Stern-Taler-Netz-Werk: Mehr als nur ein Nachhilfeverein

Der gemeinnützige Nachhilfeverein Stern-Taler-Netz-Werk e.V. mit Sitz in Barmen bietet seit 2012 Förderunterricht, erteilt durch Lehramtsstudierende aus Wuppertal und Umgebung, insbesondere an Regelschulen in Wichlinghausen und Oberbarmen an. Warum das Stern-Taler-Netz-Werk mehr ist, als "nur" ein Nachhilfeverein, haben uns Geschäftsführer Frank Wittgenstein (59) und Koordinatorin Eliane Picard (34) im persönlichen Gespräch erörtert.

Eliane Picard ist seit 2013 im Stern-Taler-Netz-Werk aktiv. Angefangen hat sie als Honorar-Lehrkraft neben ihrem Promotionsstudium in Fach Germanistik an der Bergischen Universität Wuppertal. „Eine Freundin, die selbst als Lehrkraft tätig war, hat mich damals auf den Verein gebracht“, erzählt sie rückblickend. Aus diesem beruflichen Engagement wurde dann im gleichen Jahr mehr, denn seitdem leitet sie als Koordinatorin gemeinsam mit Geschäftsführer Frank Wittgenstein den Verein und kümmert sich um die gesamte Organisation. „Damals waren für mich durchaus auch andere Wege möglich. Ich arbeitete an meiner Doktorarbeit, gab an der Universität Tutorien und hatte eine wissenschaftliche Laufbahn im Blick.“ Ein Trauerfall in der Familie änderte jedoch alles: „Ich fühlte mich nicht mehr ‚richtig‘ in der universitären Theorie und wünschte mir eine Tätigkeit mit mehr Lebensbezug, in der ich die Auswirkungen meiner Arbeit unmittelbar sehe und die mir Spaß macht. Die Selbstverwirklichung im wissenschaftlichen Bereich verlor ebenso die Bedeutung wie irgendwelche Verdienstperspektiven.“ Ein stärkeres Engagement im Verein bot ihr – gerade angesichts der Ziele des Stern-Taler-Netz-Werks – eine dazu passende und neue Perspektive.

Angebot des Vereins richtet sich an Kinder aus wirtschaftlich schwachen Familien

Wer Nachhilfe sucht, stößt auf ein breites Angebot. Nachhilfe-Institute, Schülerinnen und Schüler aus höheren Klassen oder (Lehramts-)Studierende stehen auf der anderen Seite der Nachfrage von Eltern und Schülern. Doch was ist mit denjenigen, die Nachhilfe brauchen, aber selbst nicht nachfragen und niemanden haben, der das für sie erledigen kann? Die Gründe dafür sind vielfältig: Eltern interessieren sich nicht, es existieren Sprachbarrieren und Informationsdefizite, oder die Finanzen reichen nicht aus. Hier setzt der Verein, der u.a. mit der Sozialtherapeutischen Kinder- und Jugendarbeit (SKJ) und der Wuppertaler Kindertafel arbeitet, an. „Wir wollen Schülerinnen und Schülern aus sozial schwachen Strukturen ein Förderangebot machen, das über die Schulen an die Familien herangetragen wird.“ Die Eltern fast aller Kinder, die den Unterricht des Vereins besuchen, beziehen Sozialleistungen, so dass das zuständige Amt die Kosten für die Nachhilfe übernimmt. „Die wenigen Selbstzahler stammen aus sogenannten ‚Schwellenhaushalten‘, die ebenfalls nur über wenig Mittel verfügen und für die wir niedrige und gestaffelte Kursgebühren erheben“, führt Picard aus. Bevor ein Kind im Nachhilfekurs sitzt, stellen die Eltern einen Antrag, den die Schule befürworten und das Amt bewilligen muss. „Das kostet Zeit, die zulasten der Kinder geht“, führt der Gründungsvater des Vereins, Frank Wittgenstein aus. Die eigentliche Arbeit beginnt erst dann, wie Picard ergänzt: „Das Prozedere ist manchmal frustrierend, aber es lohnt sich, denn es ist für die Kinder!“

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Das Stern-Taler-Netz-Werk vermittelt nicht nur Inhalte, sondern auch soziale Kompetenzen

Der Förderunterricht des Vereins erfolgt grundsätzlich in Kleingruppen, wie Wittgenstein ausführt: „Dabei sind Schülerinnen und Schüler aus höchstens zwei unterschiedlichen Jahrgangsstufen. Wir achten auf die größtmögliche Homogenität der Lerngruppen und unterrichten nur ein Fach pro Kurs und Gruppe.“ Die Förderkurse finden in der Regel in den Räumen der Kooperationspartner statt und umfassen die Fächer Deutsch, Mathe und Englisch. „Dabei ist es uns ein Anliegen, dass die Betreuung und Förderung der Schülerinnen und Schüler auf einer partnerschaftlichen Ebene erfolgt, es also kein alleiniges Vermitteln von Lerninhalten ist, sondern auch auf individuelle Problemstellungen, beispielsweise familiär, sprachlich, verhaltens- oder lernbezogen, eingegangen wird.“ Innerhalb der Gruppe werden auch soziale Kompetenzen im Umgang miteinander vermittelt und auch Orientierung in puncto künftiger Bildungswege und beruflicher Perspektiven gegeben. „Vor allem wollen wir aber Lebenslust und Motivation versprühen und so Hemmnisse beim Lernen oder gar bereits vorhandene Resignation abbauen“, so Wittgenstein. Auch bietet der Verein spezielle Angebote für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an.

Zum Teil werden weit über 100 Schülerinnen und Schüler durch das Stern-Taler-Netz-Werk betreut

„Zum Anfang eines Schuljahres beginnen wir meist mit 30 bis 50 Schülerinnen und Schüler, was sich im Verlauf auf 100 bis 120 steigern kann“, berichtet Picard aus der Verwaltung. Die meisten stammen dabei aus Hauptschulen aus sozialen Brennpunkten, gefolgt von Grundschulen, selten anderen weiterführenden Schulen. Dafür sucht der Verein regelmäßig Nachhilfe-LehrerInnen, insbesondere aus dem universitären Umfeld. „Wer Interesse hat, kann sich bei uns bewerben. Nach einem persönlichen Vorstellungsgespräch folgt eine Hospitationsphase in einem bestehenden Kurs, in dem nach und nach auch Praxiserfahrung gesammelt werden kann, bevor es dann in den eigenen Kurs geht.“ Wichtig ist dem Verein, dass es nicht nur fachlich, sondern auch menschlich im Sinne der Vereinsziele passt.

Picard selbst unterrichtet bis heute: „Darunter ist ein Mädchen, das ich vor vier Jahren das erste Mal unterrichtet habe. Sie war damals in der neunten Klasse der Hauptschule, stand notentechnisch zwischen vier und fünf und hatte überhaupt keine Motivation zum Lernen. Durch unser gemeinsames Arbeiten hat sie einen guten Hauptschulabschluss abgelegt und ist nun über die Berufsschule auf dem Weg zum Fachabitur. Trotz widriger Lebensumstände hat sie durch die Nachhilfe Selbstbewusstsein getankt und aus einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung in Richtung Schule ist eine große Motivation entstanden, die zwischenzeitlich darin mündete, dass wir in den Sommerferien gemeinsam und freiwillig Spanisch gelernt haben. Das sind Erlebnisse, die mich in meinem Tun motivieren und mich in meiner Arbeit beim Stern-Taler-Netz-Werk bestätigen.“ »mw«

Wie könnt ihr beim Stern-Taler-Netz-Werk einsteigen?

Das Stern-Taler-Netz-Werk bietet sich als Trainingsplattform für den späteren Beruf an, da die Kurse mit kleinen und möglichst homogenen SchülerInnen-Gruppen oft in der Schule stattfinden. Dabei arbeitet man mit den hauptamtlichen Lehrern und Schulsozialarbeitern zusammen. Diese Einblicke werden ergänzt durch das Kennenlernen vieler SchülerInnen, aus unterschiedlichen Altersstufen, Schulformen, Kulturen und (schulischen) Hintergründen.

Wer die folgenden drei Fragen mit „Ja“ beantworten kann:

  • Ihr seid fit in den Fächern Deutsch, Englisch und/oder Mathe, seid vielleicht bereits im Masterstudiengang, seid sozial eingestellt und habt ein Herz für Kinder und Jugendliche?
  • Ihr könnt euch auch bei schwierigeren SchülerInnen durchsetzen und sucht neue Herausforderungen?
  • Ihr sucht eine sinnvolle Tätigkeit im Team, mit der man Geld verdienen, Spaß haben und auch noch helfen kann?

Und wem folgendes Ausschreibungsprofil anspricht:

  • Anforderungen:
    (Lehramts-)Studium an der Uni Wuppertal
    Zuverlässigkeit, Motivation, Empathie, Kreativität, Durchsetzungsvermögen
  • Einsatzort:
    Wuppertal (Schwerpunkt: Barmen)
  • Vergütung:
    10 €/Stunde auf Honorarbasis
    Je nach persönlicher Verfügbarkeit sind auch andere Vertragsverhältnisse möglich
  • Arbeitsumfang:
    Je nach persönlicher Verfügbarkeit der (Montag bis Freitag)

Sendet seine Bewerbung an die folgenden Kontaktdaten:

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