„Lächle doch mal!“ – Karo Muster deckt mit ihrer Kunst Normen, Klischees und Spießigkeit auf

Welche Realität verbirgt sich unter der verzierten, gar verträumten Welt unseres Alltags? In der Debüt-Ausstellung der Kunstgruppe Karo Muster, bestehend aus Lynn Brachhäuser und Tino Brandt, präsentieren die jungen Kunstschaffenden eine Reihe von Werken, welche die verzerrte Ansicht auf tiefe Themen darstellen.

Tino Brandt und Lynn Brachhäuser vor einem der Ausstellungsstücke - Foto: Lynn Brachhäuser

„Lächle doch mal!“

Täglich zwischen 16 und 19 Uhr öffnet die Ausstellung „Lächle doch mal!“ ihre Tore für alle Kunstinteressierten und diejenigen, die es noch werden möchten. Bis zum 29. Juli 2024 kriegen Besucher:innen dabei nicht nur die Chance, die Kunst im zweiten Stockwerk der Rathausgalerie in Wuppertal zu bestaunen, sondern können einige der Ausstellungsstücke vor Ort auch erwerben. Die Preise der einzelnen Werke beginnen dabei ab 40 Euro. Die ausgestellten Malereien, Fotografien, Gedichte, Objekte und Installationen ertasten die verzerrten Ansichten der behandelten Normen, Klischees und Spießigkeit auf präzise Weise und ermöglichen damit, diese schließlich aufzudecken. Dieser bewusste und unverhüllte Umgang mit der alltäglichen Ablenkung verleiht der so oft negativ behafteten Floskel und gleichzeitig dem Titel der Ausstellung „Lächle doch mal!“ eine ganz andere Bedeutung.

Der Ausstellungsraum – Foto: Lynn Brachhäuser

Karo Muster

Kennengelernt haben sich Lynn Brachhäuser und Tino Brandt während ihres Studiums im Rahmen eines gemeinsamen Projektes, eines Films, welcher ebenfalls Teil der Ausstellung ist. Dieser ist zugleich der Startschuss für das Kollektiv Karo Muster. Dem Duo wird während der Produktion schnell klar, dass es zwischen ihnen nicht nur zwischenmenschlich harmoniert, sondern auch die Inhalte ihrer Arbeiten Parallelen haben. Der Beginn einer Freundschaft und Zusammenarbeit also, die durch ein gemeinsames Uni-Projekt anfing.

Und sie haben Glück! Drei Tage nach der Gründung des Kollektivs wird Tino von Art Fam 7+, einer Gruppe von Künstler:innen, welche die Räumlichkeiten in der Rathaus-Galerie verwalten, angefragt, ob das Interesse an einer Zusammenarbeit bestünde. Lynn und Tino stimmen dem Projekt zu. Während Tino eher an Installationen und Objekten arbeitet, setzt Lynn ihren Fokus in der Ausstellung auf Malereien und Gedichte. Ihre Gemeinsamkeit machen hier die Fotografien aus. Die ausgefallenen Stile der Arbeiten von Lynn und Tino unterscheiden sich zwar in ihrer Einzigartigkeit, doch im Ausstellungsraum harmoniert die Zusammenarbeit des Duos.

Debüt-Ausstellung

Vor der Eröffnung der Ausstellung am 6. Juli 2024 stand viel Arbeit in den Räumlichkeiten der Rathaus-Galerie an. So wurde nicht nur eine ganze Wand rosa gestrichen, sondern auch spontan neue Installationen geschaffen, um den Kunstraum passend zu gestalten. Das Grundthema, das Ablenken von Alltagsproblemen, vergleicht Tino zum Anfang der Vernissage mit dem Geschirrabwasch mithilfe eines bunten Schwamms. Die Farbe des bunten Schwamms lenkt von dem Abwasch ab, auch wenn die Aufgabe weiterhin gleich „ätzend“ ist. Passend zu diesem Beispiel findet sich auf der Ausstellung ein pinkes Bügeleisen, welches auf einer erhöhten Plattform steht und auf die Alltäglichkeit hinweist. Das Kollektiv möchte mit seiner Kunst verdeutlichen, dass temporäre Realitäten von dem tatsächlichen, realen Zustand ablenken. Bemerkt man diesen jedoch und damit das Verschmelzen der zwei Ebenen, wird klar, dass die erschaffene Realität nur eine Illusion ist. Hierfür arbeitet das Kollektiv unter anderem mit Alltagsmaterialien, wie Teppichen oder Frostschutzscheibenabdeckungen für Autos. Besonders deutlich wird die Grundidee an dem Beispiel der Frostschutzscheibenabdeckungen. Auf den ersten Blick sehen diese aus wie Kleidungsstücke, man könnte auch meinen, Zwangsjacken. Ein Objekt also, welches für Schutz steht, doch aufgehangen an den Decken des Kunstraums eher nach etwas aussieht, das zur Schau gestellt wird. Auch der feministische Gedanke ist den Kunstschaffenden wichtig: Sie möchten mit ihrer Kunst Gendernormen aufbrechen.

„Urlaub“ von Lynn Brachhäuser – Foto: Claudia Bak

Art Fam 7+

In der Zukunft sollen noch mehr Künstler:innen die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeiten in der Rathaus-Galerie auszustellen. Dafür setzt sich die Gruppe Art Fam 7+ ein, welche vor etwa drei Jahren im Rahmen des Projekts „multiplikARTiv“ entstanden ist. „multiplikARTiv“ macht sich zum Ziel, die Leerstände der Rathaus-Galerie unter anderem mit Tanz, Musik und Kunst neu zu bespielen. Obwohl die Zeit des Projekts bereits vorüber ist, setzt sich Art Fam 7+ weiterhin dafür ein, die Kunst nah an die Menschen zu bringen. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Hilfe der Rathaus-Galerie, denn nur dank deren Verantwortlichen wird die Räumlichkeit überhaupt erst zur Verfügung gestellt – und diese Möglichkeit wird auch bis auf das Letzte ausgekostet. Bis zum Ende des Jahres 2024 ist der Kunstraum nahezu jeden Monat ausgebucht. Alessa Hinne von Art Fam 7+ erhofft sich eine weiterhin bestehende Zusammenarbeit zwischen der Gruppe und der Galerie auch nach dem Ende des Jahres. Hinne meint: „Wir möchten einen bunten Rahmen schaffen, der lebendig bleiben soll. Es sollen auch Menschen, die nicht viel mit Kunst zu tun haben, einfach reinkommen können, um den Zugang dazu zu finden.“ »bak«

„Lächle doch mal!“

  • Ort: Rathaus Galerie, Klotzbahn 5, 42105 Wuppertal (GoogleMaps) – im zweiten Stockwerk
  • Dauer der Ausstellung: 6. Juli bis zum 29. Juli 2024
  • Öffnungszeiten: täglich zwischen 16 und 19 Uhr
  • Mehr unter: Art Fam 7+ auf Instagram

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