Seit Sommer 2024 bietet der Wendepunkt Krisendienst Wuppertal eine Mailberatung an. Ab August erweitert er sein digitales Angebot um persönliche Einzelchats und thematische Gruppenchats. Das Wuppertaler Projekt wird für zwei Jahre von der GlücksSpirale finanziert.
„Der digitale Chat ersetzt die klassischen Hilfsangebote vor Ort nicht, sondern dient als erste, unkomplizierte Verbindung zum Hilfesystem“, sagt Jens Hochkirch, der Koordinator der Onlineberatung des Krisendienstes. Für manche Menschen seien persönliche oder telefonische Beratungen eine große Hürde. „Wir kombinieren digitale und analoge Kommunikationswege systematisch“, erklärt Hochkirch. Dieses Konzept, in der Fachwelt als Blended Counseling bekannt, gleiche die Schwächen eines einzelnen Formats durch die Stärken des anderen aus und passe sich flexibel den Bedürfnissen der Ratsuchenden an. „Wir möchten Menschen einladen, uns noch früher in ihrer Problementwicklung zu kontaktieren, bevor Krisen eskalieren oder chronisch werden“, erklärt Jens Hochkirch.
Monatliche Chatgruppen mit fachlichem Impuls und Austausch
Die Chatberatung biete zahlreiche Vorteile, da sie die Menschen in ihrer vertrauten digitalen Lebenswelt abhole. Ein zentraler Pluspunkt sei die schützende Anonymität des digitalen Formats, das es Ratsuchenden erleichtere, schambesetzte oder tabuisierte Themen offen anzusprechen. Der Chat diene vielen Menschen als erste, unkomplizierte Kontaktbrücke zum Hilfesystem. Bei Bedarf könnten Ratsuchende durch diese Verbindung später leichter den Mut finden, auch die Beratungseinrichtung vor Ort aufzusuchen. Die Beratung erfolgt durch psychosoziale Fachkräfte.
Neben dieser Einzelberatung startet der Krisendienst monatliche Chatgruppen zu Themen, die viele Menschen beschäftigen. Geplant sind unter anderem Gruppen zu
- „Schlaf – Umgang mit Schlafstörungen“,
- „Immer noch kein Therapieplatz – was nun?“,
- „Einsamkeit“,
- „Stress – verstehen und bewältigen“,
- „Mentally cooked & Schwermut“ sowie
- „Grübeln & Sorgen“.
Die Gruppen sollen kurze fachliche Impulse mit einem moderierten Austausch verbinden. Sie richten sich an Menschen, die sich informieren und neue Strategien kennenlernen wollen. Dabei stehe die Stärkung der eigenen Ressourcen und die Förderung psychischer Gesundheit im Vordergrund.
Frühzeitige Unterstützung gegen Verschärfung der Situation
Der Wuppertaler Krisendienst verfolge mit dem neuen Angebot einen präventiven Ansatz. Viele psychische Krisen würden sich schleichend entwickeln. Wer frühzeitig Unterstützung erhalte, könne Belastungen häufig besser bewältigen und einer Verschärfung der Situation entgegenwirken.
Mit der Chatberatung erweitert der Krisendienst sein bestehendes Angebot und reagiert auf veränderte Kommunikationsgewohnheiten. Insbesondere jüngere Menschen, Berufstätige oder Personen mit Berührungsängsten gegenüber klassischen Beratungsangeboten sollen dadurch leichter erreicht werden. »red«

