w( )( )del – ich sitz auf dem Berg hier

Viele Wege führen nach Rom – Aber nur einer trocken über den Campus

Die Vöglein zwitschern einen sommerlichen Song vom Geäst und die bergische Sonne strahlt unvermindert die kahlen Strukturen der Wuppertaler Universität an. Wie kleine Ameisen laufen junge als auch ältere Menschen über den Campus und gehen verschiedenen Dingen nach. Die Einen sind auf dem Weg zum nächsten Seminar, Andere auf dem Weg zur Essensausgabe der Mensa und wieder Andere suchen die Bücher der Bibliothek auf, um dort ihr Wissen zu vertiefen. Hier an diesem Ort des Wissens, hoch oben auf dem Berg über Elberfeld, studiere ich seit diesem Semester.

Ich bin sogenannter „Ersti“ im Bachelor-Studiengang. Neben Geschichte, was mir am Herzen liegt, studiere ich noch Germanistik und möchte irgendwann den Master of Education machen. Selber lehren war immer ein Traum von mir, neben anderen Träumen wie Feuerwehrmann und Wurstfachverkäufer und so ist die Entscheidung während meines Abiturs zugunsten des Studiums ausgefallen. Wohl eher Zufall, denn als ich vor der Entscheidung stand, hab ich Streichhölzer gezogen. Nun steh ich hier auf dem Campus der Bergischen Universität und zweifle an meiner Entscheidung oder an meinem Schicksal. Wie schwer es ist, hier in diesem Wahnsinn von Wissen zu bestehen , davon möchte ich nun berichten.

Ich weiß noch als wenn es gestern gewesen wäre. Ich fuhr mit dem Bus vom Busbahnhof hoch zur Universität. Zum Campus Grifflenberg. Mir war nicht bekannt, dass die Bergische Uni auf drei Campus verteilt ist. Scheint, als wollte man das Wissen verteilt wissen. Tolles Wortspiel. Tut mir leid, aber Germanisten haben einen Hang zum Wort und Metaphern. Spielt ja auch keine Rolle wie im Theater. Ich stieg aus dem Bus am Haupteingang aus und versuchte mich zu orientieren.

„Haupteingang“ – ein einfaches Wort, das es mir erleichterte, den richtigen Weg zu finden. Ich betrat also zum ersten Mal die Universität und begab mich zum Beratungs- und Informationscenter, das im Haupteingangsgebäude untergebracht ist. Hier wollte ich nun noch ein paar Unterlagen nachreichen und mir bei der Gelegenheit den Campus ansehen. Schließlich sollten in einer Woche die Vorlesungen beginnen, auf die ich mich schon freute. Ich sprach kurz mit der Dame, übergab ihr ausgefüllte Bögen und fragte sie dann höflich nach den Örtlichkeiten meines Studienganges. Die Dame runzelte die Stirn: „So genau kann ich Ihnen das gar nicht sagen, Herr Decker, Vorlesungen werden ja in verschiedenen Hörsälen gehalten, und wo die Büros von Ihren Fachsprechern sind, das müssten Sie mal im Netz nachschauen. Aber laufen Sie doch einfach mal durch die Gebäude und schauen Sie sich um. Vermutlich werden Sie sich schnell zurechtfinden.“

Gesagt, getan. Mutig und mit Gelassenheit ging ich schnurstracks auf das erste Treppenhaus zu. Früher oder später müsste ich mich ja sowieso mit den Gebäuden auseinandersetzen, um mich zu Recht zu finden. Der Plan war leicht. Unten reingehen, sich bis ganz nach oben kämpfen, Stockwerk für Stockwerk, um dann ganz lässig wieder mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss zu fahren, das Gebäude zu verlassen und sich dann dem nächsten zu widmen. Wenn ich gewusst hätte, was dann passiert … Ich glaube, ich hätte mit einer Kordel in der Hand oder mit Kreide meinen Weg markiert, um wieder herauszufinden aus diesem… ich will’s mal „Irrgarten“ nennen. Ich ging also die ersten Etagen hoch und die Flure entlang, bemerkte sehr schnell, dass die nicht endeten, sondern in einem weiteren Treppenhaus auf weitere Flure trafen. Verwirrt zog ich mich zuerst zurück in das erstbetretende Treppenhaus und versuchte meinem Masterplan zu folgen. Ich gelang durch wissenschaftliche Bereiche der Chemie und Biologie und staunte über die Gestaltung der Gänge. Dann hatte ich plötzlich das Verlangen, eine Örtlichkeit aufzusuchen und suchte hektisch nach dem Schild „Männer-WC“.

Nachdem ich die Örtlichkeit verlassen hatte, hatte ich die Orientierung verloren. In meiner Hektik hatte ich vergessen, aus welchem Gang ich gekommen war. Ich stand also in einem Knotenpunkt und hatte verschiedene Möglichkeiten. Ich wählte eine Richtung und zu meinem Bedauern war es die falsche. Ich folgte einem Gang, kam zum nächsten Treppenhaus. Verwirrt überdachte ich meine Situation. Da kam die rettende Idee. Einfach mal an eine Tür anklopfen und nach dem Weg fragen. Ich klopfte an eine Tür der Biologie. Eine sympathische Dame öffnete mir und nachdem ich ihr meine missliche Lage offenbarte, musste sie schmunzeln. „Ja, Sie sind nicht der erste Student, der sich hier verläuft. Manchmal haben wir das Gefühl, das der Campus regelrecht Studenten verschluckt. Mancher Student kommt zu spät zu Seminaren oder Vorlesungen, nur weil er den richtigen Gang nicht findet.“ Ich fragte, ob sie wisse, wo die Geschichte und die Germanistik untergebracht sind und als Antwort erhielt ich eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Weil sie es eilig hatte, zeigte sie mir mit dem Finger, wo ich langgehen musste und ich versuchte, ihrer Wegweisung zu folgen. O.08 und O.10.

Ich lief die Gänge lang und versuchte mich an den Türschildern zu orientieren und endete in einer Sackgasse. M.12.10 war meine Endstation. Ich wusste nicht mehr wohin. Ich wollte nur raus. Ich ging ins Erdgeschoss und verließ das Gebäude. Draußen angekommen runzelte ich die Stirn. Wo bin ich? Verdammt. Ich irrte herum, bis ich einen aufgestellten Lageplan fand. Wow, dacht ich mir, schon allein um den lesen und verstehen zu können, müsste man studiert haben. Minutenlang studierte ich ihn, minutenlang und ich verstand ihn nicht. Ich war zu aufgeregt, möchte ich behaupten, um einen Zugang zu der Materie zu bekommen. Ein weiteres Mal schaute ich drauf und erhaschte einen Augenblick später die Lösung. Ich wusste wo ich war und lief mit einem Bild im Kopf zurück zum Haupteingang. Froh wieder zu wissen wo ich war wollte ich allerdings einen zweiten Anlauf unternehmen und ging zu der Zentrale, wo die Wachmänner, so scheint es, sitzen. Ich fragte nach, ob mir jemand helfen könnte, und endlich erhielt ich Informationen, die mir alles erleichterten.

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„Die Gebäude auf dem Campus sind untereinander verbunden. Nicht alle aber viele. So können Sie, wenn es regnet, trocken von einem Ende des Campus zum anderen gelangen. Dazu müssen Sie sich lediglich zu einem Knotenpunkt auf der Ebene 10 einfinden. Auf dieser Etage besteht die Möglichkeit zu anderen Gebäuden zu gelangen. Das steht über den Fahrstühlen. Jedes Gebäude hat somit nicht einen Buchstaben sondern drei. Gebäude S/N/O beherbergt z.B. den Gang S, Gang O und Gang N in dem sich verschiedene Fachbereiche befinden. Ausgänge finden sich meistens auf Ebene 8. Wenn Sie einen Hörsaal suchen, schauen Sie einfach, in welchem Gebäude er zu finden ist, schauen auf die Übersicht des Campus und dann sollten Sie über die verschiedenen Etagen Ihren Raum finden. Verlaufen Sie sich nicht. Manchmal sind die Treppenhäuser tückisch, auch wenn Sie die Theorie verstanden haben.“

Danke, mit diesem Wissen über die Gebäude bin ich nun einigen voraus. Freunde von mir, die schon im 6. Semester hier studieren, haben mir erzählt, dass sie das Gebäude und Flursystem erst nach drei Semestern verstanden haben. Ich bin noch nicht einmal eine Woche hier und weiß schon mehr als sie damals. Ausprobiert habe ich es an diesem Tag nicht mehr, ob ich die Theorie verstanden habe. Wollte es auf den nächsten Tag verschieben, da ich da zum Prüfungsamt wollte. Habe schon einiges gehört über das Prüfungsamt des Fachbereichs A. Wollte mich an einem Donnerstag dort informieren. Aber davon erzähl ich ein andermal. »aw«

– Fortsetzung folgt –

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