Mehr Uni im Tal? So sieht die Zukunft der Bergischen Universität aus

Prof. Dr. Birgitta Wolff ist seit dem 1. September 2022 Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal (BUW). Nach fast zwei Jahren im Amt hat blickfeld die Gelegenheit genutzt, mit ihr über die Zukunft und Weiterentwicklung der Wuppertaler Hochschule zu sprechen.

Uni-Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff - Foto: Michael Mutzberg

blickfeld: Mit welchem Studienangebot möchte die Bergische Universität in Zukunft für junge Menschen attraktiv bleiben?

Wolff: Wir möchten als Universität zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Dieses Ziel soll sich auch in unserem Studienangebot widerspiegeln. Ein Beispiel: Die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit verbinden wir nicht nur mit unserem Masterstudiengang „Sustainability Management“, der Kompetenzen einer nachhaltigen Unternehmensführung vermittelt oder dem weiterbildenden Masterstudiengang „Nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen“. Entsprechende Expertise integrieren wir unter anderem auch im Lehramt, in „Angewandte deutsch-französische Studien: Kultur, Wirtschaft und Nachhaltigkeit“ und vor allem in gleich mehreren neuen technik- und naturwissenschaftlichen Studiengängen. Alle Studienangebote mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit haben wir auf einer eigenen Website zusammengefasst. Es lohnt sich, einmal draufzuschauen.

Wir brauchen einerseits die Technikexpertise, die in den MINT-Fächern, also Mathematik, Ingenieur-, Natur- und Technikwissenschaften, entsteht. Hier stellen wir einen Trend zu weniger Einschreibungen fest, dem wir – hoffentlich erfolgreich – mit Aktivitäten wie der MINT-SommerUni begegnen. Andererseits brauchen wir diejenigen, die die Lösungen kommunizieren und umsetzbar machen. Deshalb sind bei all unseren Ansätzen Forschung, Lehre und Transfer gleichermaßen gefragt und quer durch alle Disziplinen vernetzt.

Wir-Gefühl am Campus stärken

blickfeld: Wie kann die Universität Studierende während ihres Studiums unterstützen?

Wolff: Das Wichtigste sind natürlich gute Lehrveranstaltungen und die Betreuung durch die Lehrenden. Studierende können sich außerdem an weitere Stellen wenden, um Unterstützung zu erhalten. Die Zentrale Studienberatung bietet einschlägige Workshops und Beratungsangebote an, etwa „bergauf“ für Studierende mit Studienzweifeln oder die psychologische Beratung. Noch bekannter werden müssen Einrichtungen, wie die Beschwerdestellen in den Fakultäten oder beim Rektorat, die sich vertraulich, unabhängig und neutral um Eingaben von Studierenden kümmern. Solche Anliegen können beispielsweise die Qualität der Lehre und Studienbedingungen betreffen, aber auch Konflikte mit einzelnen Personen oder Diskriminierungserfahrungen. Wir möchten dazu ermutigen, mit uns zu reden und Probleme anzusprechen. Das hilft uns nicht nur, die betroffenen Studierenden unmittelbar zu fördern, sondern auch, um als Uni insgesamt ganz systematisch immer besser zu werden.

Mit Aktionen, wie aktuell „Drei Feste – (d)eine Uni“, soll das Wir-Gefühl am Campus gestärkt werden. Dabei freue ich mich besonders über die große und engagierte Beteiligung der vielen studentischen Gruppen, der Fachschaften sowie des Allgemeinen Studierendenausschusses. Mir ist es generell wichtig, im regelmäßigen Austausch mit den Studierendenvertreter:innen zu bleiben und auch mit studentischen und Rektoratsverantwortlichen gemeinsame Initiativen zu entwickeln und durchzuziehen. Dafür gibt es eine Reihe guter Ideen. Diese umzusetzen wird ein paar Jahre Übung brauchen, kann aber richtig gut werden. Toll ist, dass ich an unserer Universität ein großes wechselseitiges Grundvertrauen und eine hohe Kooperationsfreude zwischen den diversen Gruppierungen wahrnehme. Das ist nicht selbstverständlich und das müssen und wollen wir sorgfältig pflegen.

Uni-Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff – Foto: Wolf Sondermann

Lösungsorientiert handeln

blickfeld: Sie sprechen das Campusleben an, das auch von „weichen“ Faktoren, wie Mobilität, Versorgung und Infrastruktur definiert wird. Welche Einflussmöglichkeiten sehen Sie hier als Universitätsleitung?

Wolff: Mithilfe guter Vernetzungsarbeit, des direkten Austausches mit Verantwortlichen und einer generellen Lösungsorientierung versuchen wir als Universitätsleitung, die besten Ergebnisse für den Uni-Standort zu erreichen und dazu passende Partnerinnen und Partner zu finden.
In puncto Mobilität haben wir zum Beispiel am Campus Grifflenberg und Haspel derzeit noch keine Ladesäulen für E-Autos. Da mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), dem die Gebäude der Universität gehören, zunächst keine Lösung gefunden werden konnte, planen wir nun mit den Wuppertaler Stadtwerken im öffentlichen Raum an der Gaußstraße und Haspeler Straße, Ladesäulen aufzustellen. Inzwischen hat auch der BLB angekündigt, diese bei zukünftigen Parkhaussanierungen vorzusehen. Bei Neubauten und Gebäudesanierungen am Campus konnten wir zudem die Installation von Photovoltaikanlagen auf den Dächern vereinbaren. Auf unserer Agenda steht außerdem ein Fahrradparkhaus auf dem Campus. All dies passt prima zu einer von Studierenden ausgearbeiteten Senatsresolution, die eine Reihe wertvoller Impulse zur Entwicklung einer nachhaltigen Mobilität rund um den Campus beinhaltet.

Um die oft von Studierenden und Beschäftigten kritisierte Versorgungssituation am Campus zu verbessern, wurde von uns etwa eine erneute Öffnung der Kaffeebar „ins grüne“ in Gebäude K forciert. Als im regelmäßigen Austausch mit dem Hochschul-Sozialwerk (HSW) deutlich wurde, dass diese zunächst nicht geplant war, haben wir uns nach externen Partnern für die Kaffeebar umgeschaut. Dann jedoch ist das Sozialwerk selbst aktiv geworden und hat den schönen Treffpunkt wieder geöffnet.
Wir als Hochschule zahlen auch für die vom Sozialwerk genutzten Räume die Miete an den BLB. Daraus leiten wir eine Verantwortung des HSW gegenüber unseren Studierenden und Beschäftigen ab. Grundsätzlich vertrete ich die Haltung, in Fragen der Versorgung auch externe Anbieter zu involvieren, was zum Beispiel mit dem Uni-Kiosk am Haupteingang sehr gut funktioniert. Warum sollten sich nicht verschiedenartige Angebote ergänzen können, so dass alle das machen, was sie jeweils am besten können?

Universität sichtbar machen

blickfeld: Die Universität erstreckt sich nicht nur über die drei Campus, sondern ist an vielen Standorten im Tal vertreten. Wie wird sich die Uni-Präsenz in der Stadt in Zukunft gestalten?

Wolff: Derzeit verfügt die Universität über etwa 20 unterschiedliche, teilweise recht kleine Standorte. Perspektivisch möchten wir sowohl unsere Beschäftigten als auch Studierenden wieder näher zusammenbringen. In die ehemalige Bundesbahndirektion soll 2025 unsere Lehrerbildung einziehen. Dann werden dort täglich rund 1.000 Lehramtsanwärtern:innen Seminare und Vorlesungen besuchen. Über eine Anmietung einer Etage im danebenliegenden früheren Postlogistikzentrum stehen wir mit dessen Eigentümer im Austausch. In den kommenden Jahren könnte durch den Umzug aus kleineren Anmietungen am Wuppertaler Hauptbahnhof so ein weiterer Campus der Bergischen Universität entstehen. Noch stehen hier aber die Entscheidungen aus.

Auch an anderer Stelle wird die Universität im Tal sichtbar. Im Living Lab an der Nordbahntrasse forscht die Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen bereits für die Öffentlichkeit zugänglich am Thema klimaneutrales und nachhaltiges Bauen. Die Barmer Kunsthalle könnte zum neuen Teil-Standort der Fakultät für Design und Kunst werden. Im Rahmen eines befristeten Modellprojekts könnten Studierende und Forschende ihre Arbeiten dort auch einem breiteren Publikum präsentieren, als dies derzeit in Gebäude I am Hauptcampus Grifflenberg möglich ist. Hierzu gibt es bereits konkrete Planungen; im Herbst soll es losgehen.

#IchBinHanna entschärfen

blickfeld: Für neue Studiengänge, Angebote und Standorte braucht es eins: die besten Köpfe in Forschung und Lehre. Wie stellt sich die Hochschule dem damit verbundenen Wettbewerb?

Wolff: Wir wirken als Universitätsleitung darauf hin, längere Arbeitsverträge zu schließen, die eine Zweidrittel-, mindestens eine halbe Stelle vorsehen. Unsere hauptberuflichen Nachwuchswissenschaftler:innen brauchen einen Vertrauensvorschuss sowie mehr Sicherheit als nur wenige Monate umfassende „Kleckerverträge“! Darüber hinaus entfristen und verbeamten wir relativ viele Stellen.

Zugleich machen wir für diejenigen, die als Vorgesetzte Verantwortung für junge Menschen übernehmen, verstärkt Führungstrainings-Angebote. Für Promotionsvorhaben gibt es neuerdings verbindliche Betreuungsvereinbarungen. Auch fördern wir eine bessere Vernetzung unserer Professorinnen und Professoren untereinander. So gibt es zum Beispiel einmal jährlich den sogenannten „Neuberufenenempfang“, zu dem alle Professoreninnen und Professoren eingeladen werden – nicht nur die Newcomer.

Mein Eindruck ist, dass – auch weil sich der Arbeitsmarkt gedreht hat – ein Umdenken bei den handelnden Personen erfolgt ist und die Probleme, die die Protestbewegung #IchBinHanna adressiert hat, sich ziemlich deutlich entschärfen werden.

„Leitbild Lehre“ mitgestalten

blickfeld: Welche abschließenden Worte haben Sie für unsere Leserinnen und Leser?

Wolff: Derzeit finden in verschiedenen dezentralen Werkstätten spannende Diskussionen zum „Leitbild Lehre“ statt. In diesem sollen die Lehr- und Lernkultur sowie die Werte, Prinzipen und der Anspruch, den wir an Studium und Lehre stellen, gemeinsam vereinbart werden. Ich lade alle Angehörigen der Bergischen Universität herzlich dazu ein, sich in den laufenden Prozess einzubringen. »mw«

Das Gespräch führte Martin Wosnitza.

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