Ein Erfahrungsbericht zur Führung durch die Wuppertaler Hardtkaverne

Mitte September lud die Stadt Wuppertal zusammen mit dem Arbeiterkreis Kluterthöhle e.V. zum wiederholten Mal zum „Tag des Geotops 2017“ ein.

Abenteuerlustige Bürgerinnen und Bürger der Stadt, aber auch Naturfreunde aus der Umgebung hatten die besondere Gelegenheit, die Wuppertaler Hardtkaverne – oder für die ganz Harten, die sich in der Nähe befindliche Hardthöhle von innen und ggf. auf allen Vieren zu erkunden. Der Begriff „Kaverne“ leitet sich übrigens vom lateinischen caverna (Höhle) ab und bedeutet in diesem Fall ganz einfach „Hohlraum“.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

Gut gerüstet auf dem Weg zur Führung © jzo

Weil immer nur Netflix ja auch blöd ist, entschied ich mich dafür, bei der Kavernen-Führung mitzumachen. An einem milden und sonnigen Septembertag stehe ich also in voller Outdoor-Montur mit meiner zeltartigen Jack Wolfskin Jacke, Buddelhose, Stirnlampe, gelbem Bob-der-Baumeister-Helm und – in weißen Turnschuhen – am Treffpunkt Bushaltestelle Dietrich-Bonhoeffer-Weg und schwitze. Mal abgesehen von den weißen Turnschuhen bin ich für jemanden, der so etwas sonst nie macht, erstaunlich gut ausgerüstet.

Bevor es in die Kaverne geht, gibt Diplom-Geologe Hubert Leonard Nobis vom Ressort Umweltschutz der Stadt Wuppertal eine kurze Einführung. In dieser geht es um die Entstehung und Besonderheiten des Hardtbergs sowie um die wichtigsten klimatologischen und geologischen Entwicklungen des Stadtgebiets innerhalb der letzten 400 Millionen Jahre. Was ich behalte, ist, dass in Wuppertal einst tropisches Klima herrschte. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sanken im Laufe der Jahrtausende, der Regen ist uns hier jedoch offenkundig treu geblieben.

Wie entstand die Hardtkaverne?

Im Inneren der Hardtkaverne © jzo

Nachdem Nobis über natürlich gebildeten Gesteinsformen gesprochen hat, leitet er über zur Hardtkaverne, deren Entstehungsprozess im Verhältnis eine verschwindend geringe Zeitspanne umfasste und dabei gar nicht mal so natürlich ablief: Ende der 1960er Jahre wurde sie gesprengt, weil … – Ja, warum eigentlich? So richtig weiß das anscheinend keiner. In der offiziellen Infobroschüre zum Tag des Geotops heißt es, dass die Kaverne „unter dem Eindruck des kalten Krieges gebaut“ wurde, um dort ein unterirdisches Kraftwerk zu errichten. Das Kraftwerk wurde nie gebaut. Was bleibt, ist eine Kaverne, die circa 235 Metern in den Hardtberg hineinreicht und an einigen Stellen bis zu 20 Meter hoch ist. Bei genauerer Betrachtung oder durch enthusiastisches Daraufzeigen des Höhlenführers offenbarten sich ein paar interessante geologische Funde. Entdeckt wurde die Höhle erst im Jahr 2015.

In der Hardtkaverne: glitzernde Höhlenwände und Fossilien

Der Eingangsbereich der Hardtkaverne © jzo

Nach einem zehnminütigen Fußmarsch, der uns über Stock und Stein bergab in die Nähe der Wupper führt, erreichen wir unter Ächzen den Eingang zu diesem Zeugnis einer gut durchdachten und nachhaltigen Planung: Die Hardtkaverne. Hinter einer schweren Stahltür befinden sich 235 Meter matschiger Höhlengang, die zu meiner Enttäuschung auf voller Länge mit strahlendhellen Halogenlampen bestückt sind. Aber ich habe doch eine Stirnlampe. Die kann sogar SOS blinken. Ein Mitarbeiter des Arbeiterkreises führt die Gruppe zwischen den tropfenden, mit glitzernden Ablagerungen überzogenen Höhlenwänden hindurch. Er zeigt uns hoch oben an der Kavernenwand ein Fossil der Gattung Nautilus, das für mich aussieht wie eine Art Krebstier. Hierbei handelt es sich um einen Vorfahren des Tintenfisches, also um ein Lebewesen, das seinen Lebensraum im Meer hat. Schwer vorstellbar, dass eben dieses Wesen heute in Wuppertal an einer Höhlenwand klebt.

Die kleine Steinhöhle © jzo

Etwas später klinke ich mich aus, um die Höhle auf eigene Faust zu erkunden. Alleine bin ich in Höhlen einfach effizienter. Zu meiner Linken entdecke ich in der Wand eine kurze, grottenartige Aushöhlung, in die ich mich kurzerhand erst vergeblich vorwärts und dann einigermaßen zufriedenstellend rückwärts begebe. Dort sitze ich dann – fast bündig – in meiner kleinen Steinhöhle und bin glücklich. Meine Kleidung ist von oben bis unten voll mit rotbraunem Schlamm bedeckt. Da meine Hände bei der Kletteraktion auch etwas kontaminiert wurden, male ich mir damit gleich noch eine lässige Indianer-/Kriegsbemalung auf die Wangen: Fürs Foto …


Wie war’s in der Hardtkaverne?

Gut ausgeleuchtet © jzo

Alles in Allem hat mir die Führung durch die Hardtkaverne gut gefallen und ich kann sie jedem empfehlen, der sich gerne aktiv in der Natur betätigt, gut zu Fuß ist und kein Problem damit hat, sich von oben bis unten einzusauen. Da die Höhle einige Meter breit und hoch ist, könnten auch klaustrophobisch veranlagte Menschen Freude daran haben. Daneben unterstützt man durch den Kauf eines Tickets den Erhalt des Naturschutzgebietes Hardhöhlen. Sechs Euro sind meines Erachtens ein fairer Preis dafür. Ich für meinen Teil plane nächstes Jahr „eine Schippe draufzulegen“ und an einer Führung durch die engen, matschigen und niedrigen Gänge der Hardthöhle teilzunehmen – dann aber lieber mit schwarzen Gummistiefeln als mit weißen Turnschuhen. Vielleicht kommt dort auch endlich meine Stirnlampe zum Einsatz. »jzo«

Janina Zogass ist Redakteurin bei blickfeld, studiert Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Wuppertal und hat sich in die Höhle getraut.

Mehr Informationen zur Wuppertaler Hardtkaverne: www.akkh.de

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