Drei Jobs neben dem Studium reichen nicht

Fast drei Viertel der Studierenden arbeiten laut einer Forsa-Umfrage neben dem Studium. Viele haben im Zuge der Corona-Krise ihren Job verloren und mussten staatliche Hilfe in Anspruch nehmen – so auch Studentin Chantal Czaja (20).

Die gebürtige Wuppertalerin studiert seit dem Wintersemester 2019/2020 Psychologie an der Bergischen Universität. Vor der Pandemie jobbte sie nebenbei für eine Psychiaterin und arbeitete Gutachten mit aus. Doch mit Corona blieben die Patienten aus und ihr Verdienst fiel weg. „Erst im März zog ich in meine erste eigene Wohnung und muss, um alle Kosten zu decken, arbeiten gehen. Also habe ich angefangen, mir einen neuen Job zu suchen“, so die angehende Psychologin.

Viele Bewerbungen liefen ins Leere

Seitdem liefen viele Bewerbungen für Aushilfs-, Mini- und Teilzeitjobs ins Leere. Zwar hatte sie zwischenzeitlich eine Zusage für einen Kellner-Job, „doch mit der Krise hat sich die Neueröffnung des Cafés verschoben.“ Nun ist sie für eine Reinigungsfirma tätig, gibt demnächst Nachhilfe und arbeitet als Texterin für eine Webplattform. „Meine Eltern haben mir zwischenzeitlich unter die Arme gegriffen“, so Czaja.

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BAföG erhalte sie erst seit diesem Monat: „Ganze 78 Euro sind es geworden. In meinen ersten beiden Semestern wurden meine Anträge aufgrund der Vermögensverhältnisse meiner Eltern abgelehnt. Diese können mich jedoch wegen anderer finanzieller Verpflichtungen nicht groß unterstützen.“ Daher habe sie die von der Bundesregierung eingeführte Überbrückungshilfe genutzt. Abhängig vom Kontostand konnten Studenten jeweils für die Monate Juni bis September bis zu 500 Euro erhalten. „Am Anfang habe ich 300 Euro bekommen, das letzte Mal die vollen 500 Euro“, berichtet Czaja.

Beim Semesterbeitrag half die Großmutter aus

Doch abzüglich der Fixkosten, wie Miete, Strom und Internet, sei davon kaum etwas übriggeblieben, was zum Beispiel beim Semesterbeitrag für diesen Winter problematisch wurde: „Da hat dann meine Großmutter ausgeholfen.“ Generell habe sie viel Unterstützung durch ihr soziales Umfeld erfahren: „Da ich stets knapp bei Kasse war, haben mein Partner und meine Freunde hier und da, wenn wir gemeinsam was unternommen haben, etwas ausgegeben und waren spendabel.“

Frustrierend wurde es für Czaja jedoch jedes Mal, wenn sie die Überbrückungshilfe beantragen musste, was monatlich nötig war: „Der Antrag hat mir immer vor Augen geführt, dass es wieder nicht klappt, es selbst zu schaffen – trotz Job und Bewerbungen. Familie und Freunde sind auch nicht dafür da, das dauerhaft auszugleichen. Bei anderen ist das auch gar nicht möglich, da habe ich großes Glück.“ Vor dem Hintergrund, dass die Hilfe der Bundesregierung nun ausgesetzt wurde, überlegt sie, einen Studienkredit aufzunehmen.

Wunsch nach weniger Ungewissheit

Sie wünscht sich für die Zukunft weniger Ungewissheit – nicht nur auf finanzieller und beruflicher Ebene, sondern auch in puncto Universität: „Es zeichnet sich ab, dass das Hybridsemester digitaler sein wird, als anfangs geplant. Mir fehlt das Campusfeeling, etwa in der Bibliothek an der Hausarbeit schreiben und neuen Leuten begegnen. Oder das Nachhausekommen nach der Uni, denn durch das digitale Semester, das zu Hause am Bildschirm stattfindet, gibt es keinen wirklichen Feierabend.“ »mw«

Hinweis: Chantal Czaja kommt auch im Westpol „Wenn das Geld fehlt: Studierende in Not“ zu Wort. Der Beitrag kann in der WDR-Mediathek abgerufen werden.

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe der Westdeutschen Zeitung vom 22. Oktober 2020.

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