Ein Blick hinter die Kulissen: Führung durch das Opernhaus Wuppertal

Gemeinsam mit Mitwirkenden des Literatur- und Kulturmagazins Auf der Höhe bekamen Mitglieder unsere Redaktion die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Wuppertaler Oper zu schauen, das Haus zu erkunden und zu erfahren, welche Berufsgruppen an einer erfolgreichen Vorstellung beteiligt sind. Dabei blieben wir nicht nur vor und auf der Bühne, sondern erhielten eine allgemeine Führung durch die verschiedenen Abteilungen des Opernhauses.

Vom Ausgangspunkt der Führung, dem Zuschauerraum, in dem etwa 700 Menschen Platz finden, ging es auch schon auf die Bühne. Dort waren die Aufbauarbeiten für die nächste Vorstellung ‚Der Geizige‘ von Molière bereits in vollem Gange. Bis das Bühnenbild fertig ist, gleicht die Bühne aber eher einer Baustelle. Die Theaterpädagogin Sylvia Martin erklärte uns: „Sicherheit steht bei uns immer im Vordergrund. Jedes Bühnenbild muss vor der Prämiere vom TÜV abgenommen werden.“ Die strikten Sicherheitsmaßnahmen bleiben deshalb bis zu den Vorstellungen bestehen. „Bei jeder Veranstaltung müssen zwei Personen von der Feuerwehr vor Ort sein“, so Martin.

Das Innere das Opernhauses © edelgraphie

Großes Schauspiel an außergewöhnlichen Orten

Zunächst konnten wir von Gesang und Schauspiel aber noch nicht viel erkennen.

Das Orchester, das sich bei den Vorstellungen in dem etwa drei Meter tiefen Orchestergraben vor der Bühne befindet, übt meist separat von den Darstellern. Die Proben werden daher vorerst nur mit dem Klavier begleitet. „Erst in den letzten Tagen vor der Premiere wird dann gemeinsam geprobt“, erläutert Sylvia Martin.

Dachboden des Opernhauses © wm

Nicht nur der große Saal wird für Vorstellungen verwendet, so finden einige Stücke an ganz und gar ungewöhnlichen Orten statt. Zum Beispiel haben etwa 30 Zuschauerinnen und Zuschauer die Möglichkeit eine Adaption von Dantes ‚Die Hölle/Inferno‘ direkt unter dem Dach zu erleben. Auch für uns ist das nach etlichen Treppenstufen die nächste Station. Neben ein paar Stühlen für die Zuschauer deuten wenige Requisiten darauf hin, dass dieser Raum ebenfalls zum Schauspielern genutzt wird. Aber auch das ist noch nicht alles: „Die Akustik hier oben ist sehr gut. Deshalb sind hier manchmal Chöre platziert, die nicht gesehen, aber gehört werden sollen“, führt Martin aus.

Vom Ballkleid bis zur Echthaar-Perücke

Eine kleiner Auswahl der in der Oper eingelagerten Perücken © ae

Von dort aus ging es weiter in die Maske. Sofort fielen uns die zahlreichen Perücken auf Holzköpfen auf. Hier erfuhren wir, dass ein Großteil der Aufgaben der Maske darin besteht, Echthaar-Perücken zu knüpfen, zu schneiden und zu frisieren. Die einzelnen Perücken werden in mühevoller Kleinarbeit Haar für Haar hergestellt und genau an die Köpfe der Schauspielerinnen und Schauspieler angepasst. Über die Jahre hinweg hat sich eine enorme Menge an Perücken angesammelt, schätzungsweise 3.000 Einzelstücke wurden bisher dort geknüpft.

Die Mitwirkenden dort erfahren als erste, wenn ein Darsteller zu spät erscheint oder gar eine Vorstellung vergessen hat. „Jeder bekommt einen festen Termin, den er oder sie einhalten muss. Am Tag selbst ist dann alles minutiös getaktet“, erklärt uns eine Mitarbeiterin.

Garfield in guter Gesellschaft © edelgraphie

Durch den Kostümfundus, in dem es von Ballkleidern über Gehröcke bis hin zu Wattons (Kostüme, die Schauspieler unter anderem dicker machen) alles zu geben scheint, führte uns Sylvia Martin weiter in die Herrenschneiderei. Dort wird am häufigsten eine Dreier-Kombination aus Hose, Weste und Sakko für Herren hergestellt. Trotzdem gibt es auch hier Herausforderungen. Beispielsweise sind die Vorgaben für die Kostüme oft sehr vage und die Materialwünsche mitunter ungewöhnlich. Auch der mögliche Ausfall eines Darstellers muss immer bedacht werden und die Kostüme so geschneidert, dass im Notfall in kürzester Zeit Änderungen vorgenommen werden können.

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Von roten und blauen Treppen

Am Schluss geht es für uns durch weitläufige Gänge und über einige Treppen in das Kronleuchterfoyer. Das Wuppertaler Opernhaus, das 1905 erbaut, gegen Ende des zweiten Weltkrieges schwer beschädigt und 1956 wieder eröffnet wurde, beherbergt viele Geschichten. Sylvia Martin erklärt: „Es gibt eine Art Legende, nach der das Haus so gebaut wurde, dass arme und reiche Besucher nicht miteinander in Berührung kommen und es deshalb die rote und die blaue Treppe gibt. Ob das der Wahrheit entspricht, ist allerdings unklar.“ Fakt ist aber, dass es keine Möglichkeit gibt von der roten auf die blaue Treppe zu wechseln.

Kronleuchterfoyer © edelgraphie

Der Blick hinter die Kulissen hat uns gezeigt, dass hinter einer erfolgreichen Vorstellung eine hohe Zahl an Mitwirkenden und eine Menge Arbeit steckt. Wir konnten die eine oder andere Kuriosität entdecken, die sich in dem weitläufigen Gebäude versteckt und haben einige neue Details und Hintergrundinformationen erfahren. »wm«

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