Fair und nachhaltig: Wuppertaler Socken-Startup arrel setzt ein Statement

Hyon-Ho (36), Zoran (35) und Markus (34) kennen sich seit ihrer Schulzeit auf dem Wuppertaler Gymnasium St.-Anna-Schule. Zu den vielen Dingen, die sie freundschaftlich verbinden, gehört die gemeinsame Leidenschaft für Sneaker. Die dazu passenden Socken produzieren und vertreiben sie nun mit ihrem Startup arrel. Wir haben mit den drei Gründern über ihr neues Unternehmen gesprochen.

Die arrel-Gründer (v.l.) Markus, Zoran und Hyon-Ho - Foto: Celine de Groot

blickfeld: „Hallo Hyon-Ho, Zoran und Markus – ihr kennt euch schon eine halbe Ewigkeit und nun habt ihr mit arrel zusammen ein Startup gegründet, das eigens gestaltete Tennissocken auf den Markt bringt. Wie kam es dazu und was sind eure Ziele?“

Zoran: „Wir drei sind wahre Sneakerfans und lieben den damit verbundenen Style, zu dem auch weiße Tennissocken gehören. Auf dieser Basis haben wir uns den Markt angesehen und festgestellt, dass große Brands vor allem im asiatischen Raum produzieren lassen – was oft weder umwelt- noch arbeitnehmerfreundlich ist.“

arrel produziert seine Socken „nachhaltig und fair“ innerhalb der Europäischen Union

Hyon-Ho: „Deswegen haben wir uns als Ziel gesetzt, eine Marke aufzubauen, die nachhaltig und fair ist, sowie innerhalb der Europäischen Union produziert. Anfangs haben wir überlegt, auch weitere Textilprodukte auf den Markt zu bringen, uns dann jedoch auf Socken fokussiert.“

Markus: „Socken haben den Vorteil, dass die Anzahl an Größen überschaubar ist. Zudem sind wir komplett eigenfinanziert, haben also keine externen Kapitalgeber. Darüber hinaus sind wir alle berufstätig und haben jeweils eine Familie. Alle Firmenaktivitäten laufen somit in unserer Freizeit.“

blickfeld: „Wie war der Weg von der Idee zum fertigen Produkt?“

Markus: „Wir waren mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Allen voran mussten wir einen Produzenten innerhalb der Europäischen Union finden, der unseren Ansprüchen in puncto Nachhaltigkeit und Co. genügt. Damit verbunden sind viele steuer- und zollrechtliche Fragen. Und auch die eigene Unternehmensform, wir haben uns für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts – kurz GbR – entschieden, musste geklärt werden.“

Zoran: „Fündig geworden sind wir in Litauen. Unser dortiger Produzent hat bei der Business Social Compliance Initiative bzw. beim damit verbundenen Verhaltenskodex die Bestnote ‚A‘ für soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit erreicht. Verarbeitet wird Bio-Baumwolle mit höchstem OEKO-TEX Standard. Auch wird durch den Global Organic Textile Standard sichergestellt, dass der Rohstoff von der Ernte bis zur Herstellung höchsten Umwelt- und Sozialstandards entspricht.“

arrel produziert innerhalb der Europäischen Union in Litauen – Foto: arrel.de

Hyon-Ho: „Leider haben wir es, unter anderem aufgrund der Corona-Pandemie, noch nicht geschafft, die Produktionsstätte vor Ort in Litauen zu besuchen, werden dies aber alsbald nachholen. Zudem stehen wir im regelmäßigen Kontakt mit unseren Ansprechpartnern vor Ort und haben uns per Video-Call die Produktion zeigen lassen.“

Wuppertaler Startup möchte einen Gegentrend zur „Fast Fashion“ setzen

blickfeld: „Ihr legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und Fairness – was spornt euch dazu an?“

Hyon-Ho: „Wir achten bereits in unserem Privatleben darauf, nachhaltig zu konsumieren und da ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dies auch innerhalb unserer unternehmerischen Aktivitäten fortzusetzen. Mehr noch: Wir möchten einen Gegentrend zur oft fragwürdig produzierten Fast Fashion setzen.“

Zoran: „Deswegen setzen wir unsere Linie bis zum Kunden fort. Unsere Versandkartons sind komplett plastikfrei und bestehen aus Altpapier und Grasfaser, was den Wasserbedarf in der Produktion erheblich senkt. Beim Versand setzen wir auf einen Ausgleich der anfallenden Emissionen.“

Markus: „Daneben spenden wir mit jedem über unseren Online-Shop verkaufen Sockenpaar einen Euro an die Non-Profit Organisation Aktion Baum, um die Aufforstung von Wäldern, aber auch die Vermittlung des damit verbundenen Wissens zu fördern.“

blickfeld: „Apropos Baum – damit kämen wir zu eurem Logo und dem Namen arrel, der aus dem Katalanischen stammt und ‚die Wurzel‘ bedeutet. Wie kam es zu diesem?“

Hyon-Ho: „Eine Wurzel kann einen Anfang symbolisieren. Einerseits ist die Idee für die Unternehmensgründung während eines Barcelona-Urlaubs entstanden, andererseits haben wir drei unsere Wurzeln hier in Wuppertal. Hier sind wir aufgewachsen und stehen für gemeinsame Werte, zu denen Offenheit, Liebe, Toleranz, Freude und Nachhaltigkeit gehören. Gemeinsam wollen wir etwas aufbauen und durch unser soziales Engagement die Gesellschaft daran teilhaben lassen.“
arrel setzt auf politische und witzige Statements

blickfeld: „Derzeit bietet ihr neun Sockenmotive im Onlineshop an. Wie kam es zu diesen und wie ist die Resonanz bislang?“

Markus: „Wir haben zusammengetragen, welche Statements uns wichtig sind, was wir vermitteln wollen. Da sind eine Menge Ideen zusammengekommen. Die aktuelle Auswahl ist breitgefächert, enthält Politisches aber auch Witziges. Unsere Freundin Vivia Quarder hat die von uns entworfenen Ideen dankenswerterweise grafisch umgesetzt, während unser Kumpel Marc Weber die Produkte fotografisch in Szene gesetzt hat.“

Hyon-Ho: „Schnell einig waren wir uns darin, in der Gestaltung clean und schlicht zu bleiben und nicht bunt und zu verspielt zu werden. So wird vor allem das Statement hervorgehoben und bleibt im Fokus. Über die aktuellen neun Motive haben wir intern demokratisch abgestimmt.“

Eine Auswahl an arrel-Motiven – Foto: Marc Weber

Zoran: „Wir haben unsere Socken während des diesjährigen Luisenfestes im Mai erstmals präsentiert, was mit Begeisterung aufgenommen wurde. Unseren Online-Shop haben wir einen Monat später gestartet und erhalten seitdem Bestellungen aus ganz Deutschland und allen Altersgruppen. Was uns darüber hinaus auch sehr freut, ist, dass bereits Promis wie Kai Pflaume oder Malik Harris unsere Socken tragen.“

blickfeld: „Plant ihr zukünftig euer Repertoire zu erweitern?“

Hyon-Ho: „Unser Fokus bleibt zunächst auf Socken. Jedoch wurde von Kundenseite bereits der Wunsch an uns herangetragen, diese auch in Kindergröße zu produzieren. Das prüfen wir derzeit.“
Markus: „Zudem bauen wir unseren Vertrieb aus. Unsere Produkte sind in Wuppertal bereits bei Fashion Victim sowie in Düsseldorf erhältlich. Zusätzlich führen wir aussichtsreiche Gespräche über einen Verkauf in Köln und Münster.“

Zoran: „Wir möchten Schritt-für-Schritt in den stationären Handel kommen, wobei unser Hauptaugenmerk auf NRW und Städten wie Köln, Münster oder Dortmund liegt.“

LO VE – Foto: arrel.de

Zwei Gründer studierten an der Bergischen Universität Wuppertal

blickfeld: „Markus und Zoran, ihr beide habt an der Bergischen Universität Wuppertal studiert. Konntet ihr während der Gründungsphase von eurem Studium profitieren?“

Markus: „Ich habe bis 2016 den Master in Management und Marketing mit Schwerpunkt Unternehmensgründung absolviert. Gerade die Vorlesungen von Christiane Blank um Thema Social Entrepreneurship haben mir gezeigt, dass es nicht nur um Profite geht, sondern weitere Aspekte, etwa soziale, eine große Rolle spielen. Das hat mich geprägt und auch zur eigenen Gründung motiviert.“

Zoran: „Ich habe 2014 den Bachelor in Wirtschaftswissenschaft abgeschlossen und viele Basics mitgenommen. Beachtlich finde ich es, welche Entwicklungen die Universität seitdem vollzogen hat, um eine gründungsfreundliche Umgebung für Studierende zu schaffen, angefangen von der gezielten Vermittlung von Kompetenzen bis hin zu Vernetzungsmöglichkeiten.“

blickfeld: „Vielen Dank für das Gespräch!“ »mw«

Das Interview führte Martin Wosnitza

Weitere Informationen zu arrel

Webseite: www.arrel.de

Online-Shop: www.arrel.de/shop

Instagram: @arrel.de

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