Abschluss – und dann? Studium und Job: ein Balanceakt

Seminare, Prüfungen, Hausarbeiten und dann die abschließende Thesis. Hat man sich erst einmal für ein Studium entschieden, ist der Weg eigentlich klar. Nur wie geht es weiter, wenn die letzte Klausur geschrieben ist, alle Noten eingetragen sind und man ratlos mit dem Zeugnis in der Hand die Universität verlässt? Dann beginnt für die einen die Suche nach der geeigneten Stelle und für die anderen, für die Glücklichen, die diese bereits gefunden haben, das Arbeitsleben. Wir haben mit Absolventinnen und Absolventen der Bergischen Universität gesprochen und berichten in der Reihe »Abschluss - und dann?« von ihrem Weg durch das Studium bis in die Arbeitswelt.

Kevin Hielscher am Set von "Wer wird Millionär"? © Kevin Hielscher

Die Studienfächer Germanistik und Anglistik deuten an der Wuppertaler Universität nicht selten auf ein Lehramtsstudium hin. Als Kevin Hielscher (30) sich 2011 nach dem Abi für diese Fächerkombination entschied, hatte er aber gar kein Berufsziel vor Augen. In erster Linie folgte er seiner Affinität zur Sprache. Obwohl ihm immer wieder von verschiedenen Seiten eine Laufbahn in der Schule nahegelegt wurde, zog es Kevin in eine andere Richtung: „Für mich war immer klar, dass ich einen Job möchte, bei dem ich schreiben kann.“

Arbeit neben dem Studium

2015 ermöglichte ein Nebenjob in der WDR Lokalzeit Bergisches Land Kevin erste Einblicke in das redaktionelle Arbeiten. Als ihm zwei Jahre später eine Stelle an der Universität angeboten wird, tat sich ein Scheideweg auf – eine Karriere an der Uni oder doch im Medienbereich? Leicht fiel ihm die Wahl nicht, aber letztendlich entschied er sich gegen die Universität und begann stattdessen als studentische Hilfskraft bei der Mediengruppe RTL Deutschland zu arbeiten. „Hier durfte ich mehrere Stationen durchlaufen, bis ich dann meine Nische gefunden habe.“

Begonnen hat die Reise im Content-Service. Hier bestand ein großer Teil der Aufgaben darin, Material für unterschiedliche Sparten zu sichten. Rückblickend war diese Stelle ein echter Glücksgriff: „Da saß ich dann in den meisten Redaktionssitzungen und konnte mich im ganzen Haus vernetzen. Auf diesem Weg habe ich viele Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen kennengelernt.“ Von da aus begann für Kevin eine kleine Tour durch die verschiedenen Redaktionen.

Der Nebenjob – die Möglichkeit sich auszuprobieren

Da ihn vor allem die Sport-Redaktion interessierte, bewarb sich Kevin, nach einem Zwischenstopp bei den VOX-Nachrichten, schließlich dort auf ein Praktikum – und wurde abgelehnt. Trotzdem traf er sich mit dem Ressortleiter auf einen Kaffee und durfte anschließend in besagter Redaktion für drei Tage zur Probe arbeiten. Eine Chance, aus der eine Stelle als Sendeassistent beim NTV-Sport resultierte. Hier konnte Kevin seine redaktionellen Kenntnisse weiter ausbauen: „Ich war dann zum ersten Mal unter anderem richtig als Redakteur unterwegs und hab kleinere Beiträge produziert.“ Doch in dieser Zeit kamen auch Zweifel auf, ob dies die richtige Stelle für ihn sei. Die doppelte Belastung von Job und Studium war groß: Auf lange Schichtdienste, teilweise bis sieben Uhr morgens, folgten Präsenzseminare um zehn Uhr an der Uni. Also entschied er sich, seine Möglichkeiten weiter auszuloten: „Von dort aus habe ich weiter geschaut, welche Nischen es noch gibt und auch, wo welche Volontariate angeboten werden.“

Nach einem dreimonatigen Praktikum, um sich vorab ein Bild zu machen, war klar: Das Volontariat in der Pressestelle im Bereich Information und Sport ist der perfekte Ort. Bestärkt in seiner Entscheidung wurde er auch von seinem damaligen Chef in der Sport-Redaktion, der erklärte, dass die Karriere durch ein Volontariat professionalisiert werde. Dieser Schritt sei zwar nicht zwingend notwendig, um journalistisch zu arbeiten und beispielsweise zum Redakteur aufzusteigen, aber es sei, so Kevin, der klassische Weg. Im Nachhinein erklärt Kevin, habe er davon profitiert, dass die Mediengruppe RTL ein so großes und transparentes Haus sei.

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Was passiert in der Kommunikationsstelle?

Sein jetziges Aufgabenfeld ist vielfältig und schwer einzugrenzen. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass selbst meine Eltern gar nicht so genau wissen, was ich so mache“, erklärt Kevin. Im Allgemeinen handelt es sich bei der Kommunikationsstelle um ein Team aus Unternehmenssprechern, die die Inhalte der Mediengruppe nach außen vertreten. Konkret bedeutet das: Pressemitteilungen verfassen, als Ansprechpartner für Journalisten da sein, die Krisenkommunikation bewältigen und ganz normale PR-Arbeit, wie beispielsweise die Betreuung der Social-Media Kanäle. Die große Vielfalt der Aufgaben ist es, die für Kevin den Spaß in der Arbeit ausmacht: „An einem Tag schreibst du Pressemitteilungen, am nächsten nimmst du einen Podcast auf und dann hast du wieder Social-Media Dienst. Man hangelt sich so ein bisschen von Projekt zu Projekt.“

Und das Studium?

Obwohl das Studium vergleichsweise kurz kam, war Kevin immer gerne an der Universität. Vor allem die Flexibilität, mit der man seine Schwerpunkte wählen kann und die Freiheit, mit welchen Themen man sich beschäftigen möchte, sind ihm in genauso guter Erinnerung geblieben, wie die Kontakte, die er knüpfen konnte. Auch an die Veranstaltungen der Anglistik bei Prof. Dr. Sommer, denkt Kevin gern zurück. Der wissenschaftliche Ansatz, der dort immer im Vordergrund stand und gut erklärt wurde, war für ihn ein sehr positiver Aspekt. Trotz seines Interesses an den Studienfächern, standen die praktischen Erfahrungen immer im Vordergrund: „Ich habe mich eher aktiv auf mein Berufswunsch vorbereitet und nebenbei studiert.“

Kevins Rat an alle, die gerade am Beginn ihres Studiums sind? Sich die Nebenjobs strategisch zu suchen und so zu wählen, dass man die Möglichkeit hat, sich auszuprobieren. Für ihn waren Interesse und Spaß an den Studieninhalten wichtiger als gradlinig auf einen Berufswunsch hinzustudieren: „Es ist nicht schlimm, um des Studierens willen zu studieren.“ »wm«

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