Fokus Von der Heydt-Museum: Zero, Pop und Minimal – die 1960er und 1970er Jahre

Aktuell findet bis zum 16. Juli 2023 die Ausstellung ZERO, POP UND MINIMAL – DIE 1960ER UND 1970ER JAHRE im Von der Heydt-Museum Wuppertal statt. Unsere Redakteurin Lena Nemirowski war für euch da. Ihr Fazit lautet: Unbedingt besuchen. Warum sie dieser Meinung ist, erfahrt ihr im nachfolgenden Beitrag:

Die Ausstellung empfängt mich mit Harry Kramers „Trunk“. Dieses 1964 entstandene Werk ist ohne Zweifel ein eindrucksvolles Beispiel der kinetischen Kunst – der Kunst, bei der die Bewegung im Mittelpunkt steht. Wie sein englischer Name („trunk“- dt. Stamm) andeutet, imitiert das aus Draht und beweglichen Teilen bestehende Objekt einen Baumstamm. Ein Motor ist das, was diese Teile in Bewegung setzt. Es scheint dabei ebenfalls eine kinetische Verbindung zwischen mir als Betrachterin und dem Werk zu geben: Je schneller und stärker ich meine Hand davor bewege (natürlich mit einem sicheren Abstand), desto reger drehen sich die Teile. Ich frage mich, ob es nur ein Zufall ist oder doch eine Absicht des Künstlers.

Bewegung, Fluxus und Anti-Kunst

Zwei andere Kunstwerke im gleichen Raum lassen allerdings keinen Zweifel in Bezug auf die Interaktion zwischen Betrachter:in und Werk aufkommen: Durch das Bedienen eines kleinen Pedals erlaubt Gerhard von Graevenitz den Besucher:innen drei weiße Ovale auf dem runden schwarzen Hintergrund tanzen zu lassen. Ein ähnliches Spiel kann man mit Jean Tinguelys Werk „Maschinenbild Haus Lange, Variation pour baton“ spielen: Nach dem Pedaldruck fangen mehrere Stäbe an, sich auf eine chaotische Weise zu drehen und erinnern mich dabei an eine „durchgedrehte“ Uhr. „So eine Uhr könnte dem verrückten Hutmacher aus ‘Alice im Wunderland‚ gehören“, ist mein Gedanke.

Der Fluxusraum trifft mich mit einem Klang, der aus einem Geisterhaus stammen könnte. Zu so einem Haus gehört bekanntlich auch ein Klavier, das von allein unheimliche Töne erzeugt. Und da steht es! Das Klavier von Joe Jones, das im Sinne der Fluxus-Bewegung so präpariert wurde, dass die meisten seiner Tasten blockiert sind und einige wenige die Geräusche erzeugen, die alles andere als typisch für das besagte Musikinstrument sind. Die Verfremdung des ursprünglichen Sinns wird hier nun zum Mittel der Kunst.

Politik trifft auf Kitsch

In diesem Zusammenhang dürfen auch die zehn Siebdrücke aus Andy Warhols „Mao“-Serie nicht unerwähnt bleiben. Inspiriert von Richard Nixons China-Besuch in 1971 fing Warhol an, seine bunte Serie zu produzieren. Die grellen Farben stehen im starken Kontrast zu der üblichen strengen und einschüchternden Darstellung der politischen Figur Mao Zedongs. Kitsch trifft auf Politik und Mao wird nun zu einer Figur der Pop-Kultur.

Fazit zur Ausstellung „Zero, Pop und Minimal – die 1960er und 1970er Jahre“ im Von der Heydt-Museum

Alles in Allem sind die 1960er und 70er Jahre eine bedeutende Zeit für unsere Kultur. Es ist die Zeit der Umbrüche in Politik, Wissenschaft und Kunst: Erster Mensch im Weltraum, Spiegel-Affäre, Roe vs. Wade, Kalter Krieg, Vietnam-Krieg, Inkrafttreten der Zollunion der Europäischen Gemeinschaft, Martin Luther King und der Höhepunkt der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung sind nur einige Beispiele für die Ereignisse, die den Zeitraum der 1960er und 70er Jahre prägen.

Auch Künstler:innen suchen nach neuen Wegen: Die Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO wird zu einer internationalen Bewegung und Pop Art wird zu der vorherrschenden Kunstrichtung der westlichen Kultur. Otto Piene, Heinz Mack, Günther Uecker, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Konrad Klapheck sind die bedeutendsten Vertreter dieser Bewegungen und die Highlights der Ausstellung. Ihre Werke spiegeln die Ereignisse einer sehr turbulenten und spannenden Zeit wider, einer Zeit, die einen enormen Einfluss auf unsere heutige Kultur hat. Für mich war dies in erster Linie der Grund, die Ausstellung „ZERO, POP UND MINIMAL – DIE 1960ER UND 1970ER JAHRE“ zu besuchen. Dadurch, dass diese bis zum 16. Juli 2023 (!) läuft, bin ich mir mehr als sicher, dass es in meinem Fall nicht das letzte Mal war! »ln«

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Anschrift: Turmhof 8, 42103 Wuppertal (GoogleMaps)
Telefon: 0202/563-6231
E-Mail: von-der-heydt-museum (at) stadt.wuppertal.de

Webseite: von-der-heydt-museum.de
Instagram: @vonderheydtmuseumwuppertal
Facebook: von.wuppertal

Öffnungszeiten des Von der Heydt-Museums

  • Dienstag bis Freitag: 11 bis 18 Uhr
  • Donnerstag: 11 bis 20 Uhr
  • Samstag und Sonntag: 11 bis 18 Uhr
  • Montag: geschlossen

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