UniCard – eine Karte für alles?

Im Rahmen der anstehenden Wahl zum Studierendenparlament (27.06 bis 01.07) veröffentlichen die zugelassenen Hochschulgruppen ihre Wahlprogramme. Häufiger als in der Vergangenheit ist die Forderung nach einer UniCard zu finden, eine Karte die Studierendenausweis, Bibliotheksausweis, ÖPNV-Ticket und viele andere (Dienst-)Leistungen auf einem Medium vereint. Auch innerhalb der Studierendenschaft stößt diese Forderung oftmals auf Sympathie. Dennoch fokussiert die Hochschulverwaltung eine Umsetzung nicht und auch einige Hochschulgruppen lehnen die UniCard ab.

In den Programmen des „RCDS1 & Unabhängige“, der LHG2 und der PARTEI ist eine entsprechende Forderung zu finden. Dabei steht die Fusion des VRR/NRW-Tickets mit einer entsprechenden UniCard im Vordergrund. Die aktuelle Ticket2Print-Version wird als unkomfortabel und lästig angesehen. Keine UniCard, aber die Zusammenführung von Studierendenausweis und Semesterticket wird auch von dem RSF3 befürwortet.

Die liberale Hochschulgruppe (LHG) verweist dabei auf andere universitäre Standorte wie die Ruhr-Universität Bochum, die eine UniCard mit zahlreichen Funktionen eingeführt hat. Doch gilt die dortige UniCard nach Recherchen der blickfeld-Redaktion nur für den Bereich des VRR als Semesterticket. Für NRW-weite Fahrten ist ebenfalls ein Ticket2Print notwendig4. Gleiches gilt auch für die TU Dortmund5.

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„Die Unabhängigen“ erinnern im Kontext mit dem Semesterticket an Erklärungen seitens der Wuppertaler Stadtwerke und der Hochschulleitung. Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen beiden Akteuren über eine Umsetzung per NRW-Hologramm auf den Studierendenausweisen wurde die Ticket2Print-Version als einzige Option offeriert. Das studentische Videomagazin „engelszunge.info“ stellt die damaligen Hintergründe in einem Beitrag dar.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Thematik des Datenschutzes. „Die Unabhängigen“ befürchten einerseits eine – je nach Technologie – leichte Auslesbarkeit der UniCard (und der gespeicherten Daten) und andererseits die Implementierung zusätzlicher Funktionen zum Nachteil der Studierendenschaft wie z.B. eine digitale Anwesenheitsliste bei Veranstaltungen. Auch die liberale Hochschulgruppe unterstreicht die Wichtigkeit des Datenschutzes, sieht jedoch ausreichende, technologische Möglichkeiten um eine bedenkenlose Umsetzung zu gewährleisten.

Die Universitätsverwaltung, die schlussendlich die Hauptinstanz zur Einführung einer UniCard darstellt, gibt die kostentechnische Perspektive zu bedenken. In einem persönlichen Gespräch mit der blickfeld-Redaktion bezifferten der Dezernent Herr Klaus-Dieter Lutz (Akademische und studentische Angelegenheiten) und der Leiter des Studierendensekretariats, Herr Wanzke, das Investitionsvolumen bei einer Million Euro. Weiterhin entstünde ein Personalbedarf von zwei Stellen zur Verwaltung der entsprechenden Infrastruktur. Dies seien die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe aus dem Jahre 2003. Hintergrund sei die gewünschte Multifunktionalität der Karte, welche eine Umstellung vieler, aktuell autarker Systeme wie die Versorgungsstandorte des Hochschulsozialwerks oder die Universitätsbibliothek, erforderlich macht.

Ferner sieht die Universitätsverwaltung auch vor dem Hintergrund des Projekts „Reorganisation Campus Management“ keine Ressourcen zur Umsetzung einer UniCard.

Beim Punkt Semesterticket ist man zudem mit der aktuellen Lösung zufrieden, da sie beispielsweise bei Verlust Verwaltungsvorgänge und –kapazitäten spart, da keine Neuausstellung seitens der Universitätsverwaltung notwendig wird.

Vor dem Hintergrund einer eher ablehnenden Haltung seitens der Wuppertaler Stadtwerke und der Universitätsverwaltung – als zentrale Akteure – scheint die Einführung einer multifunktionalen UniCard kaum realisierbar und auch die „kleine“ Version der Zusammenführung von Studierendenausweis und Semesterticket nicht in greifbarer Nähe zu sein. Auch ist eine entsprechende Mehrheit im Studierendenparlament notwendig, die eine Initiative für die UniCard startet – aktuell ist diese nicht zu finden. »mw«

Passend zum Thema:
Auflistung der zur Wahl des Studierendenparlamentes zugelassenen Listen / Hochschulgruppen (inkl. Links zu den bekannten Webpräsenzen): Die Listen zur StuPa-Wahl 2011

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1Ring Christlich-Demokratischer Studenten
2Liberale Hochschulgruppe
3Revolutionär Sozialistisches Forum
4Vgl.: http://www.ruhr-uni-bochum.de/zsb/studitic.htm
5Vgl.: http://www.itmc.tu-dortmund.de/dienste/verwaltungs-anwendungen/157/606-unicard-fragen.html#UniCard3

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