„Ihh, Würmer!“ – Wir haben den Insektenburger probiert

Akzenta Wuppertal bietet seit Oktober 2018 den Insektenburger der Bugfoundation an

Heuschrecken und Mehlwürmer konnten Wuppertaler Studierende bereits beim 3. Streetfood Wuppertal @ Campus-Festival ausprobieren. Was auf den Teller kam, war auch deutlich erkennbar. Wer die Chance damals verstreichen ließ, kann dies nun nachholen: Seit Oktober bietet die Wuppertaler Supermarktkette Akzenta Insektenburger der Bugfoundation an. Diese gibt es in zwei Varianten: als übliche Burger-Patties (2 x 98g) und als Mini-Variante (6 x 29g) für rund 6 Euro. Der Hersteller, die Bugfoundation, verspricht eine Herstellung „aus Buffalowürmern, artgerecht gezüchtet, ohne Einsatz von Antibiotika“, die „reich an nachhaltigem Protein und ungesättigten Fettsäuren“ sind, „100% frei von künstlichen Zusatzstoffen“ und eine Produktion, nachhaltig mit „bis zu 100 Mal weniger Treibhausgas-Emissionen und zehn Mal weniger Futtermittel“, als bei der Herstellung von Rindfleisch. Hört sich erst einmal gut an, doch schmeckt es auch? blickfeld hat den neuen Burger mit vier TesterInnen probiert.

Würmer sind in den Insekten-Patties nicht erkennbar © mw

Kein Platz für Insekten auf dem Speiseplan?

Zugegeben, vier „Mutige“ zu finden, war gar nicht so einfach. Bei unserer Suche schlug uns häufig der Ekel entgegen. „Ihh, Würmer!“, hieß es da oft. Doch der Blick in die weite Welt zeigt: In „Asien, Lateinamerika und Afrika ist der Verzehr von Insekten längst üblich“, wie u.a. die Verbraucherzentrale Hamburg schreibt. Anfang des Jahres wurde der Verkauf auch in der Europäischen Union gesetzlich geregelt und erlaubt. In puncto Verzehr sollten Allergiker aufpassen, wie die Stiftung Warentest schreibt: „Wer eine Allergie gegen Hausstaubmilben oder Schalen- und Krustentiere hat, könnte auch eine Kreuzal­lergie gegen Insekten entwickeln.“

Am Ende saßen die beiden blickfeld-Redakteure Sarah und Martin zusammen mit Sarahs Mitbewohnerin Svenja und Martins Kumpel Christian am Esstisch. Dazu sechs Insekten-Patties und alles, was zu einem Burger dazugehört.

Insekten-Burger braten sich wie normale Rindfleisch-Patties

Zwiebeln, Tomaten und Co. geschnibbelt, ein paar Soßen auf den Tisch gestellt, Öl in die Pfanne gegossen und die Patties reingeworfen: Die Zubereitung läuft nicht anders als beim üblichen Rindfleisch-Burger-Essen. Wichtig dabei: alles gut durchbraten!

Links noch gefroren, rechts bereits durchgebraten © mw

Danach baute sich jedeR TestesserIn seinen Burger zusammen.

Wie schmecken die Insektenburger?

Das Ergebnis hat alle vier TestesserInnen überzeugt:

  • Sarah: „Wiederholungsbedarf! Schmeckt wie eine würzige Frikadelle und ist eine super Alternative für diejenigen, die umweltbewusst auf Fleisch aus der Massentierhaltung verzichten wollen, aber dennoch Lust auf einen saftigen Burger haben.“
  • Christian: „Es ist tatsächlich eine geschmackliche Alternative zu Sojaprodukten. Eine genauere Betrachtung verdient der damit eröffnete Markt, der offenbar seinen Schwerpunkt auf ethische und erst danach auf marktwirtschaftliche Prinzipien legt.“
  • Svenja: „Super lecker! Würde ich auf jeden Fall noch mal essen und sehe es als eine gute, antibiotikafreie Fleischvariante.“
  • Martin: „Schmeckt sehr würzig und hat, wenn scharf angebraten, auch den richtigen Biss. Für mich ein leckerer Hybride aus Veggie- und Fleischburger – nur der Preis ist happig.“
Insektenburger in verschiedenen Variationen © mw

Der Hersteller selbst beschreibt den Geschmack folgendermaßen: „Durch den Buffalowurm erhält der Burger Bratling eine charakteristische, nussige Note. Der Geschmack ähnelt Sonnenblumenkernen, Erdnüssen und wird auch gerne mit Falafel verglichen.“ Doch welcher Wurm steckt eigentlich drin? In einer kritischen Auseinandersetzung mit der Zutatenliste zeigt die Stiftung Warentest, dass es sich beim Bestandteil „Buffalowürmer Alphitobius Diaperinus“ um den „glänzend­schwarzen Getreideschimmelkäfer“ handelt: „Buffalowürmer sind die Larven dieses Käfers.“ Von dem ist jedoch gar nicht so viel drin, wie man erwarten mag: „45% rehydriertes Buffalowurm-Sojaprotein (60% Buffalowürmer Alphitobius Diaperinus, 40% Sojaproteinkonzentrat)“ stehen auf der Verpackung neben weiteren Bestandteilen wie Rapsöl, Tomatenmark und Eiklar – letzteres laut Hersteller aus Freilandhaltung.

Ernährung: Insekten auf dem Vormarsch?

Wie sieht es insgesamt mit Insekten auf dem (zukünftigen) Speiseplan aus? Laut eines Interviews der Stiftung Warentest mit der Ernährungs­wissenschaft­lerin Dr. Christina Hartmann sei ein Groß­teil der Bevölkerung eher abge­neigt, Insekten zu essen. „In unserem Kultur­kreis werden wir in das Fleisch­essen ‚hinein­sozialisiert'“, was laut Hartmann der entscheidende Faktor sei: „Die Fähig­keit, sich zu ekeln, ist angeboren. Die Auslöser sind jedoch kulturell anerzogen.“

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Was sagt die ökologische Perspektive zum Verzehr von Insekten? Im Fleischatlas 2018, ein Kooperationsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Le Monde Diplomatique, heißt es in einem Beitrag: „Für den menschlichen Verzehr oder als Futtermittel in der Tierzucht – beim Einsatz von Insekten ist die Ökobilanz günstig.“ Massentierhaltung sei kein Problem und „während Rinder rund acht Kilogramm benötigen, um ein Kilogramm Fleisch aufzubauen, Schweine etwa fünf Kilogramm, reichen den Insekten dafür durchschnittlich zwei Kilogramm Futter.“ Ähnlich sei es auch in puncto Wasser- und Platzbedarf, sowie CO2-Emissionen (vgl. Grafik der Verbraucherzentrale Hamburg). Insekten statt Rind, Schwein und Huhn lohne sich aus Sicht des Klimaschutzes, denn „ein Fünftel weniger Fleisch würde so viel weniger Klimagase bedeuten wie die Stilllegung des Braunkohlekraftwerks Weisweiler, des viertgrößten deutschen CO2-Emittenten.“

Doch neben dem ökologischen Diskurs bleibt die Frage „Werden wir bald alle Insekten ohne Ekel essen?“ Dr. Christina Hartmann glaubt das nicht: „Sicherlich ist es für Abenteuerlustige ein attraktives Lebens­mittel, auch weil sie die Idee dahinter gut finden. In absehbarer Zeit werden Insekten vermutlich nicht auf dem Teller von Herr und Frau Müller landen.“

Unsere vier TesterInnen plädieren hingegen für die Abenteuerlust und das Probieren des Insektenburgers. »mw«

Weitere Informationen zum Insekten-Burger und Insekten als Nahrungsmittel

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