Widersprüche führen zu Zweifeln an der Funktionalität der „Flügelhügel-Windräder“

Die Windkrafträder – mehr Schein als Sein? © mw

Die Windkrafträder – mehr Schein als Sein? © mw

Das MetaLicht soll laut Uni-Homepage mit „Grünem Strom“ betrieben werden, der in „eigens hierfür errichteten, innovativen Windturbinen erzeugt wird“. Die Uni-Gerüchteküche zweifelt das schon länger an, denn die Anlagen drehen sich augenscheinlich selten. Wir wollten es genauer wissen und haben bei der Uni und den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) nachgehakt: Das war der Beginn einer langen und zähen Recherche, im Laufe derer wir auf mangelnde Transparenz und zahlreiche Widersprüche gestoßen sind. Wie in einem Krimi fühlten wir uns jedoch spätestens zu dem Zeitpunkt, als interne Dokumente der WSW anonym in unserem Briefkasten lagen. Diese nährten die Vermutung, dass die drei Windkraftanlagen auf dem „Flügelhügel“ überhaupt keinen Strom produzieren.

Der Anlagenhersteller ging vor Inbetriebnahme der Uni-Räder pleite

 
Nach Aussage der WSW seien die Windräder im März 2013 aufgebaut, im Sommer fertiggestellt und anschließend bis zu ihrer Inbetriebnahme im Oktober getestet sowie optimiert worden. Der Hersteller der Anlagen, Sternberg AG, meldete aber bereits im Februar 2013 Insolvenz an. Das Verfahren wurde zwei Monate später eröffnet (Az. 21 IN 68/13; AG Arnsberg ). Unsere Redaktion wollte von den Stadtwerken sodann wissen, ob die Sternberg-Insolvenz ein Problem für die Projektrealisierung auf dem Flügelhügel war. Die WSW-Verantwortlichen verneinten und stellten darüber hinaus klar, dass Sternberg den Auftrag zum Zeitpunkt der Insolvenz erfüllt hätte. Insolvenzforderungen seien durch die Stadtwerke gestellt worden, würden aber lediglich Haftungs- und Gewährleistungsfragen umfassen.

Laut WSW-Insolvenzantrag fehlten Leistungen im Wert von 26.000 Euro

 
Ein anderes Bild zeichnen jedoch die uns anonym zugespielten Unterlagen; darunter die Forderungsanmeldung der WSW zum Insolvenzverfahren. Aus dieser geht hervor, dass noch zahlreiche Arbeiten an den Windrädern offen waren und diverse Teile wie Schaltkästen oder der Wechselrichter, mit dem der Strom ins Netz eingespeist wird, noch geliefert und angeschlossen werden sollten. Auch fehlten den Stadtwerken die Schaltpläne der Anlage. Erst mit der Lieferung und Installation der fehlenden Bauteile „sollen die drei Windkraftanlagen Strom erzeugen und (…) die Anlage anschließend abgenommen werden“, heißt es in der Forderung, welche die WSW im Mai 2013 an den Hersteller stellte. Die Aufträge waren also – im Gegensatz zu den uns gegenüber getätigten Angaben der WSW-Verantwortlichen – nicht vollständig erfüllt. Nicht nur essentielle Bauteile fehlten, auch die Herrichtung des Flügelhügels ist nicht wie vereinbart von der Sternberg AG realisiert worden.

Wieviel Strom die Windräder produzieren, ist unbekannt

Infosäule am Flügelhügel © mw

Infosäule am Flügelhügel © mw

Wir erkundigten uns bei den Stadtwerken auch nach der Leistungsfähigkeit der drei Windräder und wollten wissen, wieviel Strom diese produzieren. Konkrete Auskünfte erhielten wir nicht. Seriöse Zahlen würden laut WSW erst nach Auswertung von drei Windperioden vorliegen, also 2016. Laut Infosäule am Flügelhügel produzieren die Windkrafträder– so die Theorie – pro Jahr fast doppelt soviel wie das MetaLicht benötigt. Sollte das nicht ausreichen, so haben sich die Stadtwerke – wie uns von den Verantwortlichen mitgeteilt wurde – gegenüber der Universität verpflichtet, die Versorgung mit Grünstrom zu decken.

Aussagen der Hochschulleitung schüren weitere Zweifel

 
Wie die Hochschulleitung uns mitteilte, stellte sich nach der Sternberg-Insolvenz „laut WSW heraus, dass die Qualität der Materialien der Anlage nicht den Prospektangaben entsprach.“ Die Anlagen seien deshalb bis heute nicht in das Eigentum der Uni Wuppertal übergegangen. „Für die BUW entsteht hieraus allerdings kein monetärer Schaden“, betont weiterhin ein Sprecher der Hochschulleitung.

Widersprüche im Rahmen der Sternberg-Insolvenz und fehlende Zahlen über die Leistung der drei Windkrafträder: So lautet das bisherige Resümee unserer Recherche-Odyssee. Dass das MetaLicht mit Energie aus „eigens hierfür errichteten, innovativen Windturbinen“ „komplett“ versorgt wird, wie es auf der Homepage unserer Uni heißt, kann demnach zumindest angezweifelt werden. Gekostet hat die Anlage übrigens etwa 200.000 €. »red«

Nachtrag (28.10.15): »Zu wenig Strom für das „MetaLicht“«, schreibt die Wuppertaler Rundschau in der heutigen Print-Ausgabe und berichtet in ihrer Titelstory über die 200.000 Euro teuren „Flügelhügel“-Windräder neben dem Rektoratsgebäude. Der Artikel ist mittlerweile auch online auf der Webpräsenz der Rundschau verfügbar.

Nachtrag (25.10.15): Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) mussten gegenüber dem WDR einräumen, dass die „Flügelhügel“-Windräder – entgegen bisheriger Aussagen von Universität und WSW – das MetaLicht nicht ausreichend mit Energie versorgen. Es muss Ökostrom hinzugekauft werden. Unter dem Titel „Windräder sind ein Flop“ hat der WDR einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Zudem war die Frage der Energieversorgung des MetaLichtes Teil eines WDR Lokalzeit-Beitrages.

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Ein Kommentar zu Woher kommt der Strom für das MetaLicht?

  1. Das verstehe ich nicht:

    In Wuppertal konnte man früher Elektrotechnik studieren.

    Es gab damals auch den Studienschwerpunkt Energietechnik und auch das Fach elektrische Maschinen.

    Ist es damit jetzt vorbei ?

    Wo ist denn jetzt das Problem ein paar Umrichter an die Permanentmagnet-Generatoren anzuschliessen ?

    Das wäre doch ein interessantes Projekt für die regenerativen Energiesysteme.

    Können die Studenten das nicht ? Lernen die in Wuppertal nichts mehr ?

    Verwundert …

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