Von Jogginghosen und Motivationsproblemen

Hausarbeiten schreiben im Uni@Home-Modus
Gastartikel von Dr. Katrin Maslona und Dr. Kerstin Runschke

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ In Zeiten, in denen man unter Umständen abends schon mal leicht betreten feststellt, dass man nicht nur vergessen hat zu duschen, sondern es sogar nicht einmal geschafft hat, den Pyjama durch die Jogginghose zu ersetzen, hätte Karl Lagerfeld dieses Zitat vielleicht noch einmal grundlegend überdacht und sich selbst bei einem Zoom-Meeting mit seinen Mitarbeiter/-innen im Atelier mit entsprechender Beinbekleidung ertappt.

COVID-19 verlangt bekanntlich mehr oder weniger allen Menschen momentan so Einiges ab und während man gemeinhin annehmen sollte, dass gerade Hausarbeiten durch die nun eingetretende zwangsweise Entschleunigung im Leben sich praktisch wie von selbst schreiben, stellt sich nun nicht selten heraus, dass es trotzdem auf einmal noch tausend und einen Grund gibt, sich doch nicht an den Schreibtisch zu begeben: Die neuen Mitbewohner sind den ganzen Tag entschieden zu laut, das Thema wirkte vor drei Wochen noch weitaus interessanter und ertragreicher und die neue Netflix-Serie muss für das eigene Wohlbefinden nun doch erstmal in einem Schwung zu Ende geschaut werden.

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Eine der großen Herausforderungen der Corona-Zeit ist, dass einem der Tag praktisch keinerlei Strukuren mehr vorgibt und das wirkt sich nicht zuletzt oft auch auf die Studienleistungen aus. Das haben wir bei unseren (Zoom-)Beratungen im wort.ort, der Schreibwerkstatt der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften, in den letzten Monaten oft festgestellt. Um euch wieder voller Elan an den Schreibtisch zu bringen, können ein, zwei simple, aber effektive Schreibtipps helfen:

Stundenplan erstellen

Es mag sich fast ein bisschen zu einfach anhören, aber erinnert ihr euch daran, wie viel Spaß es damals zu Schulzeiten gemacht hat, einen neuen bunten Stundenplan vor sich auf dem Tisch liegen zu haben und diesen dann voller Tatendrang auszufüllen? Mit einer ganz ähnlichen Methode – inklusive eines motivierenden Belohnungssystems – könnt ihr euer Schreibprojekt auf sehr effiziente Weise planen.

wort.ort – die Schreibwerkstatt der FK 1

Die Schreibwerkstatt der FK 1 bietet Studierenden ein ganzjähriges, individuelles Beratungsangebot rund um das wissenschaftliche Schreiben. Aktuell ist das Büro noch im wort.ort@Home-Modus. Ihr könnt euch aber unproblematisch einen Zoom-Beratungstermin reservieren. Alle Infos findet ihr unter: www.wortort.uni-wuppertal.de.

Habt keine Angst vorm leeren Blatt – ihr müsst zuerst einfach nur einen schönen Stundenplan aufmalen, der sowohl alle Wochentage als auch alle für euch wichtigen Tageszeiten enthält. Jetzt geht es darum, euch und eure Arbeits- und Freizeitgewohnheiten realistisch einzuschätzen, und (möglichst farbenfroh) einzutragen. Nehmen wir einen typischen Montag. Hier könnte auf dem Plan stehen: „8:00 bis 9:00 Kaffeezeit“, „9:00 bis 10:00 E-Mails, Insta und Co.“, „10:00 bis 13:00 Hausarbeit schreiben“, „13:00 bis 14:00 Essen und Netflix“, „14:00 bis 17:00 Hausarbeit schreiben“, „17:00 bis 18:00 Irgendwie bewegen“, „18:00 bis …. FREIZEIT!“. Für ein erfolgreiches Schreibprojekt empfehlen wir euch, diesen Stundenplan wie einen Arbeitsvertrag mit euch selbst zu betrachten, für dessen Erfüllung ihr am Ende nicht mit Geld, sondern mit Freizeit belohnt werdet – zum Beispiel immer am Wochenende. So ein Modell kann aber nur funktionieren, wenn man sich sehr ehrlich und reflektiert mit all seinen Lebensgewohnheiten und liebgewonnenen Zeifressern auseinandersetzt.

Euer Schreibkonto © wort.ort

Schreibguthaben-Konto anlegen

Damit euch die tägliche Schreibzeit nicht von vornherein erschlägt und demotiviert, gibt es dazu noch einen weiteren praktischen Tipp frei nach Springhorn und Wenzel (2019), der das Schreiben spielerisch in sehr überschaubare Schreibhäppchen zerlegt. Ein zweiter leerer Zettel dient euch als Schreibkonto, auf dem ihr im Laufe der Zeit Guthaben ansammelt: Jedes Mal, wenn man es geschafft hat, volle einhundert Wörter zu schreiben, darf man sich ein leeres Kästchen auf sein Konto zeichnen. Auf diese Weise wird Schreibguthaben generiert. Schafft ihr es beispielsweise, an besagtem Montag 320 Wörter zu schreiben, könnt ihr euch drei Kästchen aufmalen. Sollten es doch ein bis zwei Folgen mehr als geplant bei Netflix gewesen sein und ihr habt nur 110 Wörter geschafft, wandert nur ein Belohnungskästchen aufs Konto. Jeden einzelnen Tag – egal, ob ihr schreibt oder nicht – müsst ihr nun eins der freien Kästchen abhaken. Sollte es an einem Tag kein freies Kästchen mehr geben, wisst ihr, dass ihr an diesem Tag auf jeden Fall mindestens einhundert Wörter schreiben müsst. Kurzum: Je mehr freie Kästchen ihr im Laufe der Tage ansammelt, desto eher könnt ihr euch auch mal einen komplett freien Tag gönnen, da man noch vorhandene leere Kästchen dafür aufbrauchen könnte. Wir haben das für euch einmal am Beispiel einer durchschnittlichen Hausarbeit ausgerechnet: Geht man davon aus, dass eine Hausarbeit aus zwölf Seiten zu je 300 Wörtern pro Seite besteht, ergibt das eine Gesamtwortzahl von 3600 Wörtern. Wenn man es nun schafft, jeden einzelnen Wochentag nur einhundert Wörter zu schreiben, würde die reine Schreibzeit dieser Arbeit sich auf etwas mehr als fünf Wochen belaufen. Dabei gilt es natürlich zu bedenken, dass zum Beispiel die sechsstündige Arbeitsphase bei unserem Montagsbeispiel – neben dem Schreiben – auch noch Spielraum für Recherche, Überarbeiten und Co. beinhaltet. Gute Schreibtage, an denen ihr vielleicht 400 Wörter oder mehr notiert, reduzieren euer Stresslevel und verschaffen euch entweder eine Verkürzung der fünfwöchigen Gesamtschreibzeit oder aber mehr frei verfügbare Tage innerhalb dieser fünf Wochen. Eure Belohnung, frei nach Karl Lagerfeld: „Stress? Das kenne ich nicht! Ich kenne nur Strass!“ »wort.ort«

Über unsere Gastautorinnen Dr. Katrin Maslona und Dr. Kerstin Runschke

Dr. Katrin Maslona (l.) und Dr. Kerstin Runschke (r.) sind seit 2012 verantwortliche wissenschaftliche Projektmitarbeiterinnen der Schreibwerkstatt der Fakultät 1. Auch sie haben in letzter Zeit im Homeoffice so ihre Höhen und Tiefen erlebt und freuen sich darauf, bald wieder mit dem Schreibwerkstatt-Team vor Ort zu sein.

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