Viel Lärm um nichts?

Etwas erfolgreicher als 2011 ging der Tag des Studiums dieses Jahr über die Bühne. Ein gutes Zeichen?

„Warum legt ihr uns Steine in den Weg?“
„Warum legt ihr uns Steine in den Weg?“

Bereits im Parkhaus erblickt man die Programmheftchen, überall fallen einem Flyer in die Hände. In den Gebäuden sind die wichtigsten Hörsäle gut ausgeschildert. Bereits im Vorfeld haben viele Dozenten auf das Ereignis hingewiesen und die Studierenden zum Kommen und Mitmachen animiert.
Dennoch wirken viele Gänge wie leergefegt. Man begegnet lediglich einigen Studenten, die den Ausfall der Veranstaltungen ab 12 Uhr ausnutzen und nach Hause eilen.
„Gehst du nicht zum Tag des Studiums?“, ruft jemand im Gang. „Ich hab frei! Was soll ich da noch hierbleiben?“, antwortet ein junger Student mit roten Haaren und schwarzer, eckiger Brille.

Dabei veranstaltet die Universität den Tag des Studiums für sie – die Studierenden. Zusammen mit den Lehrenden soll über die Qualität ihres Studiums diskutiert werden. Verbesserungen können nur dort vorgenommen werden, wo man Probleme erkennt. So sollen beste Voraussetzungen auch für die nachfolgenden ‘Generationen‘ geschaffen werden. Ziel ist ein angenehmes Miteinander, kein nervenaufreibendes Gegeneinander.

Romanistik retten!
Romanistik retten!

Wer vor Hörsaal 22 steht, kann das Werk der Romanistikstudenten bewundern. Sie haben ein Banner aufgehängt. „Romanistik retten!“, steht abwechselnd in roten und orangenen Buchstaben darauf. Unter dem Banner türmen sich Kisten, ebenfalls in orange beschrieben: „Warum legt ihr uns Steine in den Weg?“
Aha, es sind also doch Studenten da. Auf dem Boden liegen Zettel, die zu Hörsaal 14 weisen. Dort, wo beim letzten Tag des Studiums noch die Informationsveranstaltung zum „Master of Education“ stattfand, wird dieses Mal über den Fachbereich A diskutiert. Jemand hat den Ablauf an die Tafel gekritzelt. „Latein, Musik, Romanistik, Katholische Theologie, Anglistik, Philosophie“. Der Hörsaal ist zu dreiviertel gefüllt. In den vorderen Reihen sitzen erstaunlich viele schwarz gekleidete Studenten. Es sind die Romanisten. Während die Neuerungen ihres Fachs vorgestellt werden, klatschen sie und halten Plakate hoch. Sie wollen ihr Fach retten und protestieren gegen den geplanten Stellenabbau. Als sie gegen Ende des Vortrags aufstehen und sich um das Rednerpult versammeln, um ihren Protest auszudrücken, wird deutlich: Wären sie nicht hier, wäre dieser Hörsaal ziemlich leer.

Ohne die Romanisten wäre er ziemlich leer: Hörsaal 14 am Tag des Studiums
Ohne die Romanisten wäre er ziemlich leer: Hörsaal 14 am Tag des Studiums

Das spiegelt auch den Eindruck der anderen Hörsäle wider. Eine halbe Stunde nach Beginn des Tags des Studiums findet man bereits in manchen Räumen niemanden mehr. In anderen Sälen und Räumen identifiziert man ein paar wenige Studenten neben den vielen Lehrenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Vertreterinnen und Vertretern der Fachschaften.
Wo sind nun all die unzufriedenen Studenten, für die dieser Tag gedacht ist? Die, die sich über ihre Prüfungsordnungen beschweren oder über die Verwaltung der Universität. Die, die etwas ändern wollen, so wie die Romanisten.

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Vielleicht ist doch nicht alles so schlimm, wie es immer behauptet wird? Das wäre zumindest eine Erklärung für die mäßige Beteiligung.

Allerdings muss auch gesagt werden: Es ist mehr los als beim letzten Mal.
Ob das als ein Zeichen für das Engagement oder mehr Unzufriedenheit der Studenten zu interpretieren ist, bleibt jedem selbst überlassen. »ls«

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  1. Der Blecker

    Tja, so ist das halt. Die Universität, wie sie einst mal gedacht war, stirbt eben aus. Abschlüsse werden entwertet. Abi ist jetzt der Allerweltsabschluss, ein Bachelor das neue Abi. Nur mit angeblicher Berufsqualifizierung. (?)

    Warum niemand zum Tag des Studiums kommt?
    Es gibt keine Credit Points dafür.
    Es muss Freizeit geopfert werden.
    Es gibt keine Credit Points dafür.
    „Diskutieren bringt eh nix.“
    Hatte ich erwähnt, dass es keine Credit Points gibt?
    „Es ändert sich ja eh nix.“
    „Was geht mich das denn an.“
    „Da chillen eh nur die komischen Hippies ab, Bruda.“

    Unzufriedene Studenten? Womit unzufrieden? Prüfungsordnung? Dann mit der Tatsache, dass man nicht gleich alle CP hinterher geworfen bekommt.

    Finds ja ganz süß, wie sich einige immer noch an die ursprüngliche Idee der Uni klammern.
    Aber: Die Uni ist jetzt Sekundarstufe 3, nicht mehr.
    War ja vorauszusehen mit steigender Studentenzahl.
    Kritisches Denken, Diskurs und Wissenschaft sind erstens uncool und zweitens unerwünscht.

    Der Bachelor soll allein Vorteile auf dem Arbeitsmarkt sichern. Stacheln für die Ellenbogen.

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