Über den Brückensteig auf die Müngstener Brücke – ein Erfahrungsbericht

Sie ist die Verbindung zwischen Solingen und Remscheid über die Wupper, gerade 124 Jahre alt geworden, 107 Meter hoch und die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Die Rede ist von der Müngstener Brücke, die dank des Teams des Brückensteigs ab dem 1. August 2021 von allen, die mutig genug sind, bestiegen werden kann. Unsere Redakteure Martin und Lili hatten den Mut und konnten bereits vorab "The Heart of the Beast" erklimmen.

Martin: „Es war nicht einfach, jemanden zu finden, der mit mir den Brückensteig erkunden wollte. Neben terminlichen Überschneidungen wurde mir oft Höhenangst als Grund dagegen mitgeteilt. Aber du, Lili, bist dann glücklicherweise mitgekommen.“

Lili: „Ich war sofort aufgeregt und befürchtete schon, dass das Angebot, mitzukommen, gar nicht ernst gemeint war. Das kam so kurz nach der Pressekonferenz zum Brückensteig und ich hatte selbst erst kürzlich von dieser neuen Möglichkeit im Bergischen Städtedreieck erfahren. Meine Vorfreude wurde dann größer, als klar wurde, dass wir das wirklich machen.“

Martin: „Das Ganze war terminlich in der Tat sehr spontan, aber du warst auch die Erste, die keine Höhenangst hat.“

Lili: „Die Höhe machte mir auch keine Sorge, eher mein Fitnessstatus. Ich bin nicht die sportlichste Person und sah mir schon mit meiner Raucherlunge halb sterbend oben die Blöße geben. Aber der Ausblick, den man bereits während der Zugfahrt auf der Müngstener Brücke erlebt, hat mich zusätzlich motiviert, diese auch zu besteigen.“

Der Aufstieg beginnt © mw

Der Brückensteig startet am Haus Müngsten

Martin: „Ich fand bereits den Empfang super, als unser Tour-Guide Julius uns am Haus Müngsten begrüßt hat.“

Lili: „Ja, sehr sympathisch und wir haben in der kleinen Dreier-Gruppe sofort einen persönlichen Draht zueinander gefunden. Generell hat sich der Brückensteig im zweiten Obergeschoss des Haus Müngsten ein cooles Headquarter eingerichtet, das einen guten Einstieg zum Kennenlernen bietet und einen vorab noch mal runterkommen lässt.“

Martin: „Sicherheit wird beim Brückensteig groß geschrieben. Wir haben im Headquarter eine umfassende Unterweisung erhalten und wurden mit Helm, Kletterausrüstung und Funkgerät ausgestattet. Ich fühlte mich sofort gut aufgehoben.“

Lili: „Ab dem Zeitpunkt, wo ich das Klettergeschirr überzog, hatte ich keinerlei Bedenken mehr. Auf der Brücke war mir klar, dass selbst, wenn ich wegrutschen würde, ich immer gesichert bin.“

(v.l.) Lili, Julius und Martin © mw

Sicher geht es auf die Müngstener Brücke

Martin: „Unsere Tour war ja ein wenig anders, als künftige Gruppen sie demnächst erleben werden. Normalerweise starten Gruppen von der Solinger Seite, wir sind jedoch aufgrund von noch laufenden Arbeiten von Remscheid aus hinaufgestiegen.“

Lili: „Eigentlich geht es vom Haus Müngsten zu Fuß hoch zum Brückenfundament, aber ich fand es schon spannend, die Strecke mit dem Jeep zurückzulegen, was einzigartig und auch ein wenig abenteuerlich zugleich ist.“

Martin: „Den anschließenden Aufstieg fand ich entgegen meiner Befürchtung gar nicht so anstrengend. Dadurch, dass ich links am Geländer und rechts an der Brücke selbst die Arme dazunehmen konnte, haben wir es recht zügig hochgeschafft.“

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Lili: „Ich bin, als die vielleicht Unsportlichste, vorangegangen und habe das Tempo vorgegeben. Hin und wieder haben wir Pausen gemacht und schon die haben sich nicht nur gelohnt, um Luft zu schnappen. Jedes Mal konnten wir einen anderen Blickwinkel auf den Brückenpark Müngsten genießen. Zudem hatten wir Glück mit dem Wetter. Es war nicht zu heiß und die ganze Zeit wehte ein leichter, sehr angenehmer Wind.“

Martin: „Zudem fand ich toll, wie gut wir uns mit unserem Tour-Guide Julius verstanden haben und uns über Vieles austauschen konnten.“

Lili: „Ja, das war eine richtig lockere Atmosphäre.“

Aussicht aus etwa 100 Meter Höhe © mw

Den gesamten Brückenpark Müngsten vom Brückensteig aus überblicken

Martin: „Oben angekommen konnten wir eine tolle Aussicht genießen. Für die beste Perspektive mussten wir jedoch eine kleine Mutprobe bewältigen: den Steg.“

Lili: „Ja, die breitere Plattform für den Übergang von der einen zur anderen Brückenseite war noch nicht fertig.“

Martin: „Ich hatte anfangs leichte Bedenken, aber erstens ist man die ganze Zeit an einem Stahlseil eingeklinkt und zweitens bietet ein weiteres Seil, das angebracht wurde, zusätzlichen Halt. Rückblickend betrachtet hätte ich es bereut, wenn ich den Steg nicht gemacht hätte. Wenn man auf ihm steht, unter dir die Wupper, um dich herum die Brücke, dann ist das ein einzigartiges Gefühl. Du stehst quasi in der Brücke drin.“

Lili: „Kann dir nur zustimmen. Bin ebenfalls froh, es gemacht zu haben, weil du einen Blick auf die Brücke – oder wie ich lieber sage ‚The Heart of the Beast‘ – bekommst, den nur diejenigen kennen, die die Brücke gebaut oder später saniert haben.“

Fast geschafft! – der Steg der Müngstener Brücke © mw

Zum Abschluss eine bergische Waffel im Haus Müngsten

Martin: „Zudem konnten wir so das Panorama auf der anderen Seite mit Blick auf das Haus Müngsten genießen, den ich sogar spannender finde, als die Perspektive in Richtung Remscheid.“

Lili: „Neben dem Ausblick fand ich auch das Erlebnis toll, wenn ein Zug über die Brücke fuhr, was sehr laut ist, aber zugleich die Brücke nicht annähernd so stark vibrieren lässt, wie ich angenommen hätte. Weiter bietet der Abstieg einmalige Perspektiven und vermittelt das Gefühl des Klimaxpunktes einer Achterbahn, kurz bevor sie nach vorne kippt.“

Martin: „Das Ganze ist eine Erfahrung, von der ich gerne berichte und die ich jedem nur empfehlen kann, sie zu machen. Bin gespannt, wie mein zweiter Besuch auf dem Brückensteig im August sein wird.“

Lili: „Ich denke, er wird anders sein. Wir hatten eine private Tour in einem sehr intimen und exklusiven Rahmen. Ich habe im Anschluss den ganzen Abend über gemerkt, wie sehr mich das Ganze aufgeputscht und glücklich gemacht hat. Ich wollte jedem davon erzählen. Bei den im August startenden regulären Touren werden die Gruppen jedoch größer sein, was aber zugleich andere Möglichkeiten bietet. Ich denke da an Junggesellenabschiede, Unternehmensausflüge, Touren mit Freunden oder der Familie, der man das Bergische Land zeigen will.“

Martin: „Und zum Abschluss gibt es im Haus Müngsten noch eine hausgemachte bergische Waffel, um im Angesicht der Brücke und bei einem kühlen Getränk das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen.“ »red«

Mehr Informationen zum Brückensteig an der Müngstener Brücke:

Brückensteig | Der Klettersteig an der Müngstener Brücke

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