Bühne frei für … Literatur der etwas anderen Art

Sagen, was man zu sagen hat? Auf einer Bühne vor einem mindestens 50-köpfigen Publikum stehen, um seine Visionen, Ideen und Gedanken an den Mann zu bringen? Egal ob lustige Alltagssituationen, philosophische Gedankenspiele oder lyrische Auseinandersetzung mit der aktuellen Weltpolitik - der Wortex Poetry Slam macht es möglich.

Jeden ersten Donnerstag im Monat veranstalten die Wuppertaler Wortpiraten André Wiesler und David Grashoff einen Poetry Slam der Extraklasse in der Börse (Wolkenburg 100).

Poetry Slam – Komm so wie du bist

Die Regeln sind einfach: Jeder, der etwas ausdrücken möchte, darf teilnehmen – ein Mindestalter gibt es nicht. Sechs bis acht Slamer präsentieren ihre Texte vor einem breit gefächerten Publikum. Ob gelesen oder frei vorgetragen wird, ist egal, solange die vorgegebenen fünf Minuten nicht überschritten werden. Andernfalls entscheiden die Zuhörer mit einem „Weiter“, ob fortgefahren werden darf oder nicht. „Es ist natürlich noch nie vorgekommen, dass jemand nicht weiterlesen durfte.“, erzählt André Wiesler, der dieses Abendprogramm der etwas anderen Art nun schon seit sechs Jahren organisiert. Nach drei Runden, in denen jeder einzelne Zuschauer mit einer Münze für seinen Favoriten stimmen kann, steht dann der oder die GewinnerIn fest.
Einzige Einschränkungen sind: Gesungen werden darf zwar, aber nur über eine kurze Sequenz; Requisiten und Kostüme sind verboten – jeder kommt eben so, wie er ist.

Natürlichkeit hat seine Wirkung

Dass Natürlichkeit und Authentizität Erkennungsmerkmale eines gelungenen Poetry Slams sind, wird deutlich, wenn man den AutorInnen zuhört.
Auch am vergangenen Donnerstag stand Jung und Alt wieder mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein und mal lauter, mal leiser Stimme auf der Bühne.
Das Line-Up bestand dieses Mal aus Alena, Benjamin, Sven, Michael, Marina und Grisha.
Egal ob von einem „krass normalen Leben“ oder von einem Coming-Out die Rede ist – das Publikum wird berührt. Es sind die Emotionen, die bei einer solchen Veranstaltung in den Vordergrund rücken. Durch hervorragende Redekunst, leichte und lustige Passagen oder ernste, gesellschaftskritische Aussagen wird der Zuhörer angeregt zu lachen, zu weinen oder ganz einfach in den Pausen eifrig mit seinen Freunden zu diskutieren.

Vielfalt ist das Stichwort

Wenn gefragt wird, was oder wie Poetry Slam ist, kann wohl keine eindeutige Antwort gegeben werden. Denn Poetry Slam ist mal ehrlich und unverblümt, mal ein Ratespiel, welches der Leser erst am Ende seiner „Rede“ auflöst. Es ist unkonventionell und innovativ, frei und unterhaltsam. Aber es kann auch wütend, lustig und/ oder traurig sein. Literatur ist es allemal.
Diese neuartige Form der Bühnenpräsentation – erstmals 1987 aufgeführt im Green Mill Jazz Club in Chicago – gibt denjenigen Raum, die Gehör finden wollen; bietet denjenigen eine Chance, die Literatur revolutionieren wollen. Und das mit vollem Erfolg.

Poesie bis in die Wuppertaler Schulen hinein

André Wiesler und David Grashoff sind zusammen nicht nur Gründer der Wuppertaler Wortpiraten. Zu ihrem Arbeitsalltag gehören neben Auftritten bei Veranstaltungen aller Art auch Schreib-Workshops oder das Herausbringen eigener Bücher und CDs.
Sogar Schulklassen reservieren mittlerweile für das Wortex-Programm des Slam-Duos. Ob anschließend im Deutschunterricht die moderne Kunst der Erzählung mit Goethe verglichen wird, bleibt ungeklärt – unwahrscheinlich scheint es aber nicht.

Der nächste Poetry Slamm findet am 3. November 2016 in der Wuppertaler Börse um 20:00 Uhr statt. »lyh«

Weitere Informationen gibt es unter:

Titelbild: Auftritt beim Wortex Poetry Slamn © Wuppertaler Wortpiraten

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  1. D. Dombrowski

    Vielleicht könnte der Autor vom Versuch ablassen, Poetry Slam zu erklären, wenn man es gerade doch nicht kann. Es gibt auch Slams, die ohne Authentizität funktionieren, oder den Intellekt statt das Herz ansprechen. Ich hätte mir hierbei eine gründlichere Recherche gewünscht.

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