Thomas Braus lädt ein zum Höllenritt

Ein Stück, das wild, laut, mitunter beängstigend und ekelerregend ist. © Klaus Lefebvre

Susanne Abbrederis Zeit als Intendantin der Wuppertaler Bühnen neigt sich dem Ende zu. Im August 2017 wird sie von Thomas Braus abgelöst. Der Schauspieler und Theaterdozent möchte für die kommende Spielzeit den Spielplan ausweiten und zusätzliche Schauspieler engagieren.

Zurzeit ist Braus noch unter der Regie von Johann Kresnik auf der Bühne zu sehen: Als Dante Alighieri irrt er auf dem Weg in das Höllenfeuer durch das Wuppertaler Opernhaus. Das Original Dantes – La Commedia oder Die Göttliche Komödie – stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und gilt bis heute als eines der bedeutendsten Werke der italienischen Literaturgeschichte.

In der Dichtung lässt Alighieri sein lyrisches Ich durch die Hölle gehen: In der Mitte seines Lebens trifft Dante, tief in einem Wald auf sein Idol, den großen römischen Dichter Vergil. Unter Vergils Führung begibt sich das Duo in die Unterwelt. Dabei lässt La Comedias Fantasie wirklich nicht zu wünschen übrig: Das Inferno ist mit all seinen Sündern, Strafen und Grauen, fein säuberlich kategorisiert, ein mittelalterliches Höllenverständnis wie es im Buche steht. Dante und Vergil steigen also hinab: durch die zwölf Ringe der Hölle, durchqueren das Fegefeuer und landen schließlich im Himmelsreich.

Thomas Braus© Klaus Lefebvre

Thomas Braus` Bühnenfassung stammt von ihm selbst. Er schrieb sich ein Stück auf den Leib – ein Stück, das wild, laut, mitunter beängstigend und ekelerregend ist. Er überschreitet Grenzen und setzt auf körperliche Nähe zum Zuschauer. Man kann die Hölle nicht nur sehen und hören, teilweise ist sie zu riechen und zu fühlen. Das Publikum folgt dem geplagten Dante Treppen rauf und runter quer durch die Wuppertaler Oper, entdeckt all das, was ihm normalerweise nicht frei zugänglich ist. Zwischenzeitlich entstehen Sorge und Angst über die verschwimmenden Grenzen zwischen Publikum und Bühne. Denn Braus`Dante zieht den Zuschauer in das Stück hinein, zwingt ihn zum Blick in den Spiegel.
Braus hat Dante in die Gegenwart geholt und ihn uns unmittelbar vorgesetzt, losgelöst von konventioneller Objekt-und-Betrachterdynamik.

Studierende können wie gewohnt per Bühnenflatrate reservieren. Die Karten gibt es unter schauspiel-wuppertal.de für die folgenden Termine:

  • 28.12.2016
  • 30.12.2016
  • 28.01.2017
  • 01.02.2017 jeweils um 21 Uhr

»lg«

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