In entscheidenden Momenten Prioritäten setzen

Erhan Zent spielt in der Regionalliga West Fußball. Neben dem Stoff aus der Uni muss er sich im Training anstrengen, um regelmäßig für seinen Verein, die SSVg Velbert 02, zu spielen. Wir haben nachgefragt, wie er sein Leben managt.

Hendrik Steimann: Fußball spielen kennt jeder. Wie sind das Tempo und die Taktik in der vierten Liga?
Erhan Zent: Das Tempo ist natürlich nicht so hoch wie in der Bundesliga. Als Regionalliga-Mannschaft kann man aber durchaus einem Zweit- oder Drittligisten Paroli bieten. Das hat man im DFB-Pokal ja schon öfter gesehen. In der Regionalliga wird auch viel Wert auf die Taktik gelegt, um nach oben anzuschließen. Daher spielen die meisten in einem 4-4-2- oder 4-2-3-1-System.

Wie oft musst du innerhalb der Woche zum Training und in welchem Ausmaß findet es statt?
Ich trainiere fünfmal pro Woche. Einen Tag haben wir dann frei, in der Regel nach einem Spiel. Das Training dauert zwei Stunden. Während der Vorbereitung auf die Saison geben wir dann auch richtig Gas. Nach Saisonbeginn wird die Trainingsintensität ein bisschen dosiert. Zum Ende der Woche trainieren wir beispielsweise häufiger Standards und fahren das Tempo etwas herunter, damit wir am Spieltag selber Vollgas geben können.

Ist das Lernen und Vorbereiten auf das Studium daneben stressig?
Stress habe ich nicht unbedingt, das hält sich in Grenzen. Ich lege mir die Kurse in der Uni auch bewusst so, dass sie nicht mit dem Training kollidieren. Das ist bis jetzt immer gut machbar gewesen.

Wie bekommst du alles unter einen Hut, ohne dabei Nachteile zu haben?
Ich setzte mir Schwerpunkte. Je nachdem, wo ich mich gerade mehr anstrengen muss. Im Sommer haben wir um den Aufstieg gespielt, da hatte der Fußball mehr Priorität. Während Klausurphasen steht die Uni aber im Vordergrund. Ich spreche vorher immer mit meinem Trainer, um frühzeitig planen zu können. Aber die Regionalliga hat für mich persönlich auch schon Vorrang, denn sonst kann ich mich im Fußball nicht mehr weiterentwickeln.

Erhan Zent im Einsatz für die SSVg Velbert 02 © Stefan Rittershaus

In der Regionalliga spricht man vom Übergang vom Amateur- zum Profifußball. Wie groß sind die Erwartungen an die Spieler?
Der Fußball ist ab dieser Spielklasse kein Hobby mehr. Man trägt dem Verein gegenüber auch Verantwortung, damit er sich in der Liga etablieren kann. Der Verein verlässt sich auch auf seine Spieler. Man muss dafür leben, seine Freizeit anpassen. Ansonsten werden Abmahnungen verteilt.

In welchen finanziellen Sphären befindet man sich denn ungefähr, könnte man davon schon leben?
Man kann davon schon leben, viele spielen in der Regionalliga auch beruflich Fußball. Der Sprung von der Oberliga ist schon enorm. Jeder Verein legt die Summen aber selber fest. Außerdem kommt es auf die bisherige Karriere an, wie viel Gehalt man bekommt. A-Jugendliche steigen zum Beispiel nicht ganz so hoch ein wie langjährige Fußballer. Aussorgen kann man mit seinem Gehalt jedoch nicht.

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Du studierst an der BUW auf Lehramt. Wie sieht dein Ziel aus – Sportprofi oder Lehrer?
Fußball kann man ja nur bis zu einem bestimmten Alter spielen. Ich möchte schon gerne dabei bleiben und eventuell noch höher spielen. Ob ich das schaffe, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht. Bei Fortuna Düsseldorf habe ich mal halbes Jahr in der zweiten Liga gespielt, stand auch einmal im Kader gegen Energie Cottbus. Wenn ein Angebot kommen würde, würde ich es annehmen. Zur Absicherung beende ich aber auf jeden Fall mein Studium.

Angenommen die Fußball-Karriere klappt. Was planst du dann mit Ende dreißig?
Auch eine Trainer-Lizenz nach meiner Fußball-Karriere zu erwerben reizt mich. Die B-Jugend eines Bundesligisten zu trainieren wäre was, was mir Spaß machen würde. Ich habe paar Kontakte, zum Beispiel auch zu Borussia Mönchengladbach aus meiner Zeit als Jugendspieler. Wenn ich sie pflege, ist man vielleicht schneller mal irgendwo im Gespräch. Und mit meiner Vita muss ich mich nicht verstecken. »hst«

Info:
Aktuell befindet sich die SSVg Velbert 02 in der Regionalliga West in der mittleren Tabellenregion. Die Saison verläuft durchwachsen. Nach einem schwächeren Start hat sich die Mannschaft etwas gesteigert und konnte die letzten Spieltage auch punkten. Erhan Zent spielt im Mittelfeld und trägt die Rückennummer 7.

Titelbild: Erhan Zent in der Uni-Halle © Hendrik Steimann

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