making utopia possible – Arbeiten am Wuppertal Institut

Annika Greven ist Absolventin der Bergischen Universität und arbeitet als Researcherin und Designerin am Wuppertal Institut. Wie sie dort die Zukunft mitgestaltet, hat sie blickfeld in einem Interview erzählt.

Annika Greven - Foto: hvn

„Ich hatte am Anfang keinen großen Plan“

„Meine Stärken sind Kunst, Mathe und Handwerk. Diese drei Potenziale in mir wollte ich nach dem Abitur verbinden, wusste aber nicht wie.“ Nach ihrem Abitur ging es Annika Greven so, wie vielen anderen Abiturient:innen auch. Wie stellt man sich die berufliche Zukunft vor, was will man die nächsten Jahre erreichen? Eher durch Zufall erfährt sie vom Bachelorstudiengang „Industrial Product Design“ in den Niederlanden und merkt: Alles, was sie interessiert, wird hier gefragt. Im Bachelor of Engineering kann sie das Kreative mit dem Handwerk verbinden, erlangt Verständnis für Fertigungsverfahren und Materialien und lernt, wie man Produkte gestaltet. „Ehrlich gesagt hatte ich am Anfang meines Studiums aber keine genaue Vorstellung davon, was man danach macht oder ist“, sagt Greven.

Während des Bachelors sammelt sie erste praktische Erfahrungen, arbeitet nach ihrem Abschluss in einer Agentur als Produktdesignerin. Doch richtig zufrieden ist sie noch nicht. „Nach dem Bachelor wusste ich erstmal nur, was ich nicht will. Ich wollte nicht klassisch in der Agentur arbeiten und noch einen Haartrockner gestalten. Ich wollte Prozesse in Gang bringen.

Sie entscheidet sich dazu, sich neu zu orientieren, und macht einen Auslandsaufenthalt in Südafrika. „Ich habe erstmal alle Strukturen abgerissen, weil so, wie es lief, war es nicht gut. In Südafrika ist dann die Idee für den Master gekommen“. Noch dort bewirbt sie sich auf einen Masterplatz und landet letztlich an der Bergischen Universität Wuppertal.

Ein Master als neue Perspektive

In Wuppertal lernt Greven im Masterstudiengang „Strategische Produkt- und Innovationsentwicklung“ mehr über strategische Innovation und die Organisation und Moderation von Innovationsprozessen. Gleichzeitig kann sie ihre Erfahrungen aus dem Design mit Kenntnissen aus den Bereichen Business und Engineering erweitern. Ein Blockkurs zum Thema Nachhaltigkeit bei Prof. Christa Liedtke stellt dann die ersten Weichen für ihre berufliche Zukunft. „Professor Liedtke arbeitet am Wuppertal Institut. In dem Kurs haben wir viel gelernt, weil sie aus dem wissenschaftlichen Kontext kommt und uns handfeste Werkzeuge mit auf den Weg gegeben hat.“ Die Studierenden lernen, Dinge anders infrage zu stellen: Was steckt hinter dem Produkt? Kann man es dematerialisieren, alternativ zum Beispiel als Dienstleistung anbieten? Dienstleistungen bringen mehr Nutzer für eine Ressource zusammen, sodass im Ganzen mehr Ressourcen geschont werden können, etwa wenn man Carsharing nutzt, statt ein eigenes Fahrzeug zu besitzen.

Im Wuppertal Institut, das sich selbst als eine „internationale wissenschaftliche Denkfabrik im Bereich der impact- und anwendungsorientierten Nachhaltigkeitsforschung“ bezeichnet, macht Greven ein Praktikum und sammelt praktische Erfahrungen als wissenschaftliche Hilfskraft. „Das war der erste Funke und der Grund, wieso ich mich dazu entschieden habe, meine Masterarbeit hier am Institut zu schreiben“, sagt sie. „Der Master hat für mich die Perspektive zur Nachhaltigkeit geöffnet.“

„Als Designerin habe ich gelernt, Probleme zu lösen“

In ihrer Masterthesis setzt sich Annika Greven mit der Entwicklung eines sozial und ökologisch nachhaltigen Geschäftsmodells für kleine und mittlere Unternehmen auseinander. Währenddessen und danach arbeitet sie am Wuppertal Institut, zwischenzeitlich als Freelancerin. Dann kommt das Stellenangebot: Sie kann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren im Wuppertal Institut arbeiten. „Ehrlicherweise habe ich da erst gezögert. Ich habe mich hier an einem Institut, das Wissenschaft macht, als Designerin kaum gesehen“, so Greven. „Ich habe mich aber schließlich dazu entschieden und es nicht bereut.“

Untertitel? – Foto: hvn

Mit ihr kommt die erste wissenschaftliche Mitarbeiterin aus dem Bereich Design in die Abteilung. Mittlerweile hat der Bereich Design mehr Einzug gehalten, die Abteilung ist inter- und transdisziplinär aufgestellt. Grevens Professorin aus dem Blockseminar, Prof. Christa Liedtke, ist jetzt ihre Abteilungsleiterin. Sie sieht das Potenzial im Design für Nachhaltigkeit. Als Designerin und Researcherin kann Greven die Methoden aus dem Design nun auch in der Forschung verankern: „Es gibt viele Probleme in den Nachhaltigkeitswissenschaften. Als Designerin habe ich gelernt, Probleme zu lösen.“ Ihre Schwerpunkte liegen in der nachhaltigkeitsorientierte und nutzer:innenzentrierte Innovation- und Produktentwicklung. Die Abteilung forscht an Methoden und Designs für Nachhaltigkeit und Zirkularität, also dem Kreislauf von Ressourcen und wie diese geschont werden können. Dafür arbeitet das Team an Forschungsprojekten von Bund und Land, aber auch an Aufträgen von Unternehmen.
Der Fokus liegt dabei besonders darauf, die Produktentwicklung mit Blick auf Nachhaltigkeit gemeinsam mit Nutzer:innen zu gestalten. „Unser Ansatz ist sehr nutzerzentriert. Es gibt viele Innovationen auf dem Markt, aber die meisten sind nicht so gut bedienbar, weil sie am Nutzer oder der Nutzerin vorbei entwickelt wurden. Deshalb ist die Idee, ganz früh mit den Menschen zusammen die Produkte zu entwickeln“, erklärt Greven. Sie selbst sieht sich dabei als eine Vermittlerin: „Es geht darum, Prozesse zu moderieren, aber auch darum, Menschen zu befähigen, dass sie selbst in der Lage sind, Produkte zu entwickeln. Denn jeder kann für sich selbst besser Produkte entwickeln, als wenn ich das tun würde.“

Immer nach links und rechts schauen

Neben ihrem Job als Researcherin im Wuppertal Institut hat Greven in Agenturen und als Freelancerin gearbeitet, ist zwischenzeitlich bei einem Wuppertaler Startup eingestiegen. All diese Schritte haben sie dorthin gebracht, wo sie jetzt steht. Dass sie am Anfang noch kein großes Ziel vor Augen hatte, hat ihr den Blick für die unterschiedlichen Möglichkeiten im Leben offengehalten: „Ich finde es vollkommen okay, wenn man nicht direkt den großen Plan hat. Man darf sich nur nicht verlieren. Man muss reflektieren: Ist der Weg, den ich gerade gehe, gut? Und wenn nicht: Wie kann ich mir neue Möglichkeiten schaffen?“ Deswegen ist es wichtig, immer nach links und rechts zu schauen und sich seiner Stärken und auch Schwächen bewusst zu werden, so Greven. „Und wenn man seine Arbeit gerne macht, läuft es schon fast von allein.“ »hvn«

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