowie diese wieder von der Reichstagskuppel zurückzuführen.

Mein Fazit der ersten Woche

Eingangsbereich des Bundestages © vf

Es weiß wohl jeder, dass man als Praktikant manchmal auch typische Praktikantenaufgaben wie scannen, kopieren oder einkaufen erledigen muss. So gehören sie auch für mich dazu. Dennoch wurde während meiner ersten Woche stets versucht, den politischen Alltag durch Besuche von Fraktionssitzungen, kleinen Aufträgen sowie der dazugehörigen Büroarbeit näher zu bringen. Der Bundestag an sich ist ein riesiges Gebäude, in welchem man die ersten Tage erst einmal die Orientierung verliert, dennoch gefällt es mir hier sehr gut. Neben dem Bundestag befinden sich direkt der Reichstag und auch das Brandenburger Tor. Auch der Hauptbahnhof liegt im Umkreis. Der Weg zur Arbeit an der Spree und den vielen Touristengruppen entlang ist schon beeindruckend. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ich in den nächsten zwei Wochen noch machen darf. »vf«

Titelbild: blickfeld-Redakteurin Vanessa absolviert ein Praktikum im Berliner Politikbetrieb © vf

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