blickfeld im Gespräch mit Fritz Berger

Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal

Wosnitza: Die Mehrheit des vor kurzem gewählten Studierendenparlaments und der daraus hervorkommende neue Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) setzen sich verstärkt für die Einführung einer multifunktionalen UniCard ein: welche Position vertritt das Hochschul- Sozialwerk in diesem Kontext?

Berger: Die Thematik der UniCard beschäftigte uns bereits Mitte der 90er Jahre. Damals hat die Universitätsverwaltung dem Projekt ihrerseits eine Absage erteilt. Daraufhin haben wir als Hochschul-Sozialwerk eine Einführung in Eigenregie geprüft, im Rahmen einer Mensacard, wie sie auch von anderen Studentenwerken angeboten wird. Diese Planung wurde aber von unserem Verwaltungsrat abgelehnt. Auch weil es datenschutztechnische Bedenken seitens der studentischen Vertreterinnen und Vertreter gab.

Im Rahmen der Mensasanierung 2005 kam die Thematik erneut auf die Tagesordnung. Doch die eingeholten Angebote waren zu teuer, um sie als Hochschul-Sozialwerk alleine zu stemmen. Wir haben dann allerdings die bis dahin üblichen Bonmarken abgeschafft und das bargeldlose Zahlen per Geldkarte eingeführt, welches von fünf bis zehn Prozent der Kundinnen und Kunden wahrgenommen wird.

Grundsätzlich kann man jedoch festhalten, dass wir als Hochschul-Sozialwerk generell Interesse an der Einführung eines modernen Kartensystems hätten und uns an einer entsprechenden Initiative der Hochschulverwaltung beteiligen würden. Auch die Übernahme von bestimmten Aufgaben in der Verwaltung der UniCard könnte durch das HSW erfolgen. Ohne eine Beteiligung der Hochschulverwaltung sehen wir jedoch keine Möglichkeit einer Einführung.

Wosnitza: Doppelter Abiturjahrgang, Wegfall der Wehrpflicht – wie begegnet das HSW dieser Herausforderung?

Berger: Derartige Entwicklungen kommen nicht von heute auf morgen, sondern sind Teil von langfristigen Planungen und Ausrichtungen. Im Bereich des Wohnens haben wir in den letzten Jahren die „Neue Burse“ und die Wohnheime an der „Albert-Einstein-Straße 4 – 12“, der „Max-Horkheimer-str. 167/169“ sowie zuletzt an der „Cronenberger Str. 256“ grundlegend modernisiert. Ferner bauen wir gerade „Im Ostersiepen“ 84 zusätzliche Wohneinheiten. Dabei sahen wir uns gerade finanziell einer besonderen Herausforderung ausgesetzt. Trotz zahlreicher Gespräche seitens der NRW-Studentenwerke mit dem Land, speziell dem Wissenschaftsministerium, wurde die öffentliche Förderung zum Bau neuer Wohnheime weitgehend eingestellt. Alternativen in Form von Zinsvergünstigungen waren durch damit verbundene bürokratische Strukturen in ihrer Wahrnehmung stark erschwert und brachten so keinen Effekt. Das Land argumentierte zudem mit der kritischen haushaltspolitischen Lage und dem mangelnden Bedarf einer Wohnheim-Förderung. Letzteres mag durchaus für einige universitäre Standorte zutreffen. An einer ganzen Reihe von Hochschulen gab es jedoch Bedarf, deshalb hätte man die Förderung gerade in Anbetracht der Doppeljahrgänge aufrechterhalten müssen.

Stattdessen bleibt nun nur eine Förderung über den sozialen Wohnungsbau, welche wiederum beim Bauministerium NRW über die Stadt Wuppertal abzurufen ist. Das damit einhergehende, zinsniedrige Darlehen deckt jedoch kaum 50% der für den Bau am Ostersiepen aufzubringenden Summe, die bei ca. 6,5 Millionen Euro veranschlagt ist. Neben einer weiteren Förderung durch die kfw investieren wir einen hohen Teil an Eigenmitteln in diese Baumaßnahmen. Neben einer guten Wohnqualität sind wir auch bestrebt, im energetischen Bereich hohe Standards zu erfüllen. Ferner müssen die Wohnheime so ausgelegt werden, dass sie später mit einem geringen Mittelaufwand auch in behindertengerechte Alten- und Seniorenwohnungen umgebaut werden könnten. Es wäre zwar wünschenswert gewesen, mehr Wohneinheiten zu errichten, jedoch fehlen neben einer guten Förderung auch entsprechende Grundstücke zur Bebauung.

Neben dem Ausbau des eigenen Wohnangebots versuchen wir auch stärker an private Vermieterinnen und Vermieter heranzutreten und als Vermittler zwischen diesen und den kommenden Studentinnen und Studenten zu agieren. Neben einer Beratung unsererseits versuchen wir zudem die Kostendimension für künftige studentische Mieter zu ihren Gunsten zu beeinflussen, in dem wir den Mietern erklären, welche Mieten für den studentischen Geldbeutel erträglich sind und welche nicht.

Ferner werden wir selbst im Rahmen der Wohnheimverwaltung strenger mit Anträgen zur Mietverlängerung umgehen. Wo früher bereits ein beanstandungsfreies Mietverhältnis ausreichte, um eine Verlängerung zu erhalten, möchten wir uns in Zukunft stärker auf Härtefälle konzentrieren. Damit schaffen wir eine höhere Rotation in den Wohnheimen. Gerade von extern kommende Erstsemesterinnen und –semester kennen den Wuppertaler Wohnungsmarkt noch nicht. Für im Studium bereits fortgeschrittene Studentinnen und Studenten bildet diese Tatsache jedoch kein Handicap mehr. Wir hoffen, so die übliche Zahl der zum Wintersemester freiwerdenden Wohnungen von 200 auf 300 zu steigern.

Im Kontext mit der gastronomischen Infrastruktur an der Universität wurde die Cafebar „insgrüne“ im neuen Hörsaalzentrum eröffnet. Dies stellt jedoch nur eine kleine Ergänzung dar. Ansonsten sind wir der Überzeugung, dass die übrige Infrastruktur ausreichend ist und auch die Mensa als zentrale Einrichtung das aufkommende Pensum verkraften kann. Das Problem liegt eher an den Stoßzeiten, die mit den Vorlesungspausen einhergehen. Eine stärkere Staffelung in diesem Bereich könnte die Situation deutlich entspannen. Entsprechende Gespräche haben wir mit der Universitätsleitung bereits geführt. Eine eher unschöne Situation bildet der Campus Haspel. Wegen des Abrisses des Gebäudes HC befindet sich die dortige Mensa zurzeit in einem Container. Dies wird auch bis zur Fertigstellung eines Neubaus so bleiben.

Im Bereich der BAföG-Verwaltung konnte eine weitere Mitarbeiterin gewonnen werden. Ein glücklicher Umstand, da BAföG-Sachbearbeiterinnen und –Sachbearbeiter nicht einfach zu finden sind – gibt es sie doch eigentlich nur bei den Studentenwerken und evtl. noch in wenigen städtischen Verwaltungen. Da die Prognosen der Hochschulverwaltung eher vorsichtig sind, gehen wir zwar von einer Mehrbelastung in der Verwaltung aus, jedoch von einer, die zu stemmen ist.

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Wosnitza: Wie sieht die aktuelle Auslastung der Studentenwohnheime aus?

Berger: Die Auslastung ist gut und das seit einigen Jahren. Wie erwähnt wurden zahlreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die als Ziel hatten, moderne Wohnheime zu errichten, die einerseits eine hohe Wohnqualität vorweisen und andererseits energetisch auf einem vorbildlichen Stand sind. Letzteres ist im Bereich der öffentlichen Förderung problematisch, da entsprechende Programme nur kleinere Maßnahmen decken, jedoch kein Gebäude im Passivhausstandard, wie etwa das der Neuen Burse, berücksichtigt. Ein entsprechender Antrag auf Förderung bei der Stadt Wuppertal wurde abgelehnt. Die erreichte Qualität führt dazu, dass wir im Grunde keine Leerstände in den Wohnheimen haben. Es gibt längere Wartelisten, jedoch sind die damit verbundenen Wartezeiten recht überschaubar für die einzelnen Studentinnen und Studenten.

Wosnitza: Zum Thema Mensa bzw. Essen an der Universität – welche Planungen gibt es hinsichtlich veganer oder laktosefreier Speisen?

Berger: Entwicklungen im Bereich der Lebensmittel werden auch von den Studentenwerken aufmerksam verfolgt. Sei es bei kurzfristig auftretenden Fragen, wie bspw. bei der Gefahr durch EHEC, oder bei langfristigen Fragen, die das allgemeine Angebot betreffen. Damit einher geht auch die Thematik der veganen Mahlzeiten. Diesbezüglich wird es auch in der Woche vom 21. bis 25.11. eine „vegane Woche“ geben. In dieser Zeit wird es für die Köche der Mensa ein Seminar durch einen externen Spezialisten geben, der gemeinsam mit unserem Personal vegane Mahlzeiten zubereiten wird. Von Seiten der Studentinnen und Studenten erreicht uns in dieser Frage nur wenig Feedback. Über den Online-Fragebogen „Ihre Meinung zählt“ (siehe www.hsw.uni-wuppertal.de ) erhalten wir im Jahr ca. 700 bis 800 Zusendungen, von denen eine bis drei Anfragen pro Jahr das Thema der veganen Mahlzeiten thematisieren. Es gab auch Überlegungen, eine eigene vegane Linie in der Mensa anzubieten. Damit einher geht jedoch ein großer Aufwand, für den wir aktuell keine Nachfrage sehen. Dennoch ist die im November geplante Testwoche für uns interessant und wir sind auf das Feedback aus der Studierendenschaft gespannt. Die Thematik der Laktoseintoleranz findet sich ebenfalls auf unserer Tagesordnung wieder – im Vergleich zu einer veganen Mensa mit einer höheren Priorität. Ein erster Schritt ist bereits im Hinblick auf angebotene Alternativen zur Milch in den Cafeterien und der Kneipe des HSW gegeben.

Wosnitza: Abgesehen von der veganen Woche – sind weitere Aktionswochen geplant?

Berger: Neben der bereits erwähnten veganen Woche sind im kommenden Wintersemester um die sechs bis sieben Aktionswochen – meist im Aktionscorner der Mensa – geplant. Exemplarisch seien dabei eine Pizzaaktion, eine Kartoffelaktion und Entengerichte erwähnt. Bezüglich einer erneuten Kooperation mit dem von der Telekom organisierten „Campus cooking“ liegen aktuell keine Planungen vor, auch wenn die entsprechende Woche gut lief und hohen Anklang fand.

Wosnitza: Abschließend zum „neuen“ Daka-Darlehen – wie ist die Akzeptanz dieses Angebotes von Seiten der Studierendenschaft?

Berger: Vor der aktuellen Änderung der Vergaberichtlinien hat sich die Nachfrage nach dem Daka-Darlehen tendenziell verschlechtert. Im Jahr 2010 hatten wir an die 150.000 Euro zur Verfügung, die wir im Rahmen des Daka-Darlehen vergeben konnten. Der tatsächliche Bedarf kam jedoch kaum an die 70.000 Euro heran. Auf Landesebene waren sich die Studentenwerke einig, dass die neue Studienstruktur, aufgeteilt auf Bachelor und Master, die Ursache für diese Entwicklung war. Dem folgend wurden zum 01.07 die Vergaberichtlinien verändert. Das Daka ist in dem Sinne kein Studienabschlussdarlehen mehr. Von der Struktur können Sie es nun auf beide Bildungsabschlüsse splitten. Die Gesamtförderdauer liegt dabei bei maximal 18 Monate. Auf die Regelstudienzeit vom Bachelor gerechnet können Sie so ihr halbes Studium finanzieren, wodurch das Darlehen bei weitem nicht nur auf die Abschlussphase fokussiert ist. Diese Modifikation macht sich bereits in den jüngst eingehenden Anträgen bemerkbar und für das Jahr 2011 könnte durchaus die gesamte, zur Verfügung stehende Summe vergeben werden.

Wosnitza: Vielen Dank für das Interview. »mw«

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